Corona-Folgen: Japans Wirtschaft schrumpft im Rekordtempo
Tokio. Japans Wirtschaft muss im zweiten Quartal infolge der Coronavirus-Pandemie den größten wirtschaftlichen Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen verkraften. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte von April bis Juni im Vergleich zum ersten Quartal um 7,8 Prozent oder auf das Jahr hochgerechnet um 27,8 Prozent. Dies zeigte die erste BIP-Schätzung der Regierung.
Dies ist der größte Rückgang seit Beginn der Aufzeichnung vergleichbarer Daten im Jahr 1980. Zudem ist der Abschwung etwas tiefer, als Volkswirte erwartet hatten. Im internationalen Vergleich steht Japan damit zwar besser da als viele westliche Länder, die ihre Volkswirtschaften stärker drosseln mussten als Asiens zweitgrößte Wirtschaftsnation. Aber Japans Wirtschaft ging schon mit einer Rezession in die Krise.
Im innerasiatischen Vergleich liegt das Land daher weit hinter seinen Rivalen Südkorea und China zurück. Chinas Wirtschaft war im vergangenen Quartal sogar um 3,2 Prozent gewachsen. Das Land profitierte dabei davon, das Epizentrum der Epidemie zu sein. Das Reich der Mitte konnte als erste Nation die erste harte Phase der Pandemiekontrolle beenden.
Südkoreas Wirtschaft schrumpfte nur um 3,3 Prozent. Denn das Land hatte durch seine erfolgreiche Kontrolle der Pandemie die Wirtschaft nie so stark drosseln müssen wie selbst Japan. Gleichzeitig profitierte die fünftgrößte Exportnation davon, dass der globale Trend zur Telearbeit die Nachfrage nach Speicherchips koreanischer Konzerne wie Samsung Electronics und SK Hynix stärkte.
In Japan drückten Geschäftsschließungen und Aufforderungen, zu Hause zu bleiben, die Privatausgaben: Der private Konsum, auf den mehr als die Hälfte der japanischen Wirtschaft entfällt, ging im Quartal um 8,2 Prozent zurück, Analysten waren von 7,1 Prozent ausgegangen. Die Investitionen fielen um 1,5 Prozent und lagen damit unter der durchschnittlichen Marktprognose für einen Rückgang um 4,2 Prozent. Der Einbruch der Auslandsnachfrage drückte das BIP um weitere 3,0 Prozentpunkte.
Japan hatte massive geldpolitische Anreize gesetzt, um den Schlag der Pandemie für die Wirtschaft abzufedern, die bereits von der Umsatzsteuererhöhung im letzten Jahr und dem Handelskrieg zwischen den USA und China betroffen war. Nach den Lockerungen der Beschränkungen Ende Mai erwarten viele Analysten eine schwache Erholung des Wachstums im laufenden Quartal, da ein erneuter Anstieg der Infektionen die Aussichten für Geschäfts- und Haushaltsausgaben trübt.
Mit Agenturmaterial