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Zentrale von Thyssen-Krupp in Essen

Vorstandschef Guido Kerkhoff treibt den Umbau des Konzerns voran.

(Foto: dpa)

Industriekonzern Machtkampf bei Thyssen-Krupp – Chef der Aufzugssparte muss gehen

Guido Kerkhoff demonstriert Tatkraft: Der Konzernchef will jetzt den Chef der Aufzugsparte schassen – wohl auch, um seine Position abzusichern.
05.11.2018 - 18:30 Uhr Kommentieren

Berlin, Düsseldorf Seit Ex-Finanzvorstand Guido Kerkhoff Ende September endgültig zum Vorstandschef von Thyssen-Krupp bestellt wurde, haftet ihm ein Vorurteil an: Er gilt als Notlösung. Der Aufsichtsrat hatte schließlich zunächst einen externen Nachfolger für Heinrich Hiesinger gesucht, doch niemand für den schwierigen Job gewinnen können.

Tatsächlich greift Kerkhoff jetzt aber schon nach wenigen Wochen im Amt kraftvoll durch. Nach seiner Ankündigung, den Konzern in zwei Teile aufzuspalten, folgen nun wichtige Personalentscheidungen. Danach wird Andreas Schierenbeck, der Chef der erfolgreichen Aufzugsparte, abgelöst. Das hat das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren.

Schierenbeck steht für die ertragreiche Seite von Thyssen-Krupp. Als Chef der Aufzugssparte Elevator fährt er im Konzernverbund Jahr für Jahr die höchsten Gewinne ein. Die Nachfrage nach Aufzügen und Fahrtreppen boomt weltweit. Elevator gilt unter Investoren als leuchtendes Signal für eine womöglich zukünftige Blüte des gesamten Industriekonzerns.

Schierenbecks Sparte glänzt intern, aber auch dort könnte es besser laufen. Bei der operativen Marge hängt Elevator hinter Konkurrenten wie der Kone-Gruppe zurück. Der Konzernvorstand drängte auch deshalb auf harte Einschnitte, wogegen sich der 52-jährige Schierenbeck aber wehre, wie es in Konzernkreisen heißt.

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    Zudem soll der Bereichsvorstand gegen Kerkhoffs ausdrücklichen Willen einen Börsengang der Sparte vorbereitet haben. „Das geschah zudem hinter dem Rücken des Vorstands“, berichtet eine hochrangige Führungskraft. Auch hatte sich Schierenbeck offenbar selbst Hoffnungen auf die Hiesinger-Nachfolge gemacht. Thyssen-Krupp wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

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    Bereits in wenigen Wochen soll die Trennung bekanntgegeben werden. Einen Nachfolger für das wichtige Geschäftsfeld will Kerkhoff nach Möglichkeit in den eigenen Reihen finden. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern.

    Kerkhoff demonstriert mit der Ablösung von Schierenbeck gleich zu Beginn seiner Amtszeit, dass er zu weiteren harten Schritten bereit ist. Ihm bleibt auch kaum eine Alternative: Großaktionäre wie die Finanzinvestoren Cevian oder Elliott hatten einen lange zu zögerlichen Umbau des Ruhrkonzerns kritisiert.

    Kerkhoff galt zunächst nur als Übergangslösung

    Mit der Demission sendet Kerkhoff auch ein Signal an die eigene Mannschaft und den Kapitalmarkt. Bislang wird der 50-Jährige noch als enger Wegbegleiter von Ex-Chef Hiesinger wahrgenommen, dem er lange als Finanzvorstand zur Seite gestanden hatte.

    Den Chefposten traute ihm der Aufsichtsrat anfänglich nicht zu. Als Hiesinger zurücktrat, machte ihn das Gremium zunächst nur zum Interimsnachfolger. Dies änderte sich erst, als die Aufsichtsräte trotz intensiver Suche keinen neuen Vorstandschef fanden und Kerkhoff mit einem eigenen Strategievorschlag überraschte.

    Den Kontrolleuren präsentierte er den Plan, Thyssen-Krupp aufzuspalten. Im neuen Konzern Thyssen-Krupp Industrials sollen die Technologiebereiche gebündelt werden und in Thyssen-Krupp Materials die Stahlproduktion und der Handel.

    Nicht nur die Aufsichtsräte, sondern offenbar auch Finanzinvestor Cevian, zweitgrößter Aktionär, sollen von dem Vorschlag angetan gewesen sein. Kerkhoff erhielt dafür Zustimmung und einen festen Vertrag. Jetzt will er offenbar letzte Zweifel an seiner Eignung ausräumen: Ihm hänge nach, dass er eine Notlösung sei, sagte eine Führungskraft. „Er muss Handlungsstärke demonstrieren.“

    Mit Kritik wird Kerkhoff gleichwohl weiter leben müssen. Friedrich von Bohlen, Nachfahre von Alfried Krupp und Mitglied des Familienrats, äußert Zweifel an der Strategie der Aufspaltung: „Zunächst einmal widerspricht der Plan klar dem Stifterwillen.“

    Die Zweifler sitzen weiter auch im Aktionärskreis: Dem US-Hedgefonds Elliott, der knapp drei Prozent hält, geht Kerkhoffs Strategie laut Finanzkreisen nicht weit genug. Kerkhoff müsse weiter handeln. Die Ablösung von Schierenbeck könnte dieser indirekten Aufforderung folgen, allerdings womöglich auch aus eigenem Machtkalkül. So soll Schierenbeck nicht nur eine Abspaltung der Aufzugssparte betrieben haben. Er hat sich dem Vernehmen nach selbst als Nachfolger von Hiesinger in Position gebracht.

    Neben Schierenbeck wird auch der Chef der Handelssparte, Joachim Limberg, gehen, wie es hieß. Der 64-Jährige werde in Rente geschickt.

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