Kommentar: Trumps Einfluss auf die Fed bedroht das Weltfinanzsystem

Sicher gibt es erste Dates, die harmonischer verlaufen. Am Donnerstag traf sich US-Notenbankchef Jerome Powell zum ersten Mal offiziell mit Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Wenn man den US-Medien glaubt, dann erging es Powell zumindest nicht so schlecht wie dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj oder dessen südafrikanischem Amtskollegen Cyril Ramaphosa bei deren Besuch im Oval Office. Dennoch dürfte sich der Vorsitzende der Federal Reserve (Fed) auf das Treffen mit Trump ungefähr genauso gefreut haben wie auf eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt.
Immer wieder gab es Spekulationen, dass Trump Powell feuern wolle. Der Präsident beschimpfte den Notenbankchef wiederholt als „Verlierer“ oder „Dummkopf“, weil dieser sich weigerte, die Zinsen zu senken. Dem unwürdigen Spiel setzte erst der Oberste Gerichtshof der USA ein Ende: Vor einer Woche entschied er, dass Trump den Fed-Chef nicht einfach aus dem Amt jagen darf.
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Damit beruhigten die Richter die internationale Investorengemeinde, die um die Unabhängigkeit der Fed fürchtete – vorerst. Eigentlich sollten sich Investoren jedoch weniger um die Sicherheit von Powells Job sorgen als um dessen Nachfolge. Denn Powells Vertrag als Fed-Chef endet im Frühjahr 2026. Dann hat der Präsident das Recht, einen neuen Kandidaten vorzuschlagen, den der Senat bestätigen muss.