Kommentar: Die Entlassung des Aufzugschefs von Thyssen-Krupp ist ein starkes Signal
Der Vorsitzende der Aufzugssparte von Thyssen-Krupp muss gehen.
Foto: obsAuf den ersten Blick wirkt es, als taumele Thyssen-Krupp von einer Führungskrise in die nächste. Da wurde Guido Kerkhoff gerade erst zum neuen Vorstandschef des Ruhrkonzerns ernannt, schon rollen die Köpfe: Andreas Schierenbeck, Chef der profitablen Aufzugssparte, und Joachim Limberg, Leiter der Werkstoffhandelstochter Materials Services, müssen gehen.
Während Limberg in den Ruhestand wechselt, hatte Schierenbeck hinter dem Rücken des Vorstands Pläne für einen Börsengang seiner Sparte vorbereitet. Doch Vorstandschef Kerkhoff hat anderes vor.
Mit der Aufspaltung des Industriekonglomerats hat sich der Manager eine große Aufgabe vorgenommen. Bis zum Frühling soll ein Führungskonzept für die beiden neuen Konzerne stehen, gleichzeitig muss Kerkhoff auch einen Plan für die Auslagerung der Stahlsparte in ein Joint Venture mit Tata ausarbeiten. Weil er manchen im Konzern und Aktionärskreis nur als Notlösung gilt, kann sich Kerkhoff dabei keine Querschüsse erlauben.
Mit den Personalien, zu denen im Übrigen auch der bereits im Oktober geschasste Spartenchef für den Anlagenbau, Peter Feldhaus, zählt, baut Kerkhoff sich ein Team, das ihn bei seinem Vorhaben unterstützt.
Dafür hat er nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung: Kann er im kommenden Jahr keine Erfolge präsentieren, ist die Gefahr groß, dass sich jene Finanzinvestoren wieder zu Wort melden, die schon länger eine radikale Lösung fordern – aber durch die Aufspaltungspläne und die damit wohl verbundenen Bilanzgewinne erst einmal besänftigt wurden.
Dass Kerkhoff kurz nach seiner Ernennung bereits drei von fünf Spartenchefs entlassen hat, sendet zudem ein starkes Signal an mögliche Nachahmer: Der Weg für die kommenden Jahre ist vorgegeben. Wer ihn nicht mitträgt, soll gehen. Der Konzern bekommt so eine Perspektive. Und vielleicht endlich die Möglichkeit, sich mit seinem Geschäft und nicht mehr nur mit sich selbst zu beschäftigen.