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Jacdec-AnalyseDas sind aktuell die unsichersten Airlines weltweit

Eine Datenauswertung zeigt die unsichersten Airlines unter den großen Fluggesellschaften. Einige dürfen den EU-Luftraum nicht mehr anfliegen.Jens Koenen 08.09.2023 - 11:00 Uhr Artikel anhören

Statistisch betrachtet ist das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel. Doch bei den Sicherheitsstandards gibt es große Unterschiede zwischen den Airlines.

Foto: dpa

Frankfurt. Die starke Erholung des Luftverkehrs nach der Coronapandemie ist ein Kraftakt für alle Beteiligten in der Branche. Denn es fehlt immer noch Personal. Mancher, der in ein Flugzeug steigt, wird sich fragen: Wie sicher ist meine Fluggesellschaft? Wie sicher ist Fliegen?

Die Antwort: Auch nach Corona ist und bleibt das Flugzeug ein sicheres Verkehrsmittel. Das verdeutlicht eine Rechnung des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Demnach kam in den Siebzigerjahren ein Todesopfer auf 264.000 Passagiere. 2022 betrug die Relation eins zu knapp 16 Millionen.

Auch 2023 blieb die Luftfahrt bisher von größeren Katastrophen verschont. Das Aviation Safety Network listet zwischen dem Jahresbeginn und dem 11. Juli dieses Jahres 106 Todesopfer auf. Erfasst sind dabei aber auch die Unglücke von Business- und Privatjets. Das bislang schwerste Flugzeugunglück ist der Absturz eines Regionalflugzeugs von Yet Airlines in Pokhara, Nepal, mit 72 Todesopfern.

Jacdec-Daten: Das sind aktuell die unsichersten Airlines

Allerdings gibt es bei den Sicherheitsstandards von Airlines große Unterschiede. Das Flugunfallbüro Jacdec analysiert, wie sicher eine Fluggesellschaft ist, und bewertet sie mit einem Sicherheitsindex. Die Daten werden das gesamte Jahr dreimal pro Tag aktualisiert. Sie berücksichtigen nicht nur Totalverluste und Opferzahl der vergangenen 30 Jahre. Auch die Rahmenbedingungen der jeweiligen Airline spielen eine Rolle, etwa eine unsichere politische Lage. 100 Prozent ist der Maximalwert, den selbst Top-Airlines nicht erreichen.

Das Handelsblatt hat auf Basis der Jacdec-Daten die größeren Airlines mit dem schlechtesten Sicherheitsstatus erfasst. Dazu wurden jene Premium- und Billiganbieter ausgewertet, die aktuell in der Jacdec-Statistik in den beiden Kategorien „ernste Sicherheitsdefizite“ und „kritische Sicherheitsdefizite“ eingeordnet sind. Diese wurden dann anhand des Sicherheitsindizes in eine Rangfolge gebracht.

Platz 12: Pobeda (Russland)

Foto: IMAGO/ITAR-TASS/ Sipa USA

Pobeda ist eine Billigairline und eine hundertprozentige Tochter von Aeroflot. Die erst 2014 gestartete Fluggesellschaft hat eigentlich eine gute Flugbilanz. Es gab bisher keine Totalverluste. Nach dem Überfall auf die Ukraine hat die russische Luftfahrtaufsicht aber den nationalen Airlines erlaubt, auch mit westlichen Flugzeugen zu fliegen, für die kein Nachweis über die sogenannte Lufttüchtigkeit mehr vorliegt. Die EU hat die Airline deshalb auf die schwarze Liste gesetzt, sie darf hier nicht mehr landen und starten.

Platz 11: Spice Jet (Indien)

Foto: dapd

Die indische Billigairline Spice Jet startete im Jahr 2004, zunächst unter dem Namen Royal Airways. Hauptaktionär ist der indische Investor Ajay Singh. In den zurückliegenden zehn Jahren gab es laut Jacdec 26 ernste Zwischenfälle, in 30 Jahren drei Totalverluste. Ein Mensch kam dabei ums Leben. Anfang Juli 2019 schoss eine Boeing 737 bei widrigen Wetterverhältnissen während der Landung in Mumbai über die Bahn hinaus. Keiner der Insassen wurde dabei verletzt.

Platz 10: Mahan Air (Iran)

Foto: imago images/Aviation-Stock

Mahan Air wurde zwar 1991 vom Sohn des damaligen iranischen Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani gegründet, ist jedoch eine private Fluggesellschaft. Wegen der Sanktionen muss die Airline überwiegend auf gebrauchte Flugzeuge zurückgreifen. Jacdec nennt als ein Risiko die überalterte Flotte, die Flugzeuge sind im Schnitt seit 27,8 Jahren in der Luft. In den letzten 30 Jahren gab es drei Totalverluste, Menschen ließen dabei aber nicht ihr Leben. Ein weiteres Risiko ist die politische Lage in dem Land.

Platz 9: Vietnam Airlines (Vietnam)

Foto: Imago

Vietnam Airlines ist die staatliche Fluggesellschaft des Landes. Sie gehört der Allianz Skyteam rund um den Lufthansa-Rivalen Air France-KLM an. In den letzten zehn Jahren gab es laut Jacdec 18 ernste Zwischenfälle. 1997 stürzte eine Tupolev 134 beim Landeanflug auf den Phnom-Penh-Pochentong Airport ab. Von den 66 Insassen überlebte nur ein einjähriges Baby.

