Krise in Großbritannien: Liz Truss: Mit schrägen Ideen in den „Winter des Missvergnügens“
Der britischen Außenministerin werden derzeit noch bessere Chancen ausgerechnet.
Foto: HandelsblattLondon. Wenn selbst die um reißerische Überschriften selten verlegenen britischen Zeitungen sprachlos sind, muss die Lage im Vereinigten Königreich ernst sein. Ende August kapitulierte das Morgenblatt „City A.M.“, beliebte U-Bahn-Lektüre der Londoner Finanzprofis, vor der Flut schlechter Nachrichten. Die Zeitung betitelte die Seiten zwei bis elf schlicht mit „Bad News“.
Großbritannien erwacht in diesen Tagen mit immer neuen Katastrophenmeldungen. Die Energiekosten haben sich innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht. Die Inflationsrate könnte bald auf 18 Prozent steigen. Es droht eine Rezession.
Die Wartezeiten beim staatlichen Gesundheitssystem NHS erscheinen endlos. Eisenbahner, Hafenarbeiter und Strafverteidiger streiken gegen Reallohnverluste. An den Flughäfen herrscht Chaos. Die Hitzewelle hat eine Jahrhundertdürre hinterlassen.
Im Zentrum des Krisen-Tsunamis stehen die dramatisch steigenden Lebenshaltungskosten und das Siechtum des NHS. An diesen beiden Fronten entscheidet sich auch das politische Schicksal der nächsten Premierministerin – die aller Voraussicht nach Liz Truss heißen wird. Die neue „Eiserne Lady“ könnte einen Wendepunkt für das Land bedeuten, denn ihre politischen Pläne sind umstritten, will Truss doch wie einst Margaret Thatcher Härte zeigen, wo Mitgefühl gefragt ist.