Geldanlage: BCG-Erhebung – Geschäftsmodell der Vermögensverwalter in Gefahr
Frankfurt. Die Gewinne der globalen Asset-Management-Branche sind im vergangenen Jahr trotz höherer Kosten um knapp 22 Prozent gewachsen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Dennoch warnt die Studie vor tiefen strukturellen Problemen der Branche. Weltweit müssten die Fondshäuser ihr Geschäftsmodell verändern, um weiterhin erfolgreich zu wirtschaften.
„Die Industrie durchgeht gerade einen riesigen Wandel“, sagt Johannes Burkhardt, Partner bei BCG und Co-Autor der Studie. Margendruck, sich wandelnde Anlegerpräferenzen und ein zunehmender Wettbewerb stellten Vermögensverwalter laut dem Papier vor Herausforderungen.
„Mit dem Wachstum passiver Produkte in den vergangenen Jahren bricht aktiven Managern die Geschäftsgrundlage weg“, sagt Burkhardt. Das zeige sich auch an einer Konsolidierung der Branche.
Übernahmen und Partnerschaften werden derzeit branchenweit diskutiert. Im vergangenen Jahr einigte sich etwa die französische Großbank BNP Paribas auf eine Übernahme des Fondsgeschäfts des Versicherers Axa. Das deutsche Fondshaus Allianz Global Investors führte Gespräche mit dem französischen Anbieter Amundi. Und der italienische Versicherungskonzern Generali will sich in dem Bereich mit dem französischen Natixis-Eigentümer BPCE zusammentun.
In den vergangenen Jahren haben börsengehandelte Indexfonds (ETFs) immer mehr Geld eingeworben. Für Fondshäuser ist das ein Problem, weil für die passiven Fonds deutlich niedrigere Gebühren anfallen als für Fonds, die aktiv von einem Portfoliomanager gesteuert werden. Die meisten ETFs werden zudem von wenigen großen Anbietern verwaltet – etwa von den US-Riesen Blackrock und Vanguard, auch Amundi und die Deutsche-Bank-Tochter DWS gehören dazu.
Laut der BCG-Studie wollen Fondshäuser mit Deals vor allem Skaleneffekte nutzen und Reichweite gewinnen. Für die jährliche Untersuchung wurden unter anderem mehrere Dutzend Geldmanager mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt mehr als 15 Billionen US-Dollar befragt.
Verwaltetes Vermögen steigt auf 128 Billionen US-Dollar
Im vergangenen Jahr verwaltete die Branche weltweit so viel Geld wie noch nie. Das verwaltete Vermögen stieg um zwölf Prozent auf 128 Billionen US-Dollar, während die Kosten um sieben Prozent zulegten.
Das sei jedoch vor allem auf das starke Börsenjahr zurückzuführen gewesen: 70 Prozent der Zunahme seien auf Markteffekte zurückzuführen, heißt es in dem Papier. Gegenwärtig gehe die Industrie durch eine Phase extremer Marktvolatilität, rascher Stimmungsumschwünge und einer erhöhten Unsicherheit durch US-Zölle
Für einige große europäische Vermögensverwalter prognostizieren Analysten schon jetzt einen schwächeren Jahresstart. Eine gemischte Lage an den Märkten und Gegenwind durch einen schwachen US-Dollar ließen das verwaltete Vermögen im ersten Quartal nur leicht wachsen, schreibt etwa Michael Sanderson von der britischen Bank Barclays in einer aktuellen Analyse.
„Aktives Management wird künftig nicht mehr den Ergebnisbeitrag wie bisher liefern können“, sagt BCG-Partner Burkhardt. „Deswegen müssen Fondshäuser umdenken und ihr Geschäftsmodell verändern.“
Bei den Produkten sieht Burkhardt zwei mögliche Auswege. „Um Masse zu gewinnen, müssen sich Asset-Manager in Richtung passiver Produkte und ETFs bewegen“, sagt er. „Um Marge zu gewinnen, muss man in die privaten Märkte gehen.“ Unter Letztere fallen Anlagen, die nicht ständig handelbar sind, etwa in Infrastruktur, Immobilien oder private Kredite.