Anlagestrategie: So legen die weltgrößten Versicherer ihr Geld an
Frankfurt. Private Kreditfonds, festverzinsliche Papiere, Aktien und Unternehmensbeteiligungen: Von diesen Anlageklassen sind die globalen Versicherungskonzerne aktuell besonders überzeugt. Sie glauben: Die Assets werden in den kommenden zwölf Monaten solide Erträge liefern.
Das geht aus der Studie „Risk and Resilience – Global Insurance Survey 2024“ von Goldman Sachs Asset Management hervor, bei der 359 Finanzmanager von Versicherern befragt wurden.
Die geopolitischen Risiken und die zahlreichen Wahlen in diesem Jahr nehmen die Versicherer zwar wahr. Doch eine nachlassende Inflation, sinkende Zinsen und die Aussicht auf das Ausbleiben einer Rezession („soft landing“) stimmen sie optimistisch.
„Vor diesem Hintergrund erhöht man bei den Staats- und Unternehmensanleihen die Laufzeiten und versucht, sich die noch hohen Zinssätze zu sichern“, sagt Volker Anger, Leiter Insurance Asset Management für Kontinentaleuropa beim Vermögensmanager von Goldman Sachs, dem Handelsblatt.
Laut der Studie stocken die Versicherer ihre Engagements besonders im Bereich Private Credits auf. Das sind Kredite an Unternehmen, die über Kreditfonds oder auf direktem Wege vergeben werden.
Bei den Darlehen an Firmen rechnet die Mehrheit der befragten Finanzmanager weltweit mit den höchsten Renditen in den kommenden zwölf Monaten. In Europa will mehr als ein Drittel seine Position hier aufstocken. Private Kreditfonds sind derzeit in Mode bei institutionellen Investoren, obwohl die Aufsichtsbehörden hier vor Übertreibungen gewarnt haben und Experten von steigenden Forderungsausfällen ausgehen.
Krypto spielt nahezu keine Rolle
Auch US-Aktien stehen unter den Top-fünf-Anlageklassen hinsichtlich der Renditeerwartungen. „Die Manager sind zuversichtlich, dass 2024 wieder ein gutes Aktienjahr wird“, sagt Anger. Mehr als die Hälfte rechne mit einem Plus zwischen fünf und zehn Prozent beim breiten US-Aktienindex S&P 500. Allerdings hat das Börsenbarometer seit Januar bereits rund zehn Prozent zugelegt. Anger erwartet nunmehr eine Seitwärtsbewegung.
Bei Immobilien sind die Investmentmanager der Versicherungsbranche zurückhaltend. Auch Investments in Kryptowährungen nehmen keinen großen Platz in den Portfolios ein.
Auch in einer anderen Studie zeigen die Profianleger eine Vorliebe für die sogenannten Private Markets abseits der traditionellen Börsen. Aus der jährlichen Equilibrium Global Institutional Investor Survey vom Vermögensverwalter Nuveen geht hervor, dass mehr als die Hälfte der 800 befragten Investoren weltweit ein höheres Engagement in privaten alternativen Anlagen plant. Private Kredite und privates Beteiligungskapital (Private Equity) sind dabei die erste Wahl.
Unternehmenskredite stehen im gesamten Spektrum der festverzinslichen Wertpapiere ganz oben auf der Liste, und fast die Hälfte der Investoren plant, stärker auf festverzinsliche Wertpapiere mit Investmentgrade-Ratings zu setzen. Einige Investoren planen, auch ihre Investments in Immobilien (24 Prozent) und Rohstoffe (22 Prozent) sowie Hedgefonds (21 Prozent) zu verstärken.
Mike Perry, Leiter der Global Client Group von Nuveen, sieht gegenwärtig drei dominante Trends im Anlageverhalten. Erstens sei das Interesse an Energie-Innovationen und Infrastrukturprojekten im Zuge der Energiewende groß. Zweitens werde im Rahmen der wachsenden Positionen in alternativen Anlagen privaten Krediten und privatem Beteiligungskapital Vorrang eingeräumt. Und schließlich hielten Investoren Teile ihrer Portfolios in höherwertigen und liquiden festverzinslichen Instrumenten, etwa Unternehmensanleihen.
ESG-Kriterien weniger stark im Fokus
Parallel scheint sich der Hype um ESG-Maßstäbe etwas abzukühlen. Damit ist das Anlageverhalten gemeint, das Kriterien für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung in den Vordergrund stellt. Zwischen den USA und Europa treten dabei unterschiedliche Entwicklungen hervor, zeigt die Goldman-Umfrage.
ESG-Kriterien sind demnach seit dem Jahr 2020 für mindestens 94 Prozent der Versicherer in Europa ein relevanter Faktor bei Anlageentscheidungen. Ausgehend von diesem hohen Niveau nimmt die Bedeutung kaum noch zu. In den USA kann man seit dem Jahr 2022 an den Umfrageergebnissen beobachten, dass die Anzahl der Versicherer, für die ESG-Kriterien kein relevanter Faktor bei Anlageentscheidungen sind, zugenommen hat. Bei der diesjährigen Umfrage waren es 32 Prozent, nach 25 Prozent im Vorjahr.