Evergrande: Weiterer chinesischer Immobilienentwickler gerät in Schwierigkeiten
Am Montag geriet ein weiterer Immobilienentwickler in China in Zahlungsverzug.
Foto: BloombergDüsseldorf. Nach dem hochverschuldeten Immobilienkonzern Evergrande ist ein weiterer chinesischer Bauträger in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Fantasia Holdings Group konnte am Montag eine ausstehende Anleihe sowie fällige Kredite nicht bedienen, wie aus einer Börsenmitteilung des Unternehmens hervorgeht.
Zwar ist Fantasia deutlich kleiner als Evergrande, dennoch wächst nach dem Zahlungsverzug eines weiteren Bauträgers die Sorge vor einem Dominoeffekt auf dem chinesischen Immobilienmarkt. Denn dieser trägt rund ein Viertel zur Wirtschaftsleistung der Volksrepublik bei und war zuletzt ein wichtiger Wachstumsmotor. Inzwischen schwächt sich das Wachstum auf dem Markt jedoch spürbar ab.
Evergrande und Fantasia dürften erst der Anfang einer Konsolidierung auf dem chinesischen Immobilienmarkt sein, glaubt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Er geht davon aus, dass noch im laufenden Jahr mehrere besonders hochverschuldete chinesische Immobilienentwickler abgewickelt werden könnten. „Das dürfte die Nervosität an den internationalen Kapitalmärkten weiterhin hoch halten“, glaubt er.
Die chinesische Staatsführung hatte in den vergangenen Monaten eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Immobilienmarkt abzukühlen und das schuldenfinanzierte Wachstum einzudämmen. „Immobilien sind das größte ‚graue Nashorn‘ in Bezug auf die finanziellen Risiken in China in der gegenwärtigen Phase“, hatte Guo Shuqing, der Vorsitzende der chinesischen Aufsichtsbehörde für das Bank- und Versicherungswesen, Ende vergangenen Jahres gewarnt. Als „graues Nashorn“ werden Risiken bezeichnet, deren Eintreten sehr wahrscheinlich ist und sehr große Auswirkungen haben, die von vielen jedoch ausgeblendet werden.