Barbier-Mueller Sammlung: Höchstumsatz mit außereuropäischen Kultobjekten
Düsseldorf. Welche Eigenschaften führen zu Topergebnissen in einer Auktion? Beste Herkunft, lange Ausstellungslisten, von dem Sammlerpaar geförderte Forschungsarbeit und vor allem die Seltenheit der Kultobjekte aus Afrika und Ozeanien haben Christie’s in Paris einen nachhaltigen Erfolg gebracht.
Kinder und Enkelkinder von Monique und Jean Paul Barbier-Mueller hatten 100 Objekte eingeliefert aus der riesigen Privatsammlung, die in Genf ein Museum unterhält. Der - unveröffentlichte - Schätzwert wurde mit einem Auktionsergebnis von über 73 Millionen Euro für 97 Lose glatt verdreifacht.
Damit liegt die Versteigerung „Barbier-Mueller - Art as Legacy“ vom 6. März 2024 deutlich vor der ebenfalls in Paris ausgebotenen Sammlung des Händlers Michel Périnet. Die hatte 2021 66 Millionen eingespielt.
Auf Handelsblatt-Nachfrage teilt Christie’s mit, dass allein 2500 Personen zur Vorbesichtigung angereist waren. Unter 300 Bietern aus 25 Ländern waren ebenso bekannte Sammlerinnen und Sammler angemeldet wie Neukunden. Viereinhalb Stunden rangen Museen und Privatsammler um die qualitativ hochstehenden Lose.
Allein Frankreichs angesehenstes Museum für traditionelle Kunst aus Afrika und Ozeanien, das Musée Quai Branly, kaufte fünf Werke - ausschließlich aus Ozeanien - an. Die Kustoden folgten der Leidenschaft des Immobilienunternehmers Jean Paul Barbier-Mueller für die Kultur der pazifischen Inseln.
Masken und Einbaum-Dekor
Teuerstes Objekt wurde hier eine „heaume“-Maske aus Neu-Britannien für 378.000 Euro. Der figurative Bug eines Einbaums fiel bei etlichen Gegengeboten erst bei 151.200 Euro an das Museum für außereuropäische Kunst am Quai Branly.
Teuerstes Werk der Auktion und auch in der Tribal Art-Auktionsgeschichte wurde der angsteinflößende, magische Schwarzkopf der Fang. Dieses Kultobjekt aus Gabun kam am Ende auf 14,8 Millionen Euro.
12 weitere Werke durchstießen wegen starker Nachfrage die Schwelle von einer Million Euro. Der Nagelfetisch aus dem Kongo erlöste über 9 Millionen Euro, die Doppelmaske der Baulé von der Elfenbeinküste 6,6 Millionen Euro und die Maske „Saibai“ aus Australien 5,6 Millionen Euro.
Hier standen einzigartige Werke aus einer zu Recht weltberühmten Schweizer Sammlung erstmals zum Verkauf. Das ließen sich Kenner etwas kosten. Die expressive Doppelmaske der Baulé etwa hatte das Sammlerpaar bereits 1955 angekauft.
Aber nicht alle Lose vervielfachten ihren Preis. Eine Senufo-Maske blieb mit 21.420 Euro innerhalb ihrer Taxe, drei unverkaufte Lose warten im Nachverkauf auf neue Kenner oder Liebhaber.
Christie’s hat den Mythos des Sammlerpaares Barbier-Mueller, das früh einstieg, beherzt erwarb und die außereuropäischen Kunstwerke lange behielt, neu belebt.