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  4. Mutti News aktuell: Das Unternehmen aus Parma leidet besonders unter den hohen Energiepreisen. CEO Francesco Mutti muss dafür seine Wachstumspläne bremsen und Investitionen aufschieben. Warum die Tomatenfirma trotz der Krise gut dasteht.

ItalienGaskosten des Tomatenproduzenten Mutti haben sich in einem Jahr verzwölffacht

Die Firma aus Parma muss angesichts der hohen Energiepreise ihre Wachstumspläne bremsen und Investitionen aufschieben. Doch das Unternehmen steht trotz der Krise gut da.Christian Wermke 20.12.2022 - 12:32 Uhr Artikel anhören

Während der Erntezeit werden pro Tag 2,2 Millionen der 400-Gramm-Dosen abgefüllt.

Foto: Unternehmen

Parma. Das Familienunternehmen Mutti wurde dieses Jahr von der Inflation „überrollt“, wie es Firmenchef Francesco Mutti beschreibt – vor allem beim Erdgas. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Kosten dafür verzwölffacht. „Vor einem Jahr hatten wir eine Gasrechnung von etwa dreieinhalb Millionen Euro, dieses Jahr sind es über 40 Millionen, das ist unvorstellbar“, sagt der 54-Jährige in seinem Büro in Parma mit Blick aufs Werk.

Normalerweise ist Erdgas im Sommer relativ billig. „In diesem Jahr lag der absolute Preishöhepunkt im August“, erklärt Mutti. Das habe dazu geführt, dass der Rohstoff, der in normalen Jahren nur anderthalb Prozent der Produktkosten ausmacht, zu einer „echten Preisexplosion“ geführt hat.

Gleichzeitig gab es einen Anstieg bei den Verpackungskosten, den die Branche nicht einmal in den Achtzigern so stark erlebt hat. Noch vor dem Ukrainekrieg, im Herbst 2021, stiegen auch die Preise für Aluminium, Glas oder Papier in neue Höhen.

„Die Kosten für ein durchschnittliches Produkt sind in diesem Jahr um etwa 60 Prozent gestiegen“, betont Mutti. Um Preiserhöhungen kam er nicht herum. „Aber sie decken bei Weitem nicht unsere Kostensteigerungen.“ Alles wollte Mutti nicht an die Kunden weitergeben – um die Verkäufe nicht zu riskieren.

Die Folge: Der CEO musste anderswo sparen, Projekte zurückfahren, Neueinstellungen verschieben. Für das kommende Jahr kürzte er das Investitionsbudget.

Dass trotzdem noch eine Summe von rund 15 Millionen Euro in Wachstum und Innovationen fließt, ist ein Zeichen jahrelanger Stärke: Innerhalb von fünf Jahren hat sich der Umsatz von Italiens größtem Tomatenproduzenten verdoppelt. 2021 lag er bei 484 Millionen Euro, ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Coronajahr 2020. Der Gewinn vor Steuern (Ebitda) betrug 48 Millionen Euro. In diesem Jahr soll der Umsatz erstmals über die Marke von einer halben Milliarde Euro springen.

800 Landwirte ernten maschinell für Mutti

Bis in die 1990er-Jahre war Mutti vor allem für sein Tomatenmark aus der Tube bekannt. 1951 war es das erste Lebensmittel weltweit, das in einer Alu-Tube verkauft wurde. Mittlerweile dominiert ein anderes Produkt: die „Polpa“, Tomaten in Stücken. In der Erntezeit werden pro Tag 2,2 Millionen der 400-Gramm-Dosen abgefüllt. Daneben gibt es passierte Tomaten und Saucen, seit Neuestem auch Gemüseragout und Fertigsuppen.

Seinen wichtigsten Rohstoff bezieht Mutti zu hundert Prozent aus Italien. 800 Landwirte liefern zu, aber niemand arbeitet exklusiv für das Unternehmen, das im Land drei Werke betreibt. Bei allen Bauern wird nur maschinell geerntet – eine Grundvoraussetzung, um Mutti-Lieferant zu werden. Die Tomaten sollen dadurch nicht zu lange Sonne oder Regen ausgesetzt sein.

