IWF: Schickt Trump einen Strafzoll-Apologeten in den Währungsfonds?
Berlin. Der Rücktritt von Gita Gopinath als stellvertretende Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt überraschend. Die indisch-amerikanische Ökonomin war im Fonds und der internationalen Finanzwelt anerkannt und beliebt – und die Aussicht auf ihren möglichen Nachfolger sorgt für Unruhe. Über die Besetzung kann nämlich US-Präsident Donald Trump maßgeblich bestimmen.
Während die IWF-Spitze traditionell aus Europa ist, hat das US-Finanzministerium das Vorschlagsrecht für die Nummer zwei. Bei den Europäern, aber wohl auch im Fonds selbst, gibt es Befürchtungen, die US-Regierung werde jemanden nominieren, der vorrangig Trumps Agenda durchzusetzen versucht. „Es könnte beim IWF schon bald deutlich unruhiger werden“, sagt ein deutscher Insider, der im Währungsfonds gut vernetzt ist.
Gopinath hatte am Montagabend überraschend ihren Rückzug verkündet. „Nach fast sieben fantastischen Jahren beim IWF habe ich beschlossen, zu meinen akademischen Wurzeln zurückzukehren“, teilte die erste stellvertretende geschäftsführende IWF-Direktorin mit. Sie werde ab 1. September wieder als Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der US-Universität Harvard lehren.
Die in Indien geborene US-Staatsbürgerin hatte bereits vor ihrer Zeit beim IWF an der Eliteuniversität gearbeitet. Im Jahr 2019 wechselte sie als Chefvolkswirtin zum IWF, sie war die erste Frau in dieser Funktion. 2021 kündigte der Währungsfonds schon einmal an, Gopinath kehre nach Harvard zurück. Dann blieb sie doch beim IWF und wurde Anfang 2022 zur Vizechefin befördert.
Das Hin und Her deutete schon damals auf Reibereien an der Führungsspitze des IWF hin. Es gab Klagen über den Führungsstil der bulgarischen IWF-Chefin Kristalina Georgiewa, zudem über eine zunehmende Lagerbildung innerhalb der Organisation.
Die US-Regierung verfolgt beim IWF zwei Ziele
Zum Abschied lobte Georgiewa ihre Stellvertreterin in höchsten Tönen. „Gita war eine hervorragende Kollegin“, teilte die IWF-Chefin mit, „eine außergewöhnliche intellektuelle Führungspersönlichkeit“ sowie „eine fabelhafte Managerin“, die sich um das Wohlergehen der Mitarbeiter bemüht habe. Auch im Kreise der Finanzminister, etwa bei den G7- und G20-Treffen, wurde Gopinath geschätzt.
Der IWF werde „zu gegebener Zeit“ einen Nachfolger für Gopinath benennen, teilte Georgiewa mit. Der übliche Ablauf sieht vor, dass US-Finanzminister Scott Bessent einen Kandidaten vorschlägt. Offiziell bestätigt wird er von den IWF-Direktoren, welche die Mitgliedsländer vertreten. Als größter Anteilseigner geben die USA in dieser Runde den Ton an.
Nach Einschätzung von europäischen IWF-Kennern dürfte die Trump-Regierung bei der Besetzung zwei Ziele verfolgen. Der neue Vizechef könnte versuchen, die amerikanische Zollpolitik zu unterstützen oder zumindest die Kritik daran abzumildern. Trump will die langjährigen Handelsdefizite der USA durch hohe Zölle auf Importe abbauen. Schon bei der IWF-Frühjahrstagung im April rückten die globalen Ungleichgewichte stärker auf die Agenda – ganz im Sinne der US-Regierung. Trump stört sich an dem hohen Handelsbilanzdefizit der USA: Das Land importiert seit langem mehr als es exportiert.
Zu Beginn von Trumps zweiter Präsidentschaft hatte es Befürchtungen gegeben, die USA könnten sich ganz zurückziehen aus dem IWF und aus der Weltbank. Davon ist keine Rede mehr. US-Finanzminister Bessent hat kürzlich betont, beide Institutionen hätten einen „dauerhaften Wert“. Die US-Regierung scheint also eher darauf bedacht, den IWF in ihrem Sinne zu nutzen.
Das zweite Ziel könnte deshalb eine Fokussierung des IWF auf seine traditionelle Kernaufgabe sein, für Finanzstabilität zu sorgen. Gerät ein Staat in finanzielle Schwierigkeiten, hilft ihm der IWF mit Krediten. Im Gegenzug verlangt der Währungsfonds Strukturreformen und Sparprogramme.
Kaum Auswirkungen unter erster Trump-Regierung
Unter Georgiewa hat sich der IWF gewandelt. Er kümmert sich verstärkt um Themen wie Klimaschutz oder Gendergerechtigkeit. US-Finanzminister Bessent hat das bereits öffentlich als „ausufernde und nicht fokussierte Agenda“ kritisiert.
In der Bundesregierung gab es in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Stimmen, die Georgiewa vorwarfen, aus dem IWF eine „zweite Weltbank“ zu machen. Der Währungsfonds solle seine Kredite nicht zu großzügig verteilen und wieder stärker auf Reformen pochen, so die Forderung.
Möglicherweise wird auch der von der US-Regierung vorgeschlagene neue Vize auf eine Kurskorrektur drängen. In diesem Fall fürchten einige IWF-Kenner zunehmende Konflikte innerhalb des Währungsfonds um die Ausrichtung.
Andere Insider beruhigen und verweisen auf die erste Amtszeit von Trump. Damals räumte der langjährige IWF-Vize David Lipton seinen Posten. Die US-Regierung ersetzte ihn durch Geoffrey Okamoto, der zuvor im Finanzministerium gearbeitet hatte. Beim Währungsfonds blieb er dann eher unauffällig. Zwei Jahre später folgte ihm, dann unter der Regierung Joe Biden, Gopinath nach.