Flugzeughersteller: Boeing-Streik endet nach mehr als drei Monaten
St Louis. Einer der längsten Arbeitskämpfe in der Geschichte des US-Flugzeugbauers Boeing ist beendet: Die 3.200 Mitglieder der Gewerkschaft International Association of Machinists and Aerospace Workers (IAM) haben dem jüngsten Vertragsangebot des Flugzeugbauers zugestimmt. Damit kehren die Beschäftigten am Abend des 16. November in die Werke in der Region St. Louis zurück. Der Streik hatte am 4. August begonnen und war der zweitlängste in der 106-jährigen Firmengeschichte.
Die Belegschaft hat nach vier gescheiterten Abstimmungen nun ein Paket angenommen, das über fünf Jahre eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 24 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 6.000 Dollar vorsieht. Während des Ausstands hatten die Arbeiter mehrere Tausend Dollar an Einkommen eingebüßt und waren auch nicht krankenversichert.
In einem Schreiben an die Beschäftigten hatte Steve Parker, Chef der Sparte Verteidigung und Raumfahrt, vor der Abstimmung signalisiert, dass der Erhalt der Arbeitsplätze vom Vertrag abhängig sei. Laut Parker steigt das durchschnittliche Grundgehalt der IAM-Mitglieder nun von 75.000 auf 109.000 Dollar jährlich.
Boeing zeigte sich erleichtert. Die Aktie machte frühe Verluste wett und lag am Nachmittag in New York leicht im Plus. Auch die Gewerkschaftsführung sprach von einem wichtigen Erfolg und kündigte an, umgehend wieder mit der Produktion von Militärflugzeugen zu beginnen.
Nächste Tarifverhandlung steht bereits an
Der Arbeitskonflikt hatte die Fertigung von Rüstungsmodellen wie dem Kampfflugzeug F-15EX stark beeinträchtigt. Für Boeing ist es bereits der zweite große Streik, seit Kelly Ortberg im August 2024 den Posten des CEO übernommen hat. Erst im vergangenen Jahr hatte ein Streik von 33.000 Maschinenbauern den zivilen Flugzeugbau in der Region Seattle weitgehend lahmgelegt.
Boeing investiert seit Jahren Milliarden in seine Standorte in Missouri und Illinois, wo unter anderem Munition, T-7-Trainingsjets und die Tankdrohne MQ-25 produziert werden. Zudem stellt der Konzern neues Personal ein, um in der Region mit dem Bau des Stealth-Kampfjets F-47 zu beginnen. Der Verteidigungsbereich trägt inzwischen fast ein Drittel zum Konzernumsatz bei.
Auch nach der Einigung bleibt das Unternehmen im Verhandlungsmodus: Im kommenden Oktober steht die nächste große Tarifrunde mit der Gewerkschaft an, die rund 19.000 Ingenieure und technische Beschäftigte vertritt.