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EnergieMilliarden für die Stromnetze – Wo bleibt die Entlastung?

Der Bund gibt 6,5 Milliarden Euro aus, um Netzentgelte und damit die Strompreise zu senken. Doch einige Netzbetreiber geben den Staatszuschuss kaum an ihre Kunden weiter. Das sind die Gründe.Anna Lauterjung 26.11.2025 - 16:08 Uhr Artikel anhören
Stromzähler: Nicht für alle Verbraucher wird es im kommenden Jahr günstiger. Foto: Henning Kaiser/dpa

Düsseldorf. Einige Energieversorger müssen sich auf kritische Nachfragen einstellen. Der Grund: Ihre Stromkunden erwarten im kommenden Jahr eine Kostensenkung. Denn der Staat will 6,5 Milliarden Euro ausgeben, um Stromnetzentgelte zu subventionieren, also die Gebühr für die Nutzung der Stromnetze. Sie macht einen erheblichen Teil der Stromrechnung aus – nach Branchenangaben im Schnitt rund ein Viertel.

Doch nicht alle Stromanbieter geben die Subvention an ihre Kunden weiter. Ein Vertreter eines städtischen Stromanbieters in Nordrhein-Westfalen sagte dem Handelsblatt: „Unsere Kunden erwarten aufgrund zahlreicher Äußerungen von Politikern zu den Netzentgelten eine Senkung des Strompreises.“ Aber er könne nur sagen, „dass es das bei uns nicht gibt, vor allem nicht in dem Umfang, wie sich die Kunden es vorstellen“.

Denn die Stromanbieter sind bei der Kostensenkung von den Netzbetreibern abhängig, an deren Stromnetz ihre Kunden hängen. Und die senken ihre Netzentgelte in sehr unterschiedlichem Umfang. Das geht aus einer Stichprobe der Bundesnetzagentur zu den vorläufigen Netzentgelten von 28 Verteilnetzbetreibern für das kommende Jahr hervor.

Ein Netzbetreiber fällt dabei besonders auf: Westnetz. Während die Verteilnetzbetreiber im Durchschnitt das Netzentgelt für Haushaltskunden im kommenden Jahr um 16 Prozent senken, geht Westnetz nur 3,6 Prozent mit dem Preis nach unten.

Das Unternehmen ist nicht der einzige Netzbetreiber, der seine Entgelte nur geringfügig senkt. Allerdings gehört es zu Westenergie, dem ehemaligen Arbeitgeber der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die eine „konkrete Entlastung für Millionen Haushalte und Betriebe“ durch den Bundeszuschuss versprochen hat.

Und so munkeln mehrere Vertreter der Energiebranche, ausgerechnet das Unternehmen, das Reiche früher geleitet habe, vereinnahme einen Teil des Zuschusses für sich.

Doch die Unterschiede bei den Preissenkungen hängen mit dem komplexen Netzentgeltsystem in Deutschland zusammen. Dass nicht jeder Netzbetreiber gleich stark von den Bundeszuschüssen profitiert, hat mehrere Gründe.

1. Netzbetreiber haben unterschiedlich hohe Kosten

Die Höhe der Stromnetzentgelte bei den Verteilnetzbetreibern hängt davon ab, welche Kosten den Netzbetreibern beim Ausbau und Betrieb des Stromnetzes entstehen. Wer das Stromnetz schneller ausbaut und weiterentwickelt, braucht beispielsweise mehr Personal und kann deswegen auch mehr Geld von Stromkunden verlangen, um das zu finanzieren.

Die Netzentgelte müssen jedoch nicht zwangsläufig steigen. Denn wenn der Strombedarf in einer Region steigt, kann der Netzbetreiber auch über die höheren Strommengen mehr verdienen und auf seine Kosten kommen.

Doch oft wird die Infrastruktur bereits ausgebaut, ohne dass der Stromverbrauch tatsächlich zunimmt. Wolfgang Fritz, Experte für Energiewirtschaft und Geschäftsführer beim Beratungsunternehmen Consentec, sagt: „In manchen Sektoren verhält sich die Nachfrageentwicklung bislang noch nicht so, wie es erwartet wurde. Zum Beispiel bei der Elektromobilität oder auch beim Wärmepumpenausbau.“

2. Wer viel Strom produziert, profitiert weniger

In Deutschland gibt es mehrere Stromnetzebenen. Soll der Strom über weite Strecken transportiert werden, geschieht das in der Höchstspannungsebene. Dafür sind Übertragungsnetzbetreiber zuständig.

