Gamestop-Aktie: Wer ist „Roaring Kitty“?
Düsseldorf. Seine jüngste Ankündigung begleitete er mit einem Videoclip aus dem Science-Fiction-Film „Dune“: Er besitze nun neun Millionen Aktien des Videospiele Händlers Gamestop, erklärte der Finfluencer „Roaring Kitty“ am Donnerstag nach Börsenschluss auf seinem Reddit-Account. Der Wert seiner Position beläuft sich damit 262,1 Millionen Dollar.
Die Gamestop-Aktie stieg um mehr als 14 Prozent auf 29,12 Dollar. Im nachbörslichen Handel notierte das Papier anschließend bei 28,66 Dollar.
Der Post mit dem „Dune“-Video führt auf seinen Account auf der Plattform X. Dort hatte „Roaring Kitty“, zu Deutsch brüllendes Kätzchen und bürgerlich Keith Gill, nach einer fast dreijährigen Pause im Mai seine Rückkehr angekündigt.
Auch damals bediente sich Gill an einer Reihe Memes. Gills letzter Post vor seiner Auszeit war ein Video einer Reihe schlafender und dösender Katzen. Sein erster Post nach der Rückkehr zeigt einen Gamer, der sich in seinem Stuhl vorbeugt. Darauf folgten Memes aus Filmen wie „Avengers: Infinity War“ oder Serien wie „Game of Thrones“ und „Peaky Blinders“. Ein weiterer Post führt zu einer Analyse der Gamestop-Aktie von August 2020.
Gill und war eine entscheidende Figur während des Hypes um den damals kurz vor der Pleite stehenden Computerspielehändler Gamestop im Frühjahr 2021. Damals stieg die Aktie zeitweise um mehr als 1700 Prozent, ehe sie einen Großteil der Gewinne wieder abgab. Die Ereignisse wurden in Hollywood verfilmt unter dem Namen „Dump Money“.
„Roaring Kitty“: Durch Gamestop-Hype enorme Verluste für Shortseller
Der US-Amerikaner Gill hatte damals auf verschiedenen Social-Media-Kanälen auf eine Trading-Chance bei der Gamestop-Aktie hingewiesen. Seiner Einschätzung nach war die Aktie unterbewertet, während gleichzeitig Shortseller massiv auf fallende Kurse wetteten.
Diese leihen sich Aktien und verkaufen diese sofort in der Hoffnung, sie später günstiger zurückkaufen zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn.
Ausgehend von Gills Analyse stieg die Gamestop-Aktie ohne fundamentalen Grund immer weiter. Die Verluste für Shortseller wurden so groß, dass einige kapitulieren mussten, ihre Wetten abbrachen und die Aktien zu höheren Preisen zurückkauften.
Dadurch stieg der Kurs noch weiter – im Börsenjargon wird das Short-Squeeze genannt. Der Hedgefonds Melvin Kapital ging infolge dieser Verluste pleite.
Rückkehr von „Roaring Kitty“: Neue Spekulationen über Gamestop-Aktie
Gills Rückkehr hatte erneut Spekulationen auf einen Short-Squeeze ausgelöst. Zum Handelsstart in den USA legten die Titel des US-Unternehmens am Tag seiner Rückkehr um bis zu 110 Prozent zu. Nachdem die Aktie über den Tag mehrfach vom Handel ausgesetzt wurde, hatten die Papiere zum Handelsschluss 74,4 Prozent gewonnen. Shortseller verloren Hunderte Millionen Dollar, zeigen Daten des Finanzdienstes Ortex.
In seiner X-Biografie unter den Bildern einer Katze, die mit einem Wollknäuel spielt, und einem fauchenden Kätzchen beschreibt der ausgebildete Finanzanalyst Gill seine Tätigkeit. Er zeige Methoden für die Aktienjagd und Investmentmöglichkeiten auf, und das „ausschließlich zu Bildungszwecken“.
Die Wirkungsmacht dieses „Bildungsangebots“ machte ihn 2021 zum Millionär. Ein glücklicher Zufall?
Die Behörden in den USA glauben nicht daran. Im Februar 2021 musste er sich bei einer Anhörung vor dem US-Repräsentantenhaus rechtfertigen. Auch wurde eine Klage wegen Wertpapierbetrugs gegen ihn eingereicht. Er habe sich als Amateur-Anleger ausgegeben, obwohl er mehrere Brokerlizenzen besaß und von den rapide steigenden Preisen profitierte.
In der Anklageschrift hieß es, Gill habe das Wertpapierrecht verletzt und die Integrität des Marktes für Gamestop-Aktien untergraben. Dies habe zu „riesigen Verlusten geführt“.
Verluste, die nicht nur diejenigen trafen, „die Optionen gekauft haben, sondern auch die Käufer der Gamestop-Aktie, die sie während der Markt-Euphorie zu deutlich aufgeblasenen Preisen gekauft haben“.
Gill wies die Vorwürfe zurück. Er habe nie darum geworben, dass andere für seinen Profit die Aktie kaufen. Dabei hatte er seine Gewinne selbst auf der Plattform Reddit unter dem Nutzernamen „DeepFuckingValue“ öffentlich gemacht.
Fast täglich postete er im Reddit-Forum „Wall Street Bets“ seine Depot-Auszüge unter der Überschrift: „GME YOLO Update“. Begonnen hatte er im Sommer 2020 mit 53.000 Dollar. Damals kostete eine Aktie gut fünf Dollar. Daraus sind in der Spitze fast 50 Millionen Dollar geworden.
Fans zeigen ihre Unterstützung bei X
Der heute 37-jährige Gill erklärte im Februar 2021 zudem, er habe zu keiner Gruppe gehört, die den Preis antreiben wollte. Wie viel Einfluss Trader haben, die sich auf Reddit und anderen Foren organisieren, zeigt sich nun aber erneut.
Gleiches gilt für den Einfluss Gills. Nutzerinnen und Nutzer schreiben unter seinem Rückkehr-Post Kommentare wie: „Willkommen zurück, König“, „Es ist Zeit“. "Wir werden nicht gehen", heißt es in den Kommentaren unter dem „Dune“-Post, oder „Let's go, kitty!“.
Was ihn motiviert, ist nicht klar. Seine Lizenz als Finanzbroker hat der aus einfachen Verhältnissen stammende Gill 2021 verloren, seine Anstellung beim Versicherer Massmutual auch.
Vielleicht ist es auch eine tatsächliche Leidenschaft für Gamestop. „Ich mag die Aktie“, hatte er nach dem Hype 2021 gesagt. Und: „Soweit ich weiß, haben viele Anleger das Potenzial der Aktie immer noch nicht erkannt.“
Erstpublikation: 14.05.2024, 13:05 Uhr, zuletzt aktualisiert: 14.06.2024, 13:00 Uhr.