Gebot für 21st Century Fox: Wie Comcast-Chef Brian Roberts still und leise ein globales Medienimperium aufbaut
Er studierte schon mit 13 Geschäftsberichte.
Foto: Insider Images / Polaris/laifNew York. Brian Roberts spielt seit Jahrzehnten Squash – weil er in der Schule zu klein für das Basketball-Team war. Er war in dem Rückschlagspiel so gut, dass er mehrere Medaillen mit dem US-Team bei den „Maccabiah Games“, der jüdischen Olympiade und einer der weltweit größten Sportveranstaltungen, gewann. „Hier lerne ich Dinge auch fürs Geschäft“, sagte er bescheiden vor einigen Jahren während eines Turniers in Israel.
Squash ist ein Sport, der Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit erfordert. Genau die Talente von Roberts, die er seit Jahren auch bei Comcast einsetzt. In fast drei Jahrzehnten baute er Comcast mit zahlreichen Akquisitionen zu einem der größten Telekom- und Medienunternehmen der Welt aus. Das in Philadelphia ansässige US-Unternehmen setzte im vergangenen Jahr 85 Milliarden Dollar um. Als Roberts 1990 in die Geschäftsführung aufrückte, waren es nur 657 Millionen Dollar.
Doch Roberts ist nicht zufrieden. Jetzt bietet er für große Teile des Medienimperiums von Rupert Murdoch, 21st Century Fox. Details gab der Vorstandschef und Chairman nicht bekannt, nur eines ist klar: Comcast ist bereit, mehr zu zahlen als Rivale Walt Disney. Der Medienkonzern aus Los Angeles bietet derzeit etwas mehr als 52 Milliarden Dollar in Aktien. Aus Bankenkreise ist zu hören, dass Comcast derzeit an einer Finanzierung arbeitet – um bis zu 60 Milliarden Dollar zu zahlen.
Zugleich will das Unternehmen 31 Milliarden Dollar für den britischen Bezahlfernsehsender Sky ausgeben, der unter anderem in Deutschland die Fußball-Bundesligaspiele live überträgt.
Murdoch verkauft das Filmstudio 21st Century Fox sowie die Fernsehstationen wie FX oder National Geographic. Nicht dabei ist der Nachrichtenkanal Fox News sowie diverse andere, kleinere Stationen. „Wir kehren zurück zu unserer ersten Liebe, Nachrichten und Sport – alles Dinge, die sich in Echtzeit abspielen“, erklärte der 87-Jährige Murdoch seine Verkaufsentscheidung. Ihm würden Filme und TV-Shows „zu viel Zeit brauchen“.
Roberts ist da ganz anderer Meinung. Seit Jahren baut er den Kabelkonzern Comcast zum Medienproduzenten aus, erwarb im Jahr 2011 die Fernsehstation NBC und das Filmstudio Universal Pictures von General Electric. Für ihn sind Programminhalte unentbehrlich, binden sie doch den Zuschauer – der immer mehr vom Kabelfernsehen abrückt und sich Streamingdiensten wie Netflix zuwendet.
Um die Anfänge von Comcast ranken sich Legenden. Roberts Vater Ralph Roberts hörte 1969 bei einem Pokerspiel, dass ein kleines Kabelunternehmen in Mississippi zu haben sei. Mit zwei Partnern stieg er ein – Comcast war geboren. Noch heute ist die Gesellschaft zwar an der Börse notiert, die Familie besitzt aber die Stimmenmehrheit.
Roberts senior hatte fünf Kinder, aber nur Sohn Brian zeigte Interesse am Geschäft. Dafür aber umso mehr: Schon mit 13 Jahren besuchte er seinen Vater im Büro, las Geschäftsberichte und andere interne Dokumente. Nach seinem Wirtschaftsstudium an der elitären Wharton School, der Business School der University of Pennsylvania, stieg Brian Roberts ins Unternehmen ein.
