Prüfers Kolumne: Vom Traum der ewigen Rente
Es gibt angeblich einen sicheren Weg zur ewigen Rente, leider habe ich ihn nicht beschritten. Hätte ich vor zehn Jahren 300.000 Euro an Kapital am Aktienmarkt angelegt, hätte ich in den folgenden zehn Jahren monatlich zwischen 1000 und 2000 Euro entnehmen können, ohne das Kapital anzutasten.
Die Rechnung habe ich in der „Welt am Sonntag“ gelesen. Sie folgt der Trinity-Formel, die Professoren Philipp L. Cooley. Carl M. Hubbard und Daniel T. Walz haben sie 1998 entwickelt, um einen Weg zur Privatrente zu weisen. Ihr zufolge minimiert eine maximale Entnahme von vier Prozent des Kapitals das Risiko, dass das angelegte Kapital abschmilzt.
Wie viel man im Portfolio braucht, um wirklich nie mehr arbeiten zu müssen, ist natürlich den persönlichen Bedürfnissen geschuldet. Aber wer eine Million an der Börse angelegt hat, kann vielleicht mit 3000 Euro Rendite im Monat schon ganz gut auskommen.
Mich machen solche Rechnungen fertig. Ihr Unterton ist stets: Wenn ihr nur anständig euer Geld zur Börse tragen würdet und einfach mal diszipliniert vorplanen würdet, dann könntet ihr ein sorgloses Leben führen.
Ich kenne viele Menschen, die gutes Geld verdienen, aber wenige, die eine Million besitzen. Was daran liegt, dass Leute, die Einnahmen haben, häufig auch Ausgaben haben. Eines der beliebtesten Ausgabemodelle sind Kinder.
Ein Kind kostet eine halbe Million Euro
Ich habe mal gelesen, dass ein Kind, bis es ein Studium beendet, etwa 500.000 Euro verbraucht. Wenn man mehrere davon hat, kann man das mit der Börsenrente eigentlich vergessen. Bis alle aus dem Haus sind, ist man selbst ein Fall für die Rentenkasse.
Ein weiteres Problem könnten Schulden sein. Wer eine Wohnung kauft, auch das soll man ja tun, muss sich viel Geld von der Bank leihen und wird selbst zu einem guten Verdienstmodell für die Bank. Man kommt gar nicht auf die Idee, selbst zum Anleger zu werden.
Allerdings gibt es ja auch Menschen, die Glück haben. Sie erben zum Beispiel sehr gut von ihren Eltern. Und können dann plötzlich sehr viel Geld in Investmentfonds anlegen, die ihnen eine saftige Rendite geben.
Aber was macht man dann eigentlich, wenn man nicht mehr arbeitet? Wer mit der Arbeit durch ist, der muss ja etwas anderes tun. Wenn man sich mit der Aufzucht von Kindern beschäftigen kann, dann hat man das Problem von zu viel Zeit nicht.
Aber nicht arbeiten zu müssen macht wahrscheinlich nur Freude, wenn man umgeben ist von Menschen, die auch nicht arbeiten müssen. Ansonsten bekommt man Probleme mit den Sozialkontakten. Viele Menschen haben dann zwischen 8 und 16 Uhr keine Zeit. Und in der Zeit, in der sie nicht arbeiten, erzählen sie von ihrer Arbeit und all dem Ärger, den sie dort haben.
Wer nicht arbeitet, hat oft auch nicht viel zu erzählen. Deswegen braucht man eigentlich ein aufregendes Hobby, das aber kostet dann Geld. Das muss das Portfolio dann auch erst einmal hergeben. Oder man sucht sich einen Job.