Aus den Übertragungsnetzen fließt der Strom in die Verteilnetze, die niedrigere Spannungen haben. Sie werden von Verteilnetzbetreibern gebaut und verwaltet, die den Strom dann auch zu den meisten Endkunden liefern.

Der 6,5-Milliarden-Euro-Zuschuss der Bundesregierung fließt zunächst an die Übertragungsnetzbetreiber. Somit wirkt sich die Preissenkung am stärksten auf Kunden aus, die an die höheren Spannungsebenen angeschlossen sind. Eine Sprecherin von Westenergie sagte dem Handelsblatt: „In der Ebene der Hochspannung profitieren Industriekunden und Weiterverteiler von einem Rückgang um bis zu 41 Prozent.“

Für Haushaltskunden wirkt die Preissenkung indirekt: Die Übertragungsnetzbetreiber können den Verteilnetzbetreibern geringere Netzentgelte in Rechnung stellen – und die wiederum können die Preissenkungen weitergeben, sodass die Endkunden am Ende weniger bezahlen.

Dabei kommen aber noch weitere Faktoren ins Spiel. Experte Fritz sagt: „Gebiete, in denen vergleichsweise wenig Strom erzeugt wird, profitieren von dem Zuschuss mehr.“

Die Logik ist: Stromnetzgebiete, in denen wenig Strom erzeugt wird, müssen Strom aus anderen Netzgebieten beziehen. Dafür berechnen Übertragungsnetzbetreiber mehr Geld.

Wo bislang schon höhere Entgelte fällig waren, besteht laut Fritz auch ein größerer Spielraum, die Netzentgelte zu senken. Im Westnetz-Gebiet allerdings gibt es viel Stromerzeugung, sodass der Spielraum für Netzentgeltsenkungen geringer ausfällt.

3. Viele Erneuerbare im Stromnetz erhöhen Netzentgelte

Der Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro ist nicht der erste Versuch, die Netzentgelte zu senken und damit Verbraucher zu entlasten. Bereits Anfang des Jahres hatte die Bundesnetzagentur eine neue Regelung gebilligt, die einem ähnlichen Ziel dienen sollte.

Früher war die Höhe der lokalen Stromnetzentgelte stark davon abhängig, wie viele Leitungen die Betreiber neu installieren mussten. Denn die Kosten für den Bau neuer Netze legen die Betreiber auf die Stromkunden um.

Wer also in seinem Netzgebiet beispielsweise viele neue Solaranlagen oder Windräder anschließen musste und dafür das Stromnetz vergrößerte, berechnete auch höhere Netzentgelte.

Die neue Regelung erlaubt es solchen Verteilnetzbetreibern nun, hohe Mehrkosten durch den Ausbau erneuerbarer Energien auf die restlichen Verteilnetzbetreiber umzulegen. Das dürfen sie dann, wenn sie mehr als doppelt so viel Stromerzeugungsleistung im Netz angeschlossen haben, wie die Stromkunden zu Spitzenzeiten verbrauchen.

Solche Mengen an Stromerzeugung können notwendig sein, weil Solar- und Windanlagen je nach Wetter nur einen Bruchteil ihrer maximal möglichen Leistung erbringen.

Bei Westnetz ist laut der Sprecherin das Verhältnis von zwei zu eins aus Stromerzeugung und Stromnachfrage noch nicht erreicht. So kann Westnetz die Extrakosten durch den Anschluss vieler Anlagen, die Ökostrom liefern, nicht auf andere Netzbetreiber umlegen - und die Entgelte für die Stromkunden entsprechend weniger senken.

Verschiedene Lösungsansätze

Damit die Stromnetzentgelte fairer werden, will die Bundesnetzagentur sie bis Ende 2026 unter dem Projektnamen „AgNes“ reformieren. Dabei werden verschiedene Ansätze diskutiert, um regionale Unterschiede zu minimieren.

In Kraft treten würden die Änderungen 2029. Bis dahin sieht Experte Fritz andere Möglichkeiten, die Stromkosten der Haushaltskunden gleichmäßiger zu senken und Enttäuschungen vorzubeugen.

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Seine Empfehlung wäre es, einen Teil des Zuschusses in eine andere Umlage fließen zu lassen. Es gibt mehrere Umlagen, die den Strompreis für Endkunden teurer machen und über die bestimmte Dinge wie beispielsweise Offshore-Netze vor den Küsten finanziert werden.

Fritz sagt: „Das wäre eine Maßnahme, die dann den kleinen Verbrauchern und insbesondere den privaten Haushalten in bundesweit einheitlicher Weise zugutekäme.“

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