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LufthansaPiloten stimmen für Streik

Der Tarifstreit zwischen der Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Cockpit eskaliert. Nun müssen Passagiere in den Herbstferien mit einer umfassenden Arbeitsniederlegung rechnen.Jens Koenen 30.09.2025 - 13:51 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Lufthansa-Pilot: Die Zeichen stehen auf Streik. Foto: Uwe Anspach/dpa

Frankfurt. Die Passagiere der Lufthansa müssen sich in den kommenden Wochen auf Streiks der Piloten einstellen. Bei einer Urabstimmung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat eine deutliche Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder für einen Arbeitskampf gestimmt, wie eine Sprecherin mitteilte.

Ein konkreter Streikzeitpunkt wurde zunächst nicht genannt. Über das weitere Vorgehen soll die Tarifkommission der Gewerkschaft entscheiden. Allerdings ist die Gefahr groß, dass der Flugplan der Kernmarke Lufthansa Airlines in den demnächst beginnenden Herbstferien gestört wird. In der Vergangenheit musste die Lufthansa bei umfassenden Pilotenstreiks nahezu alle Verbindungen im betroffenen Zeitraum ausfallen lassen.

In dem Tarifkonflikt geht es um die Betriebsrenten der rund 4800 Pilotinnen und Piloten. Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach einer Verdreifachung des Arbeitgeberanteils in die Verhandlungen gegangen und hatte diese dann im Laufe von sieben Gesprächsrunden reduziert. Eine Einigung wurde aber nicht erreicht.

Laut VC haben sich an der Abstimmung 90 Prozent der Lufthansa-Piloten und 95 Prozent der Lufthansa-Cargo-Piloten beteiligt. Sie unterstützten zu 88 Prozent beziehungsweise zu 96 Prozent den Arbeitskampf. Die Urabstimmung sei damit angenommen.

Notwendig waren bei der Urabstimmung mindestens 70 Prozent Ja-Stimmen der betroffenen Mitglieder in den Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cargo. Zuletzt hatten die Piloten der Lufthansa im Jahr 2022 für einen Tag gestreikt.

Mehr Geld für Betriebsrenten?

„Die Altersvorsorge ist ein zentrales Fundament der Lebensplanung für Pilotinnen und Piloten – mindestens genauso wichtig wie die gesetzliche Rente“, erklärt der Sprecher der Tarifkommission, Arne Karstens. „Wir erwarten nun, dass Lufthansa die Signale der Belegschaft ernst nimmt und endlich ein verhandlungsfähiges Angebot zur betrieblichen Altersversorgung vorlegt.“ Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann begrüßte, dass die VC die Gespräche wieder aufnehmen wolle: „Tragfähige Lösungen können nur am Verhandlungstisch gefunden werden.“

Der Konflikt um die Betriebsrenten sorgt intern für teils emotionale Debatten. Die Flugzeugführer der Kernmarke und von Lufthansa Cargo zählen zu den bestbezahlten Berufsgruppen im Konzern. Höhere Beiträge für die Renten der Piloten müssten an anderer Stelle wieder reingeholt werden, wird in anderen Einheiten befürchtet.

228
Millionen Euro
mehr würde den Konzern die Betriebsrente für die Piloten kosten, sollte sich die Gewerkschaft mit ihrer aktuellen Forderung durchsetzen.

Zumal gerade bei Lufthansa Airlines ein hartes Sanierungsprogramm läuft. Hinzu kommt der Plan des Managements, bis 2030 rund 4000 Stellen in der Verwaltung zu streichen. Jens Ritter, der Chef von Lufthansa Airlines, hat vor einigen Tagen gesagt, es gebe schlichtweg keine Mittel, um die „ohnehin schon sehr gute“ betriebliche Altersvorsorge aufzustocken. Die Forderung der VC bedeute Mehrkosten von 228 Millionen Euro pro Jahr.

Auch in Pilotenkreisen teilt offensichtlich nicht jeder das Vorgehen der VC. Das zeigt ein genauer Blick auf die Ergebnisse der Urabstimmung. Die Gewerkschaft wertet Enthaltungen und nicht abgegebene Stimmen als ein „Nein“. Die genannten Abstimmungsergebnisse beziehen sich aber nur auf die abgegebenen Stimmen.

So erklärt sich, dass sich 95 Prozent der Flugzeugführer bei Lufthansa Cargo an der Abstimmung beteiligt haben, aber mit 96 Prozent mehr Piloten für einen Streik stimmten. Die erforderliche Mehrheit für einen Arbeitskampf hat die VC aber in jedem Fall erreicht.

Strategie passt den Piloten nicht

Die zentrale Frage ist nun: Wird das Management der Pilotenvertretung ein neues Angebot vorlegen? Da die Gewerkschaft nicht sofort einen Streiktermin genannt hat, gibt es dafür ein Zeitfenster.

Das Problem: Im Hintergrund der Auseinandersetzung um Betriebsrenten schwelt ein anderer Konflikt, der seit Jahren nicht beigelegt werden kann. Lufthansa verlagert Verkehre in Flugbetriebe mit deutlich geringeren Lohnkosten und anderen Tarifverträgen. Das betrifft die Zubringerdienste an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München. Dazu wurde Lufthansa City Airlines gegründet. Es betrifft aber auch das touristische Angebot, hier gibt es seit einiger Zeit Discover Airlines.

Kommentar

Die Lufthansa braucht mehr Fokus und weniger Multi-Strategie

Jens Koenen

Während sich die VC und die UFO, die Gewerkschaft der Flugbegleiter, dagegen wehren, hatte die Konzernführung die Strategie im Gespräch mit Investoren auf dem Kapitalmarkttag am Montag noch einmal bestätigt – und gleichzeitig die Zielmarge für alle Unternehmensbereiche hochgesetzt. Statt wie bisher beim Betriebsergebnis (Ebit) einen Wert von acht Prozent des Umsatzes zu erreichen, müssen sie nun zwischen acht und zehn Prozent schaffen.

Niggemann hat am Montag in einem intern verbreiteten Interview vorgerechnet, was das für die Kernmarke bedeutet. Die habe im ersten Halbjahr 274 Millionen Euro verloren, müsse aber gleichzeitig große Summen für neue Flugzeuge ausgeben. Der Personalvorstand sagte: „Bei einer Zielmarge von acht bis zehn Prozent und rund 17 Milliarden Euro Umsatz müsste sie für diese Investitionen in etwa 1,5 Milliarden Euro verdienen.“

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