

Japans Regierungschef Shinzo Abe hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus den Notstand ausgerufen.
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Stockholm: Wenigstens die Harleys halten Abstand
Anders Tegnell, Chef der Landesgesundheitsbehörde und damit Schwedens einflussreichster Epidemiologe, gab sich besorgt. „Wir müssen noch einmal an die Kontaktregeln für Restaurants und Bars erinnern. Diese Regeln gelten auch für Straßencafés und Gartenlokale, was offenbar nicht alle verstanden haben“, erklärte er am Dienstag.
In der Tat: Als ich jetzt bei schönstem Frühlingswetter Vaxholm bei Stockholm besuchte, waren die Straßencafés voll. Das Genießen der ersten wärmenden Sonnenstrahlen in diesem Jahr war vielen Menschen wichtiger als der gebotene Sicherheitsabstand von rund zwei Metern. Es wurde über einen Cappuccino oder ein kühlendes Bierchen geplaudert, gelacht und manchmal auch hitzig debattiert. Vielleicht über die Risiken eines zu lässigen Umgangs mit dem Coronavirus?
Schweden hat in den ersten Wochen nach Ausbruch der Coronakrise einen Sonderweg eingeschlagen. Doch angesichts steigender Infektionszahlen und immer mehr Todesopfern rudert die Regierung zurück. Die Kontaktbeschränkungen wurden verschärft und der Ton der Verantwortlichen schärfer. „Es kann tausende Tote geben“, warnte Regierungschef Stefan Löfvén und ermahnte seine Landsleute, die eindeutigen Empfehlungen der Gesundheitsbehörde zu befolgen: Keine Reisen zu Ostern, keine Besuche in Alten- und Pflegeheimen und vor allem Abstand halten.
Ein paar Meter entfernt vom vollen Vaxholmer Café herrscht ebenfalls munteres Treiben. Direkt am Fähranleger flanieren sonnenhungrige Stockholmer. Aber wenigstens die Harleys eines Motorradclubs und eine Ente haben die Ermahnungen des Regierungschefs ernst genommen. Sie halten Abstand.
Helmut Steuer
















Paris: Osterferien mit Reiseverbot und spontane Solidarität
In Paris beginnen morgen die Osterferien. Theoretisch darf niemand in Ferien fahren, der deutlich stärkere Autoverkehr auf den Straßen spricht aber dafür, dass sich einige Pariser absetzen. Das ist eine Herausforderung für die Polizei. Der Polizeipräfekt von Paris steuert eine unglaublich zynische Bemerkung dazu bei: „Die heute im Krankenhaus liegen oder künstlich beatmet werden sind genau die, die sich nicht an die Ausgangsbeschränkungen gehalten haben.“ Der Innenminister zwingt ihn, sich dafür zu entschuldigen.
Trotz Ferienbeginn: die Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften sind länger denn je. Vielleicht sind einige Pariser aus ihrem Exil auf dem Land zurückgekommen?
Der Mann am Zeitungskiosk sagt mir, er habe von der Stadt Paris 50 Masken zur Verfügung gestellt bekommen. (Die Kioske gehören der Stadt und werden verpachtet.) Er trägt aber keine. Erklärung: „Ich habe sie einem Freund gegeben, der an Krebs leidet, der braucht sie dringender als ich.“ Es gibt sie, die spontane Solidarität.
Der Mangel an Schutzausrüstung ist nach wie vor das große Thema in Frankreich. Die Regierung zahlt einen hohen Preis für ihre anfänglichen Halbwahrheiten und spätes Reagieren. Das Misstrauen ist groß, deutlich weniger als die Hälfte der Bürger traut der Regierung noch. Täglich muss sie sich rechtfertigen. Donnerstagabend war der Premier erneut eine Stunde im Fernsehen, um Fragen von Experten und Zuschauern zu beantworten. Einhellige Auskunft der Ärzte: Bei uns kommt noch nicht genügend Material an. Frage eines Zuschauers: „Warum werden Politiker und Sportler getestet, wir aber nicht?“ Der Premier redet vier Minuten lang, gibt aber keine Antwort.
Thomas Hanke













