Russischer Ölkonzern: Mysteriöser Tod in Moskau: Lukoil-Aufsichtsratschef gestorben
Damals verlieh der Kremlchef dem Manager einen Orden.
Foto: imago images/ITAR-TASSMoskau. Die Reihe mysteriöser Todesfälle in Russland seit dem russischen Überfall auf die Ukraine reißt nicht ab. Am Montag wurde bekannt, dass der Aufsichtsratschef des größten privaten russischen Ölkonzerns Lukoil, Rawil Maganow, tot vor einem offenen Fenster des Moskauer Zentralkrankenhauses gefunden worden sei.
Lukoil gab bekannt, Maganow sei im Moskauer Zentralkrankenhaus einem Herzinfarkt erlegen, der Klinik, in der in der Nacht zuvor auch Michail Gorbatschow verstorben war.
Der russische Fernsehsender Ren TV und andere Medien berichteten indes, Maganow sei aus dem Fenster gestürzt. Unterschiedliche Versionen kursieren darüber, ob es sich um Selbstmord handelte, Maganow beim Rauchen aus dem geöffneten Fenster im sechsten Stock fiel oder ob er hinabgestoßen wurde.
Der 67-Jährige arbeitete seit Gründung des Unternehmens bei Lukoil, dessen Namen er aus den Anfangsbuchstaben der drei Hauptförderstädte des Konzerns entwickelte.
Maganows mysteriöser Tod reiht sich ein in eine Serie vermeintlicher Selbstmorde prominenter russischer Manager und Unternehmer. Vor ihm kam laut russischen Medien im Mai der Lukoil-Manager Alexander Subbotin angeblich bei einer okkulten Behandlung gegen Alkoholsucht ums Leben.
Die Frage nach Mord oder Suizid steht immer im Raum
Auch der ehemaliger Vizedirektor des russischen Gasunternehmens Novatek starb im Frühjahr: Am 19. April wurde Sergej Protosenja, 55, erhängt im Hof seiner Villa in Spanien entdeckt. Seine 53-jährige Ehefrau Natalia und seine 18-jährige Tochter Maria wurden im selben Haus brutal ermordet aufgefunden.
Auffällig: Es gab viel Blut am Tatort, aber keinen einzigen Fleck auf der Kleidung des Erhängten. Die Firma Novatek steht unter der Kontrolle des engen Freundes von Kremlchef Wladimir Putin, Gennadi Timtschenko.
Einen Tag zuvor, am 18. April, waren bereits die Leichen von Wladislaw Awajew, einem Ex-Vizepräsidenten der Gazprombank, seiner Frau Elena und seiner Tochter Maria gefunden worden. Vor seinem Job bei der Bank des staatlich kontrollierten Gaskonzerns war Awajew Vizechef der Verwaltung der Präsidialabteilung – eine Funktion, die Putin selbst bei seinem Wechsel von St. Petersburg nach Moskau innehatte.
Auch im März hatten ähnliche Schicksale aufgeschreckt: In Nischni Nowgorod an der Wolga wurden Wassili Melnikow, seine Frau Galina und ihre beiden kleinen Söhne (vier und zehn Jahre) ermordet aufgefunden. Der Besitzer des Medizintechnikhändlers Medstom soll sich und seine Familie umgebracht haben, behauptete die Polizei. Aber das Tatmesser wurde nicht gefunden.
Geflohener Gazprombank-Manager bezweifelt die offiziell genannten Todesursachen
Im gleichen Monat starb auch Michail Tolstoscheja: Er wurde in seinem Haus in Surrey, England, tot aufgefunden. Die Nachricht kam an dem Tag, an dem der britische Premier Boris Johnson mitteilte, dass er die Sanktionsliste der Personen, die mit dem Putin-Regime in Verbindung stehen, erweitern werde. Tolstoscheja, der sich in „Michail Watford“ umbenannt hatte, verdiente sein Vermögen mit der Öl- und Gasförderung in Russland.
In einem auf Youtube veröffentlichten Videointerview Ende April bezweifelte der langjährige Vizechef der Gazprombank, Igor Wolobujew, dass es sich um Suizide handele. Kurz zuvor war Wolobujew in die Ukraine geflohen und hatte angekündigt, dort gegen die russischen Truppen kämpfen zu wollen.
Wir berichten nur sehr zurückhaltend über mögliche Suizide oder Suizidversuche. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.