Dax: Anleger glauben an baldiges Ende der Börsen-Rally
Düsseldorf. Der deutsche Leitindex Dax notiert auf Rekordniveau, doch die Stimmung am Aktienmarkt kühlt sich ab. Das zeigt das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Für die weitere Kursentwicklung muss das aber kein schlechtes Zeichen sein.
Für das Dax-Sentiment befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen rund 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel aus, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Das aktuelle Ergebnis zeigt, dass die Euphorie unter den Umfrageteilnehmern aus der Woche schon wieder verflogen ist. Die Anlegerstimmung (Sentiment) verschlechtert sich von 4,1 Punkten auf 3,1 Zähler. Als extrem gut beziehungsweise euphorisch gelten Werte ab vier Punkten.
Zudem scheint es Zweifel zu geben, dass die Rally noch lange weiterlaufen wird. Die Gruppe derer, die den Dax noch in einem Aufwärtstrend verorten, ist um neun Prozentpunkte geschrumpft. Sie sehen jetzt eine Topbildung beim Dax, also den Höhepunkt eines Aufwärtstrends, auf die fallende oder seitwärts laufende Kurse folgen.
Auch die Selbstzufriedenheit ist im deutlich positiven, aber nicht extremen Bereich. Sie fällt von 3,4 auf 2,8 Punkte. Die Umfrageteilnehmer werden dafür befragt, ob sie die Kursbewegung der vergangenen Woche erwartet haben und bildet damit ab, ob Investoren richtig positioniert waren.
Die Erwartungshaltung verharrt dagegen im negativen Bereich bei minus 2,8 Punkten. 70 Prozent der Befragten erwarten, dass sich der Dax in drei Monaten entweder in einem Abwärtstrend befindet oder in einer Seitwärtsbewegung.
Sentiment-Experte Heibel überrascht die negative Erwartungshaltung angesichts der Kursentwicklung: „Trotz der positiven Börsenentwicklung laufen die Anleger offensichtlich kopfschüttelnd durch die Welt, nach dem Motto: ‚So kann das doch nicht weitergehen‘.“
Ausdruck findet diese negative Erwartungshaltung auch im Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart. Ein positiver Wert zeigt, dass die Mehrheit der Anleger auf einen steigenden Markt setzt, ein negativer Wert bedeutet hingegen, dass Anleger eher von fallenden Kursen ausgehen.
Privatanleger sichern sich gegen Kursrisiken ab
In der abgelaufenen Woche ist das Euwax-Sentiment deutlich gesunken, berichtet Heibel. „Das Euwax-Sentiment brach in den vergangenen Tagen auf minus 25 Prozent ein und signalisiert eine gestiegene Absicherungstätigkeit.“ Auch hier zeigt sich große Skepsis gegenüber den erzielten Kursgewinnen.
Dementsprechend niedrig ist im Dax-Sentiment die Investitionsbereitschaft der Umfrageteilnehmer. Sie geht auf 0,2 Punkte zurück. Das ist der niedrigste Wert seit dem Beginn des Handelsstreits zwischen den USA und dem Rest der Welt Anfang April. Damals lag der Wert noch bei plus 3,3 Punkten.
Für Anleger, die weiter auf steigende Kurse setzen, könnten die negativen Umfrageergebnisse allerdings gute Nachrichten sein. Denn wie Heibel erklärt: „Es klingt stets umsichtig und intelligent, die Risiken der aktuellen Marktlage aufzuzählen. Doch die besten Rallys steigen an einer Wand voller Angst, Skepsis und Unglaube empor.“
Geringe Kaufbereitschaft war in der Vergangenheit ein gutes Zeichen
Die Logik dahinter: Wenn viele Anleger skeptisch sind, sind sie nicht voll investiert. Sie werden zu Käufern, wenn die Kurse steigen statt wie erwartet fallen, und treiben die Kurse noch weiter nach oben. „Aus diesem Blickwinkel mag die Rally zwar nicht mehr jung, aber auch noch nicht zu alt sein“, sagt Heibel.
Untermauert wird diese Börsenweisheit durch den Vergleich von Umfragedaten und Kursentwicklungen seit Beginn des Dax-Sentiment im Jahr 2014. „Nur neun Mal war die Investitionsbereitschaft unter Privatanlegern in der Vergangenheit noch geringer als aktuell. In allen neun Fällen stand der Dax sechs Monate später höher, durchschnittlich legte er um 14 Prozent zu“, rechnet Heibel vor.
Zu beachten ist allerdings, dass die Investitionsquote der Privatanleger derzeit hoch ist. Diese ermittelt Heibel in einer separaten Umfrage von AnimusX. Das heißt, dass es weniger potenzielle Käufer unter den Privatanlegern gibt, als es die negative Zukunftserwartung vermuten lässt.
„Die Anleger sind also bereits hochinvestiert. Nur 21 Mal war die Investitionsquote in der Vergangenheit noch höher als heute“, sagt Heibel. Durchschnittlich fiel der Dax in den folgenden sechs Monaten um 0,6 Prozent.
Extrem gute Stimmung am Kryptomarkt
Vor diesem Hintergrund hält Heibel eine Pause der Rally für denkbar, in der Privatanleger einen Teil ihrer Buchgewinne realisieren. „Doch ob die Gewinnmitnahmen reichen werden, die Rally zu beenden, bezweifle ich“, sagt der AnimusX-Experte, der einen Börsenbrief unter dem Namen „Heibel-Ticker“ herausgibt. „Vielmehr dürfte es sich als gesunde Verschnaufpause herausstellen, bevor die Rally an der ausgeführten Wand der Angst empor fortgesetzt wird.“
Deutlich besser ist dagegen die Stimmung am Kryptomarkt. Hier ist die älteste und wichtigste Cyberdevise, der Bitcoin, über die Marke von 100.000 Dollar gestiegen und nähert sich ihrem Rekord von 109.000 Dollar. Ein weiterer Rekord könnte bald erreicht werden, wenn sich die Entwicklung der Vergangenheit wiederholt.
„Einmal angelaufen, überraschte die Rally in der Vergangenheit regelmäßig die skeptischen Anleger“, sagt Heibel. Nur elf Mal war die Stimmung in den vergangenen vier Jahren noch besser als heute. In zwei der elf Fälle stand der Bitcoin sechs Monate tiefer, in den anderen neun Fällen höher – durchschnittlich betrug das Plus knapp 24 Prozent.
Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.