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Kunst aus dem Fernen OstenChinesischen Bietern sitzt das Geld nicht mehr so locker

Die Asiatika-Auktionen von Nagel, Lempertz und Koller deuten eine Neuausrichtung des Marktes an. Nagel versucht den Kurswechsel mit einem zusätzlichen Angebot afrikanischer Kunst.Sabine Spindler 27.12.2023 - 14:42 Uhr

München. Es geht nicht mehr alles nach Peking und Hongkong, was in Mitteleuropa an chinesischer und tibetischer Kunst verkauft wird. Diesen Trend unterstreichen die kürzlich abgehaltenen Asiatika-Auktionen der deutschen Auktionshäuser Lempertz und Nagel.

Noch vor ein paar Jahren hätten sich Chinas Millionäre um das bei Lempertz angebotene, außergewöhnliche Thangka mit dem Buddha Amitabha gegenseitig befeuert. Diesmal rangen mehrere Händler aus den USA und nur ein Interessent aus Hongkong um das mit Details opulent ausgestattete, tibetische Meditationsbild aus dem 13. Jahrhundert. Die Taxe lag bei 50.000 Euro, verkauft wurde es für 541.800 Euro (alle Erlöse inklusive Aufgeld) an einen New Yorker Händler. Das heißt, da ist preislich noch Luft nach oben.

Insider sehen den Marktwert des Objekts durchaus im siebenstelligen Bereich. Für Lempertz war es der höchste Zuschlag des Jahres. 2023 wurde dieser Erlös im deutschsprachigen Raum nur übertroffen durch die 595.000 Euro für eine kaiserliche Porzellanvase in der Juni-Auktion von Nagel.

Auch bei anderen Objekten zeigten Europäer und Amerikaner oft einen längeren Atem als die Konkurrenz aus Fernost. Für 25.200 Euro sicherte sich ein Sammler aus USA einen in der speziellen Emailtechnik Cloisonée gefertigten Weihrauchbrenner mit dekorativen Drachenhenkeln.

Für fast 12.000 Euro erwarb ein Deutscher eine Bronzefigur des Buddhas Meytreya. Und auch eine buddhistische Bronze des Shakyamuni bleibt wohl in Deutschland. Für 30.240 Euro, dem Fünffachen der Taxe, wurde sie einem in Deutschland lebenden Chinesen zugeschlagen.

Chinas momentane Zurückhaltung wird nur durch kaiserliche Aura und kulturgeschichtlich Relevanz durchbrochen. Für rund 29.000 Euro wechselte ein blau-weißer Porzellan-Pinselbecher mit der Darstellung einer Episode aus der Geschichte der Drei Reiche den Besitzer, für 16.380 Euro eine quadratische Schale mit Narzissendekor. Vermutlich war sie Teil eines Services, das die Kaiserwitwe Canxi kurz vor 1900 in Auftrag gab. Beide Teile werden nach Peking verschifft.

Hohe Erlöse sind das im Vergleich mit Porzellan-Preisen von vor 20 Jahren nicht. Bei einer losbezogenen Verkaufsquote von 69 Prozent summierte sich Lempertz' Umsatz lediglich auf 1,8 Millionen Euro.

Anteil daran hat die wieder gefragte japanische Kunst. Fünfstellig beboten wurden die Blätter einer Suite von Farbholzschnitten von Utagawa und Hokusai. Den Höchstpreis gab es für Hokusais „Bauern bei einem großen Wasserrad“: 27.720 Euro. Viel Zuspruch bekam die reizvolle Netsuke-Offerte. Teuerste dieser geschnitzten Kleinskulpturen wurde mit 81.900 Euro die burleske Darstellung einer Dämonbändigung.

Der Markt ist gesättigt, er hat sich beruhigt.
Michael Trautmann
Experte für Asiatika bei Nagel

Die neue Reserviertheit der Chinesen gegenüber buddhistischer Kunst begründete Nagels Asiatika-Spezialist Michael Trautmann im Gespräch mit dem Handelsblatt kurz und knapp: „Der Markt ist gesättigt, er hat sich beruhigt.“

Nur zwei China-Angebote übersprangen in Stuttgart die 100.000 Euro-Grenze. Für einen auf 20.000 Euro taxierten Pinselbecher aus Zitan, dem Holz des Hochadels, zahlte ein Chinese trotz einiger fehlender Perlmutteinlagen, aber wohl wegen der Künstlermarke186.200 Euro. Auf nicht ganz 200.000 Euro stieg der Preis einer dunkelroten Porzellanvase aus dem 18. Jahrhundert, deren Reiz in zweigroßen Landschaftsmalereien lag.

Die Magie der Macht trieb den Preis einer sogenannten Abstinenzplakette aus Jade hoch. Die runde Scheibe mit erhabener Schnitzerei gewährte einst den Zutritt zu den kaiserlichen Gemächern. Für 2500 Euro aufgerufen, übernahm sie chinesischer Handel erst bei 17.300 Euro.

Ein Umsatz von 4,2 Millionen bei fast 2000 aufgerufenen Losen ist kein beflügelndes Ergebnis mehr. Nagel testete deshalb mit dem Sonderkatalog „Sechs Kontinente“ eine neue Strategie. Objekte aus Japan, dem Nahen Osten und Südostasien ergänzte eine bayerische Sammlung afrikanischer und ozeanischer Stammeskunst. Von 4000 auf 43.890 Euro kletterte der Preis für einen Akatara-Massue genannten Zeremonialspeer von den Cook-Inseln. Käufer war ein Kalifornier.

Ein weiteres Bietgefecht zwischen indischen Topsammlern und westlichen Interessenten entfachte ein Gemälde des 1992 verstorbenen indischen Malers Narayan S. Bendre. Für 465.500 Euro verbleibt „Die Schäferin“ von 1975 jedoch in einer deutschen Stiftung.Insgesamt spielte der Sonderkatalog rund 1,1 Millionen Euro ein. Michael Trautmann nennt dieses Konzept ein Modell für die Zukunft: „Es haben sich sehr viele neue Käufer aus vielen Ländern engagiert.“

Bei Koller in Zürich sehen die Ergebnisse für Kunst aus China ähnlich durchwachsen aus. Eine kupferrot glasierte Flaschenvase des 18. Jahrhunderts und die kraftvoll getuschte Berglandschaf des 1983 verstorbenen Zhang Daqianwurden jeweils mit 106.250 Schweizer Franken die teuersten Werke der Herbstauktion. Die Karten für außereuropäische Kunst werden derzeit neu gemischt.

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