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Bauverträge gegen Bares?Fraport-Ermittlungen nehmen Fahrt auf

Nach zwei neuerlichen Festnahmen sitzt die Hälfte der Verdächtigen nun ein: Die juristische Aufarbeitung der Korruptions-Affäre um das Frachtzentrum am Frankfurter Flughafen gewinnt an Tempo.Patrick Schultz 17.07.2013 - 17:22 Uhr Artikel anhören

Flugzeuge am Flughafen Frankfurt: Beim Bau des Frachtzentrums Cargo City Süd sollen Schmiergelder geflossen sein.

Foto: obs

Düsseldorf. Von Emirates bis zur Lufthansa - alle großen Fluglinien haben in den vergangenen Jahren Standorte am Frankfurter Frachtzentrum Cargo City Süd eröffnet. Während des Baus soll aber nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein: Einige Unternehmen sollen sich begehrte Bauplätze mit Schmiergeldern gesichert, ein Fraport-Manager die Hand aufgehalten haben.

Die Staatsanwaltschaft hat jetzt auch zwei bekannte Frankfurter Geschäftsmänner verhaftet. Die Ermittler werfen den beiden Männern unter anderem Bestechung vor. Somit sitzen nun fünf Verdächtige in Haft, gegen fünf weitere wird ermittelt.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein ehemaliger leitender Angestellter des Frankfurter Flughafen-Betreibers Fraport. Der 50 Jahre alte Manager war mit der Vergabe von Erbbaurechten, eine Art Bebauungs- und Pachtverträgen, auf dem Gelände des Frachtzentrums Cargo City Süd betraut. Zwischen Anfang 2007 und Juli 2008 soll er für den Abschluss von solchen Verträgen Schmiergelder angenommen haben.

Der Frankfurter Flughafen in Zahlen
Die Passagierzahlen am Frankfurter Flughafen bewegen sich immer weiter nach oben. 1971 flogen mehr als zehn Millionen Passagiere von und über Frankfurt. Im vergangenen Jahr waren es bereits 56,4 Millionen. Das waren 6,5 Prozent mehr als 2010.
Der Frankfurter Flughafen entwickelt sich immer mehr zu einer europäischen Drehscheibe. Rund 54 Prozent der Passagiere 2011 waren Umsteiger. Den Tagesrekord im vergangenen Jahr stellte der Flughafen am 26. Juni auf. 195.109 Fluggäste zählte Frankfurt an diesem Tag.
Der Flughafen Frankfurt ist ein bedeutender Umschlagplatz für Waren aller Art. Die transportierte Fracht wächst von Jahr zu Jahr. 2011 waren es knapp 2,2 Millionen Tonnen, die in Frankfurt ver- und umgeladen wurden.
Auch Luftpost wird in Frankfurt ver- und umgeladen. 2011 waren es insgesamt 82.314 Tonnen.
Im vergangenen Jahr waren beim Flughafenbetreiber Fraport insgesamt 19.872 Menschen beschäftigt. Insgesamt gibt es rund 500 verschiedene Arbeitsstätten und Betriebe am Flughafen. Mitarbeiterzahl insgesamt: rund 75.000.Quelle: Unternehmensangaben

Auch beim Verkauf eines Grundstücks auf dem Caltex-Gelände, heute das Gewerbegebiet Mönchhof, hat er sich angeblich bestechen lassen - 630.000 Euro sollen insgesamt auf ein Konto in Liechtenstein geflossen sein, sagt Doris Müller-Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Derzeit haben die Ermittler Hinweise, dass drei Firmen als Geldgeber in die Bestechungsaffäre verwickelt seien. Auch die beiden nun festgenommenen Unternehmer werden der Zahlung, aber nicht der Annahme von Schmiergeldern verdächtigt. Die Bild-Zeitung will sie als den unter anderem dank seiner Beziehung zu einer ehemaligen deutschen Spitzenschwimmerin auf den roten Teppichen Deutschlands bekannten Immobilien-Investor Jürgen H. sowie einen Geschäftspartner identifiziert haben. H.s Unternehmen hatte 2009 unter anderem ein Bauprojekt - über ein 23.000-Quadratmeter-Gebäude - in der Cargo City Süd an einen Fonds der Commerz Real verkauft.

Die angeblichen Profiteure, der Ex-Fraport-Mitarbeiter und zwei mögliche Komplizen, waren bereits am Dienstag vergangener Woche festgenommen worden. Sie sollen die Schmiergelder über ein Dreiecks-Konstrukt gewaschen haben, vermuten die Ermittler: Die Unternehmen bezahlten zunächst einen Frankfurter Immobilienmakler für fiktive Beratungsleistungen. Der wiederum überwies das Geld auf ein Konto in Liechtenstein. Die 630.000 Euro, die Ermittler auf dem Konto gefunden haben, sollten dann wohl wieder an den Hauptverdächtigen und seine beiden Komplizen fließen. Bei ihnen handelt es sich um einen 53 Jahre alten Frankfurter Immobilien-Makler und einen 73 -jährigen Liechtensteiner.

Am vergangenen Dienstag hatten 200 Polizisten in einer Groß-Razzia 28 Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland und Liechtenstein durchsucht, darunter auch Räume der Fraport. Sie stellten Wertgegenstände im Gesamtwert von 2,9 Millionen Euro sicher.

Die Ermittlungen kamen unter anderem ins Rollen, weil ein Unternehmen nach dem Ausscheiden des Schmiergeld-Empfängers bei Fraport die Zahlungen einstellte - die Verdächtigen versuchten daraufhin, 1,6 Millionen Euro einzuklagen.

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Möglicher Geschädigter sei die Fraport, heißt es bei der Staatsanwaltschaft: Der verhaftete Manager könnte gegen Bestechungsgelder ungünstige Verträge abgeschlossen haben. Eine Schadenssumme können Staatsanwaltschaft und Unternehmen noch nicht nennen. „Wir arbeiten mit den Ermittlern zusammen“, sagt Fraport-Unternehmenssprecher Mike Schweitzer.

Im Luftfrachtzentrum Cargo City Süd am Flughafen Frankfurt arbeiten auf 98 Hektar mehr als 9000 Mitarbeiter unter anderem der Fluglinie Emirates, der Lufthansa Cargo und des Logistikunternehmens Schenker. Bis 2020 sollen, so der Flughafen Frankfurt, hier weitere Frachthallen mit einer Gesamtfläche von 100.000 Quadratmetern entstehen.

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