Die Energiekrise hat viele Unternehmen in der Landwirtschaft hart getroffen. Wer zu stark die Preise erhöht, bleibt schnell auf den Produkten sitzen.
Lebensmittelchemikerin Elvira Mavric-Scholze

„Allgemein geht der Trend hin zu maschinellem Abbau, weil es einfach effizienter ist und empfindliche Früchte wie die Tomate dabei besser geschützt werden“, erklärt Lebensmittelchemikerin Elvira Mavric-Scholze. Bevor sie Professorin an der Hochschule Anhalt wurde, hat sie selbst in der Milchindustrie gearbeitet. „Die Energiekrise hat viele Unternehmen in der Landwirtschaft hart getroffen. Wer zu stark die Preise erhöht, bleibt schnell auf den Produkten sitzen.“

685.000 Tonnen italienische Tomaten hat das Unternehmen im Jahr 2021 verarbeitet – so viel wie kein anderer Wettbewerber. Francesco Mutti ist seit 1994 an der Spitze, machte die Firma zum Primus in der Heimat. Heute liegt der Marktanteil hier bei 34 Prozent.

Er führt den Tomatenproduzenten seit 1994.

Foto: ANSA / Max Cavallari

Mehr als die Hälfte seines Umsatzes macht die 1899 gegründete Firma aber außerhalb Italiens, ist in mehr als 100 Ländern vertreten. In Frankreich, Dänemark und den skandinavischen Ländern steht Mutti auf Platz eins. „Russland war für uns kein besonders wichtiger Markt, die Ukraine zum Glück auch nicht“, sagt Mutti. Aus beiden Ländern sei das Unternehmen „mehr oder weniger raus“.

Der Markt in Deutschland wächst stark

Nach Italien ist Frankreich der größte Markt. „Aber Deutschland hat sehr gute Chancen, Frankreich in den nächsten Jahren zu überholen“, sagt Mutti. In den Supermärkten der Bundesrepublik gibt es Mutti schon seit Langem. Aber erst vor vier Jahren fing die Firma an, ins Marketing zu investieren, Mitarbeiter vor Ort anzustellen, gerade hat ein Büro in Hamburg eröffnet. „Heute sind wir in Deutschland die zweite Marke mit zweistelligem Wachstum“, sagt Mutti.

In vier Jahren wuchs der Marktanteil von 1,5 auf nun zehn Prozent. Der Wettbewerb sei groß, der Vertrieb nicht einfach. Trotzdem sieht Mutti noch viel Potenzial: „Der deutsche Verbraucher legt heute mehr Wert auf Qualität als früher“, ist er überzeugt.

Rund 1100 Saisonarbeitskräfte kommen in den 70 Tagen Erntezeit dazu.

Foto: ANSA / Max Cavallari

Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte haben auch in Deutschland stark zugenommen. Laut Statistischem Bundesamt lagen sie im September rund 39 Prozent über dem Vorjahreswert. Zuletzt hat sich die Entwicklung weiter beschleunigt: Allein von August bis September 2022 stiegen die Erzeugerpreise von Tomaten um mehr als 16 Prozent.

Italien ist Europas größter Tomatenproduzent, vor Spanien und Portugal. Weltweit liegt das Land aber mit seinen mehr als sechs Millionen Tonnen nur auf Platz sechs. Weltmarktführer ist mit großem Abstand China, dort lag die Produktionsmenge im Jahr 2020 bei knapp 65 Millionen Tonnen. Auch Indien, die Türkei, die USA und Ägypten liegen zahlenmäßig noch vor Italien.

Asien ist für Muttis Tomatenprodukte noch ein Nischenmarkt, aber auch das könnte sich ändern. Trotzdem ist das Geschäft nicht endlos skalierbar. „Wir können unsere Produktion nicht exponentiell steigern, weil wir das Niveau der Landwirte anheben müssen, um den Rohstoff zur Verfügung zu haben.“

Sorge macht sich Mutti, der derzeit 465 Mitarbeiter beschäftigt und auf dem Firmengelände wohnt, um den Klimawandel im eigenen Land. „In den kommenden Jahren werden wir dem Problem der Dürre große Aufmerksamkeit schenken müssen“, mahnt er an. Italien befinde sich schon heute in einer „sehr kritischen Situation“. Es gebe weniger Schneefall, dadurch erhole sich der Grundwasserspiegel nicht. Gleichzeitig gingen die Gletschermassen immer weiter zurück.

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Im Spätsommer sorgte eine langanhaltende Dürre schon für Ernteausfälle, in Norditalien litten darunter vor allem die Reisbauern. In Spanien verzeichneten auch die Tomatenbauern große Ausfälle: Statt wie gewohnt drei Millionen Tonnen konnten in diesem Jahr nur zwei Millionen geerntet werden.

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