Sein Vater ließ ihn anfangs noch Abos verkaufen und Telefonmasten hochklettern, um Leitungen zu reparieren. Den Ehrgeiz des Juniors bremste das nicht, schon mit 30 Jahren rückte er 1990 als „President“ in den Vorstand auf.
Milliarden für Zukäufe
Und Roberts – ein zurückhaltender Mensch, der mit ruhiger Stimme spricht und mit seiner schmalen Statur und Halbglatze in seiner Heimatstadt Philadelphia kaum auffällt – nutzte die „Dotcom-Krise“ für wichtige Akquisitionen. 2001 übernahm Comcast die Kabelsparte von AT&T für fast 45 Milliarden Dollar – auf einen Schlag war das Unternehmen mit mehr als 22 Millionen Kunden der größte Anbieter in den USA.
Mit zahlreichen anderen kleineren Zukäufen gab Comcast laut Finanzdienst „Bloomberg“ insgesamt 65,6 Milliarden Dollar für Übernahmen aus. Allerdings stößt Comcast langsam an seine Grenzen. Die Übernahme von Kabelkonkurrent Time Warner Cable im Wert von 45 Milliarden Dollar scheiterte 2015. Die Kartellbehörden senkten den Daumen, Konkurrent Charter konnte stattdessen das Unternehmen kaufen.
Auch bei der Akquisition von 21st Century Fox gibt es kartellrechtliche Bedenken. Allerdings dürften die geringer sein als bei Rivale Disney, denn da handelt es sich um eine „horizontale“ Übernahme, beide Unternehmen sind in der gleichen Branche tätig. Bei Comcast dagegen wäre es eher eine „vertikale“ Akquisition, denn große Teile des Comcast-Erlöses stammen aus dem Kabelgeschäft.
„Die Comcast-Akquisition müsste weniger kartellrechtliche Bedenken auslösen“, schrieb daher auch Geoffrey Manne, Direktor von der Stiftung International Center for Law and Economics, in einem Bericht.
Diese Regeln gelten aber nicht mehr so ganz unter US-Präsident Donald Trump. Der blockierte beispielsweise die vertikale Übernahme von Time Warner durch das Mobilfunkunternehmen AT&T, das sich juristisch wehrt. Der Prozess läuft seit Wochen, am 12. Juni fällt der Bundesrichter das Urteil. Auf den Termin wartet die gesamte Medienbranche, nicht zuletzt auch Brian Roberts. Entscheidet das Gericht gegen die US-Regierung – dann wird er sehr rasch ein konkretes Übernahmeangebot für 21. Century Fox aussprechen.
Ein Hedgefonds als Fan
Einen großen Fan hat Roberts auch – Christopher Hohn. Der Manager des Hedgefonds The Children’s Investment Fund (TCI) kaufte bereits 7,4 Prozent von 21. Century Fox. Vergangene Woche schrieb er einen Brief an Murdoch: „Wenn Comcast seine Bargeldofferte offiziell macht, würden wir das Angebot über das von Disney stellen“, sagte Hohn und drängte darauf, die Verkaufsentscheidung erst im Juli zu treffen – wenn Roberts genug Zeit hatte, sein Angebot zu unterbreiten.
Allerdings gibt es ein Problem: Disney bietet nur in Aktien, während Comcast in bar bezahlt. Letzteres ist aber nicht so attraktiv für die Murdoch-Familie. Denn auf die würde in diesem Fall eine hohe Steuerrechnung auf ihren Kapitalgewinn zukommen.
Neben Squash segelt Roberts für sein Leben gern. In seinem Sommerhaus im edlen Martha’s Vineyard an der US-Ostküste nimmt er regelmäßig mit seinem Luxusboot an Regatten teil. „Ich habe viel Respekt vor Roberts“, sagte ein Segel-Konkurrent vor drei Jahren einmal. Und ergänzte: Roberts könnte sich offensichtlich eine ganze Mannschaft auf seiner großen Jacht leisten, „aber er segelt das Boot ganz allein“. Was wohl auch ausreichte: Roberts gewann.