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1.600 neue Kraftwerke geplantDie große Kohle-Lüge

Der Weltklimavertrag von Paris wurde als Durchbruch für den Klimaschutz gefeiert. Die Realität sieht anders aus: Aktuell werden mehr als 1.600 Kohlekraftwerke geplant und gebaut – vor allem in Asien, aber auch in Europa.Jürgen Flauger 28.06.2017 - 17:17 Uhr Artikel anhören

Das letzte Kohleprojekt in Deutschland steht vor dem Start.

Foto: dpa

Düsseldorf. Die Fracht, die am Montag vor einer Woche per Schiff im westfälischen Datteln anlandete, passt so gar nicht zur Energiewende in Deutschland: Die MS Tokko lieferte aus Rotterdam über den Dortmund-Ems-Kanal rund 600 Tonnen Steinkohle an. Energiekonzern Uniper probte die Löschung der Ladung. Schon in wenigen Monaten müssen hier mehrere Schiffe täglich entladen werden.

Im ersten Halbjahr 2018 soll das neue Steinkohlekraftwerk den Betrieb aufnehmen. In der Spitze wird es dann mit 1.100 Megawatt genug Strom produzieren, um Hunderttausende Haushalte zu versorgen.

Die Kehrseite: Bei voller Auslastung werden täglich 8.000 bis 9.000 Tonnen Kohle verbrannt. Genau deshalb haben Umweltschützer ein Jahrzehnt lang versucht, die Inbetriebnahme zu verhindern. Nach ihren Berechnungen wird die Anlage Jahr für Jahr 8,5 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen.

Nach Ansicht der Aktivisten passt das neue Steinkohlekraftwerk so gar nicht zum weltweiten Kampf gegen den Klimawandel. Dabei ist Datteln nur eines von aktuell 1.600 neuen Kohlekraftwerken, die derzeit in Planung oder Bau sind – und den Klimaschutz konterkarieren. Allein die größten 120 Unternehmen haben 957 Projekte an 473 Standorten in der Pipeline. Die Kapazitäten in diesen Kraftwerken summieren sich auf gut 550.000 Megawatt. Das entspricht mehr als einem Viertel der Kapazitäten, die aktuell in Betrieb sind – rund 1,9 Millionen Megawatt –, und würde ausreichen, um mehr als eine Milliarde Haushalte in Industrienationen mit Strom zu versorgen. Das geht aus einer neuen Datenbank hervor, die die Umweltschutzorganisation Urgewald am Donnerstag zusammen mit internationalen Partnerorganisationen vorstellen will. Dem Handelsblatt lagen die Ergebnisse vorab vor.

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