Gastkommentar – Homo oeconomicus: Schweden und Deutschland ergänzen sich wirtschaftlich hervorragend
Deutschland und Schweden sind perfekte Partner, meint Lena Sellgren.
Foto: dpaWenn in Schweden über Wirtschaft debattiert wird, ist Deutschland kaum Thema. Das ist erstaunlich. Denn die Bundesrepublik ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des skandinavischen Landes. Mit 1500 Unternehmen und 80.000 Beschäftigten ist die deutsche Wirtschaft in Schweden stark investiert und breit vertreten. Deutschland ist zudem Schwedens wichtigster Gesprächspartner in der EU.
Nach der Bundestagswahl und dem Ende der 16-jährigen Kanzlerschaft von Angela Merkel richten sich nun alle Augen auf Deutschland. Es ist höchste Zeit für beide Staaten, über gemeinsame Stärken zu sprechen. Denn nun geht es auch darum, nach der Coronapandemie die Wirtschaft wieder anzukurbeln – vor allem durch Anreize und Investitionen in die Digitalisierung und die grüne Transformation.
Schwedische Unternehmen und Produkte sind für ihre hohe Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit bekannt. Die Digitalisierung hat viele Anwendungsbereiche im verarbeitenden Gewerbe, in Behörden, im Gesundheitswesen und bei Finanzdienstleistungen. Deutsche Unternehmen sind nicht nur für ihre Qualität bekannt, sondern auch für ihr hervorragendes Prozessmanagement. Das ist nur ein Grund, warum Deutschland und Schweden perfekte Partner sind.
Die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Schweden reichen mehrere Jahre zurück: Im Oktober 2016 war das schwedische Königshaus zu einem Staatsbesuch in Deutschland. Dieser führte zu einer Innovationspartnerschaft, die Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven und Merkel nur ein Jahr später ins Leben riefen. Ziel war es, Innovationen zu fördern, neue Exportmöglichkeiten zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Zwei Jahre später, kurz vor dem Ausbruch der Pandemie, wurde die Vereinbarung auf strategische Bereiche wie Künstliche Intelligenz (KI) und Batterien ausgeweitet. Die Gemeinsamkeiten haben sich seither verstärkt. So wollen beide Länder die Entwicklung von Wasserstoff- und Batterietechnologien großzügig finanzieren.
Lena Sellgren ist Chefvolkswirtin von Business Sweden.
Obwohl sich die Weltwirtschaft derzeit erholt, ist der weitere Weg der beiden Länder nicht einfach. Merkel und Löfven verabschieden sich, und nach den schwedischen Wahlen im nächsten Jahr wird sich eine neue politische Landschaft bilden. Unabhängig von den künftigen Regierungskoalitionen wäre es wünschenswert, dass Schweden und Deutschland die guten Beziehungen pflegen und die Innovationspartnerschaft ausbauen.
Da der Klimaschutz und der grüne Wandel der Industrie in Schweden ganz oben auf der Tagesordnung stehen, wird der wichtige Einfluss Deutschlands immer sichtbarer werden.