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NahostLuftangriffe und Pager-Attacken – Wie Israel die Hisbollah schwächt

Der Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon verschärft sich. Droht nach den Pager-Attacken und heftigen Luftangriffen jetzt eine Bodenoffensive Israels?Pierre Heumann 20.09.2024 - 14:13 Uhr Artikel anhören
Hisbollah-Mitglieder tragen am Donnerstag in Beirut den Sarg eines Kameraden, der bei der Explosion seines Pagers ums Leben gekommen ist. Foto: AP

Tel Aviv. Israel erhöht massiv den militärischen Druck auf die Hisbollah im Libanon: In mehreren Angriffswellen bombardierten Kampfflugzeuge rund 100 Raketenabschussrampen der proiranischen Miliz, die mit rund 1000 Abschussrohren bestückt gewesen seien, teilte das israelische Militär am Donnerstagabend mit. Die Raketenwerfer seien für unmittelbare Angriffe auf Israel vorbereitet gewesen. Libanesische Sicherheitskreise sprachen von einer der schwersten israelischen Angriffswellen seit Beginn des gegenseitigen Beschusses im Oktober.

Der Konflikt mit der Hisbollah wird für die Regierung in Jerusalem immer mehr zur Priorität. Die Armee hat Elitetruppen und Panzereinheiten aus dem Gazastreifen abgezogen, wo sie gegen die Hamas gekämpft haben und an die israelisch-libanesische Grenze verlegt. Sowohl die Hamas als auch die Hisbollah werden von den USA als terroristische Organisationen eingestuft.

Das militärische Vorgehen vergrößert die Sorge vor einer möglichen Bodenoffensive Israels im Süden des Nachbarlands. Der jüdische Staat will die Hisbollah wieder aus dem Grenzgebiet verdrängen, um die Sicherheit seiner Bürger im Norden zu gewährleisten.

Nach den schweren Luftangriffen forderte die israelische Armee Bewohner mehrerer Gemeinden und Städte im Norden Israels auf, sich in der Nähe von Luftschutzbunkern aufzuhalten. Zivilisten sollen sich zudem am Wochenende von militärischen Übungsgebieten im Norden fernhalten. Das Militär werde dort „Aktivitäten“ ausführen, für Unbefugte herrsche daher Lebensgefahr. „Es ist möglich, dass in nahegelegenen Ortschaften Schüsse und Explosionen zu hören sein werden“, hieß es in einer Mitteilung der Armee.

Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff über dem Dorf Khiam auf. Foto: Ali Hashisho/XinHua/dpa

Die von Israels Verteidigungsminister Joav Gallant bezeichnete „neue Phase“ der Militäroperation gegen die Hisbollah wurde von einer massiven Welle von Explosionen von Pagern und anderen drahtlosen Geräten im Libanon eingeleitet. Für den Angriff macht die Hisbollah Israel verantwortlich, weil er auf ihre ranghohen Offiziere abzielte.

Hisbollah verfügt derzeit über kein funktionierendes Kommunikationssystem

Die Schlagkraft der schiitischen Miliz sei durch die Pager-Explosionen „massiv“ geschwächt worden, schätzt Eyal Pinko, einer der führenden Sicherheitsexperten Israels. Die Hisbollah-Führung habe die Kontrolle über ihre hohen Offiziere verloren, weil sie nicht mehr mit ihnen kommunizieren könne: „Das interne Kommunikationssystem der Hisbollah wurde außer Betrieb gesetzt“, sagt Pinko.

Zudem seien viele hohe Offiziere nach den Explosionen derzeit außer Gefecht gesetzt, da sie Augenverletzungen erlitten hätten, ihnen Finger fehlten oder sie im Gesicht verletzt wurden. Es sei das „Pearl Harbor“ der Hisbollah, meint daher Oded Ailam, der früher die Anti-Terror-Abteilung des Mossad geleitet hat.

Nach dem Raketenbeschuss der Hisbollah auf die israelische Stadt Kirjat Schmona. Foto: IMAGO/Xinhua

Die Terrororganisation ist nach dem schweren Schlag geschockt – und sie ist gedemütigt. So muss sie einen großen Teil ihrer Verletzten nicht in den eigenen Kliniken, sondern in denen der christlichen Maroniten pflegen lassen, die der Hisbollah kritisch gegenüberstehen. Die Versorgung von mehreren Tausend Verletzten wird einen Großteil der Ressourcen und des Budgets der schiitischen Organisation für die medizinische Versorgung und die Genesung der Verletzten sowie für die Rekrutierung von Ersatzkräften in Anspruch nehmen.

Israel hat die Verantwortung für die Explosionen von Pagern und Walkie-Talkies, die mehr als 30 Tote und Tausende von Verletzten im Libanon gefordert haben, zwar weder behauptet noch bestritten. Aber für die Hisbollah ist es ein klarer Fall: Israels Mossad steckt hinter dieser von langer Hand vorbereiteten Aktion. „Niemand sonst könnte so eine Attacke auf persönliche Kommunikationsgeräte planen und durchführen,“ meint ein Analyst in Beirut.

Wenn Israel aber nicht schnell handelt, ist die Hisbollah schon in ein paar Tagen wieder kampfbereit.
Ehud Yaari, Arabienspezialist des israelischen TV-Senders Channel 12

Die aktuelle Schwäche der Hisbollah sollte jetzt benutzt werden, um die Terrormiliz zu vernichten, fasst Ehud Yaari, Arabienspezialist des israelischen TV-Senders Channel 12, Diskussionen in israelischen Armeekreisen zusammen. Was die Regierung plant, sei derzeit zwar nicht bekannt. „Wenn Israel aber nicht schnell handelt, ist die Hisbollah schon in ein paar Tagen wieder kampfbereit“, sagt Yaari.

Die Hisbollah bleibt für Israel ein gefährlicher Nachbar. Der größte Teil ihres Waffenarsenals ist noch immer tief in Tunneln versteckt, die in verschiedenen Regionen angelegt wurden.

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Es umfasst schätzungsweise zwischen 120.000 und 200.000 Raketen, die Ziele in einer Entfernung von bis zu 480 Kilometer treffen können, und Drohnen mit einer Reichweite von bis zu 2000 Kilometer, von denen die meisten aus dem Iran stammen. Mit dieser umfangreichen Bewaffnung ist die Hisbollah der am stärksten bewaffnete nichtstaatliche Akteur weltweit. Die Terrororganisation verfügt über eine Militärmacht, die die vieler souveräner Staaten übertrifft. Die Gruppe profitiert von iranischen Unterstützungszahlungen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar pro Jahr.

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