Handelsblatt-Musterdepots: Dynamik-Depot: Ganz anders als erwartet – Aktienmärkte erreichen Höchststände!
München. Es liegen ereignisreiche Wochen hinter uns. Anfang Mai beließ die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins unverändert bei 5,25 bis 5,5 Prozent. Angesichts der hartnäckigen Inflation und der bisher robusten Wirtschaftstätigkeit beabsichtigt die Fed, geduldig zu bleiben und vorerst ihren restriktiven Kurs beizubehalten.
Fed-Chef Jerome Powell äußerte sich auf seiner Pressekonferenz unzufrieden über die nach wie vor hohe Inflation. Obwohl der Leitzins unverändert bleibt, plant die Fed, ihren restriktiven Kurs etwas zu lockern.
Sie will das Tempo der Bilanzreduzierung und den damit verbundenen Entzug von Liquidität verlangsamen. Ab Juni dieses Jahres wird die monatliche Höchstgrenze für die Tilgung von US-Staatsanleihen deutlich reduziert, von bisher 60 auf 25 Milliarden US-Dollar.
In den Sommermonaten erwarte ich ein langsameres Wachstumstempo und einen dadurch nachlassenden Inflationsdruck. Das könnte der Fed Spielraum für Zinssenkungen ab September geben.
Die Bank of Japan oder das japanische Finanzministerium scheinen währenddessen am Devisenmarkt interveniert zu haben. Das führte zu einer Stärkung des Yens gegenüber dem US-Dollar beziehungsweise dem Euro und stoppte vorerst die Abwertung der japanischen Heimatwährung.
Profitieren von der Wertentwicklung an Chinas Börsen
Die Aktienmärkte reagierten auf dieses Kapitalmarktumfeld mit einer Rally, die schließlich Mitte dieser Woche zu neuen Allzeit-Höchstständen im S&P 500, dem deutschen Leitindex Dax und dem Nasdaq-100-Index führte. Ende April fühlte ich mich noch darin bestärkt, dass die Aktienmarktkorrektur weiter anhalten könnte und möglicherweise zu attraktiveren Preisen und Bewertungen führen würde. Trotz schwächerer Arbeitsmarktdaten und eines BIP-Wachstums in den USA, das unter den Erwartungen lag, war meine Einschätzung falsch. Der Aktienmarkt stieg entgegen meiner Erwartung.
Es ist jedoch äußerst erfreulich zu sehen, dass die chinesischen Aktienmärkte den Abwärtstrend verlassen haben und in den letzten Wochen eine starke Wertentwicklung verzeichnen. Davon konnte ich im Dynamik-Depot durch den ETF auf den CSI-300-Index profitieren. Zudem habe ich Anfang Mai eine Position im Cybersicherheitsunternehmen Fortinet aufgebaut, das nach Veröffentlichung seine Quartalszahlen korrigierte. Obwohl das Quartalsergebnis positiv ausfiel, enttäuschte der Ausblick. Dennoch etabliert sich das Unternehmen in einer wachstumsstarken Branche mit hohen Margen und Cashflows.
Folgt eine irrationale Marktphase?
Zu Beginn des Jahres herrschte unter nahezu allen Investoren und Asset-Managern die Überzeugung, dass die Zentralbanken frühzeitig und mehrfach Zinssenkungen vornehmen würden, was zu weiter sinkenden Renditen führen sollte. Doch bisher ist genau das Gegenteil eingetreten.
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Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen liegen bei etwa 2,5 Prozent und für US-Anleihen bei 4,5 Prozent – weit über den Tiefständen vom Dezember 2023. Um das Zinsänderungsrisiko zu reduzieren, habe ich Ende letzten Jahres bei den Renditetiefständen die beiden Renten-ETFs verkauft, die Staatsanleihen mit langen Laufzeiten abbilden, und ab Februar mit den steigenden Renditen wieder hinzugekauft. Anfang Mai habe ich erneut die beiden Renten-ETFs im Dynamik-Depot aufgestockt.
Meines Erachtens sind die Renditen im Laufzeitsegment zehn bis 30 Jahre wieder attraktiv. Darüber hinaus bieten die langen Laufzeiten die Möglichkeit, von steigenden Kursen zu profitieren, falls die Renditen sinken sollten. Des Weiteren habe ich die Goldposition im Dynamik-Depot wieder erhöht, nachdem ich bei den Allzeit-Höchstständen Gewinne realisiert hatte.
Gold spielt eine maßgebliche Rolle im Dynamik-Depot, da das Edelmetall als einzigartiger Wertspeicher fungiert und eine besonders interessante Eigenschaft aufweist: Es mildert den Schmerz im Portfolio spürbar während einer Aktienmarktkorrektur und weist dennoch langfristig eine ähnliche Wertentwicklung wie der breite Aktienmarkt auf.
Am vergangenen Sonntag meldete sich der Amerikaner Keith Gill, der auf Youtube als „Roaring Kitty“ bekannt ist, erstmals seit Mitte 2021 auf der Social-Media-Plattform X (ehemals Twitter) zurück. Seine Rückkehr löste eine erneute Rally bei den sogenannten „Meme-Stocks“ wie Gamestop und AMC Entertainment aus, begleitet von abenteuerlichen Kurssprüngen.
Dies könnte darauf hindeuten, dass sich die Kapitalmärkte erneut einer irrationalen Marktphase annähern, ähnlich wie im Jahr 2021.
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