Platz 8: China Eastern Airlines (China)

Foto: IMAGO/VCG

China Eastern Airlines mit Sitz in Shanghai startete den Flugbetrieb 1988. Die Fluggesellschaft hat in den zurückliegenden 30 Jahren zwei Totalverluste zu beklagen, 137 Menschen ließen ihr Leben. Am 21. März 2022 stürzte eine Boeing 737 beim Landeanflug nahe der Stadt Wuhzou ab. Der Jet fiel innerhalb von nur eineinhalb Minuten aus fast 9000 Meter Höhe zu Boden, fing sich dann kurz und schlug schließlich in einem Wald auf. Alle 132 Insassen kamen ums Leben.

Platz 7: Air India (Indien)

Foto: Reuters

Die Fluggesellschaft Air India gehörte lange Zeit dem Staat, wurde aber im Oktober 2021 von Tata Sons übernommen, der Holding der Industrie-Gruppe Tata. Die verfolgt ehrgeizige Pläne, Air India hat kürzlich 470 neue Jets bestellt. Die Jacdec-Datenbank listet 23 ernste Zwischenfälle in den zurückliegenden zehn Jahren auf. Der letzte Totalverlust war 2014, es kamen in den letzten 30 Jahren bei Unglücken keine Menschen ums Leben. Allerdings ist laut Jacdec die limitierte Infrastruktur in Indien ein Risikofaktor.

Platz 6: Aeroflot (Russland)

Foto: IMAGO/Marc Schüler

Aeroflot wurde 1992 gegründet. Die Airline gehört mehrheitlich dem Staat. In der Sicherheitsbilanz stehen seit 1993 insgesamt zwölf Totalverluste mit 136 Toten. Am 5. Mai 2019 geriet ein Sukhoi Superjet 100 bei einer Notlandung in Moskau in Brand. 41 Menschen konnten sich nicht mehr retten. Wie alle russischen Fluggesellschaften leidet Aeroflot nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine darunter, wegen der Sanktionen keine Ersatzteile für die westlichen Flugzeuge zu bekommen. Das erhöht das Risiko zusätzlich.

Platz 5: Ethiopian Airlines (Äthiopian)

Foto: Reuters

Ethiopian Airlines ist Mitglied der Star Alliance und fliegt 125 Ziele an. In der Sicherheitsbilanz der staatlichen Fluggesellschaft Äthiopiens finden sich seit 1993 insgesamt 18 schwere Zwischenfälle. Am 10. März 2019 stürzte eine Boeing 737 Max nach dem Start in Addis Abeba ab, 157 Menschen starben. Die Ursache war die gleiche wie bei Flug 610 von Lion Air: eine falsch programmierte Steuerungssoftware, über die die Piloten unzureichend informiert waren.

Platz 4: Egypt Air (Ägypten)

Foto: dpa

Egypt Air hat den Betrieb bereits 1932 gestartet. Es ist die staatliche Fluggesellschaft Ägyptens. Die Airline ist Mitglied der Star Alliance rund um Lufthansa. In den letzten 30 Jahren gab es fünf Totalverluste. In der Nacht zum 19. Mai 2016 stürzte ein Airbus A320 der Gesellschaft über dem Mittelmeer ab, alle 66 Menschen an Bord kamen ums Leben. Zunächst stand der Verdacht eines Anschlags im Raum, französische Experten machten später aber eine Zigarette im Cockpit dafür verantwortlich, dass ein Feuer ausbrach.

Platz 3: Lion Air (Indonesien)

Foto: dpa

Die indonesische Airline Lion Air steht regelmäßig mit negativen Sicherheitshinweisen in der Jacdec-Datenbank. 2000 gegründet, gab es in den letzten 30 Jahren acht Totalverluste mit 214 Todesopfern. Ende Oktober 2018 stürzte eine Boeing 737 Max wegen einer zu aggressiv programmierten Steuerungssoftware in Indonesien ab. 189 Menschen starben. Als weiteres Risiko vermerken die Jacdec-Experten Wetterextreme in der Region.

Platz 2: Pakistan International Airlines (Pakistan)

Foto: AFP/Getty Images

In den zurückliegenden 30 Jahren verzeichnete Pakistan International Airlines laut Jacdec elf Totalverluste mit 191 Toten. Im Mai 2020 flogen die Piloten eines Airbus A320 trotz mehrfacher Warnungen der Lotsen den Flughafen Karachi-Jinnah zu hoch an. Die Maschine crashte bei der Landung. 97 Insassen starben, nur zwei überlebten. Hinzu kommen eine mangelhafte Infrastruktur und die unsichere politische Lage in Pakistan.

Platz 1: UT Air (Russland)

Foto: Imago

Den niedrigsten Sicherheitsindex hat UT Air. Jacdec verzeichnet bei der russischen Fluggesellschaft zehn ernste Zwischenfälle in den zurückliegenden zehn Jahren. In den letzten 30 Jahren gab es sieben Totalverluste mit 39 Todesopfern. Das letzte große Unglück gab es 2020. Bei der Landung in Ussinsk zerbrach das Hauptfahrwerk, das Flugzeug rutschte über die Landesbahn. Alle Insassen überlebten.

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Die unsichersten Airlines in der Zusammenfassung:

Erstpublikation: 16.1.2020, 11:00 Uhr (zuletzt aktualisiert: 08.09.2023, 11:00 Uhr).

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