Paris: Post macht ihre eigene Ausgangssperre
Seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen vor gut zwei Wochen hat die Post die Zahl ihrer offenen Zweigstellen auf rund ein Fünftel reduziert. Von den Schließungen betroffen sind auch die Selbstbedienungs-Bereiche, in denen man selber seine Briefe oder Päckchen wiegt und frankiert. Nun verschärft sie ihre Einschränkungen: Die Zustellung erfolgt nicht mehr täglich, sondern nur noch mittwochs, donnerstags und freitags. Unangenehm für Menschen, die nicht aus dem Haus können und auf die Post angewiesen sind.

Aber man kann ja nachvollziehen, dass die Briefträger ihre Kontakte reduzieren wollen. Völlig unverständlich ist allerdings, dass jetzt auch Briefkästen stillgelegt und zugeklebt werden. Die können sich ja schließlich nicht anstecken. Vielleicht läuft das nach dem Motto: Wenn ihr eure Sendungen nicht mehr freimachen könnt, braucht ihr auch keine Briefkästen.
Ein ganz anderes Zustellproblem haben die Drogenhändler. In normalen Zeiten schlendern sie in vielen Vierteln völlig offen über die Straße und bieten ihre Ware an. Das geht jetzt nicht mehr, weil die Straßen weitgehend menschenleer sind und ein Dope-Händler sofort auffiele. Die Lösung scheint in einer Art Lieferservice zu bestehen. Jedenfalls sieht man vermehrt Jugendliche auf kleinen Motorrädern, die zu zweit durch die Straßen kurven. Sie halten an, einer springt ab, verschwindet kurz im Haus, dann geht es weiter. Ich frage mich nur, was sie auf den Passierschein schreiben, auf dem man seinen Ausgang begründen muss. Dringende Arzneimittel?
Thomas Hanke

Stockholm: Fußballlose Zeit? Nej tack!
Ein Leben ohne Fußball? Was in den meisten Ländern heute trister Alltag ist, gilt (noch) nicht in Schweden. Zwar ist der Saisonauftakt der „Allsvenskan“, der ersten schwedischen Liga, wegen der Coronakrise auf unbestimmte Zeit verschoben worden, doch in den Amateurligen wird weiter munter gespielt. Am Sonntag waren die Damen in Åkersberga bei Stockholm gefordert - trotz Coronakrise und trotz des Versammlungsverbots von mehr als 50 Menschen. Ich habe de Zuschauer nicht gezählt, aber mehr als 50 waren es allemal.
Schweden geht seinen eigenen Weg. Bislang gibt es keine Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote. Grundschulen und Kitas sind ebenso weiter geöffnet wie Restaurants. Es bleibt bislang bei Empfehlungen wie etwa auf „unnötige Reisen“ zu verzichten. Ob der Weg, der sich deutlich von dem der meisten anderen Länder unterscheidet, erfolgreich sein wird, ist noch nicht sicher. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde waren am Montag 4028 Menschen infiziert, 146 sind verstorben. „Der Druck in den Intensivabteilungen der Krankenhäuser ist sehr hoch“, räumte die Behörde ein. Neue Restriktionen sind aber weiterhin nicht geplant. Am kommenden Wochenende wird also vermutlich wieder gekickt.
Abgesehen von den Fußballspielen habe ich den Eindruck, dass viele Menschen in Schweden die Situation ernster einschätzen als Behörden und Politiker. Auch wenn Restaurantbesuche nicht verboten sind, melden kleinere Betriebe starke Umsatzeinbußen. Und es wird gehamstert als gäbe es kein Morgen mehr. Haltbare Milch und Pasta sind vielerorts ausverkauft, dagegen gibt es wieder Klopapier.
Helmut Steuer


