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Strategiekonferenz von Goldman SachsWie prominente Fondsmanager jetzt investieren

Große deutsche Vermögensverwalter setzen 2020 vor allem auf Aktien. Langfristig rechnen sie mit Erträgen von fünf bis sieben Prozent pro Jahr.Andrea Cünnen, Anke Rezmer 16.01.2020 - 21:21 Uhr

In ganz Europa lädt die US-Bank Goldman Sachs im Januar zu Strategiekonferenzen ein – und das seit 28 Jahren.

Foto: dpa

Frankfurt. Eines steht fest: An Aktien kommt für die nächsten Jahre kein Investor vorbei. Dort winken zwar keine satten zweistelligen Gewinne mehr wie im Börsen-Ausnahmejahr 2019.

Doch mit soliden Erträgen können Anleger auch im neuen Jahrzehnt rechnen. Darin sind sich prominente Fondsmanager einig, die auf einer Strategiekonferenz der US-Großbank Goldman Sachs diskutierten.

„Aktien sind nicht die einzige, aber die erste Wahl“, sagt Klaus Kaldemorgen. Der bekannte Fondsmanager managt bei der DWS einen Mischfonds, der seinen Namen trägt. Die Aktienquote im Fonds hat er hochgefahren.

Jens Ehrhardt, Gründer und Chef von DJE Kapital, gewichtet Aktien in seinen Portfolios ebenfalls überdurchschnittlich: „Die Zinsen sind niedrig, und es mangelt an Alternativen.“ Stefan Keitel, Chef der Sparkassenfondstochter Deka Investment, betont ebenfalls die mangelnden Anlagealternativen.

„Im Zyklus der Hoffnung“

Mit Blick auf die Entwicklung der Wirtschaft, die Beruhigung im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die Unternehmensgewinne sagt Keitel: „Wir bleiben in einem Zyklus der Hoffnung.“ DWS-Chef Asoka Wöhrmann geht davon aus, dass die Phase von niedrigem Wachstum und niedrigen Zinsen noch lange anhält. Das unterstütze globale Aktien.

Doch sind Aktien nach der Rally im vergangenen Jahr nicht viel zu teuer? Die Fondsmanager meinen: nein. Mit Blick auf das, was an Wachstum in diesem Jahr erwartet wird, seien Aktien zwar „ambitioniert“ bewertet, sagt Frank Engels, Fondschef bei Union Investment. Doch Anleihen seien noch sehr viel teurer – und Aktien auch deshalb interessant.

Einig sind die Fondsmanager aber, dass es zwischenzeitlich Rücksetzer geben wird und die Märkte stärker schwanken werden als im vergangenen Jahr, in dem die Volatilität auffallend niedrig war.

Doch das macht ihnen keine Angst. Im Gegenteil: „Rückschläge sind kurzfristig realistisch, aber wir werden sie nutzen, um Aktien günstiger nachzukaufen“, erklärt Ehrhardt.

Langfristig denken

Bert Flossbach, Mitgründer und Co-Chef der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, warnt Anleger generell davor, zu kurzfristig zu denken. Er drückt das so aus: Analysten gingen im Prinzip jedes Jahr davon aus, dass globale Aktien um die sieben Prozent zulegten. Dies sei auf Jahressicht meistens falsch – aber langfristig eben doch richtig.

Für die nächsten zehn Jahre hält Flossbach bei Aktien ebenfalls eine jährliche Rendite von im Schnitt sechs bis sieben Prozent für erreichbar: „Deshalb sind Aktien die Anlageklasse, in der man investiert sein soll.“ Keitel geht davon aus, dass aktive Fondsmanager in den nächsten zehn Jahren mit Aktien Erträge von im Schnitt fünf Prozent pro Jahr erwirtschaften können.

„Aktien sind die Anlageklasse, in die man investiert sein soll“, sagt der Mitgründer und Co-Chef der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.

Foto: Stefan Finger/laif

Am besten gelaufen sind in den vergangenen Jahren vor allem die Börsen in den USA. Mit Blick nach vorn raten Fondsmanager aber zu einer breiteren Streuung.

Kaldemorgen investiert verstärkt auch in Aktien der Euro-Zone – mit dem Vorteil, dass für hiesige Anleger das Währungsrisiko wegfällt.

Auch Peter Oppenheimer, Chef-Aktienstratege bei Goldman Sachs, rät zu breiterer regionaler Diversifizierung. In den vergangenen Jahren haben sich zwar die US-Märkte sehr viel besser entwickelt als alle anderen Märkte, weil die US-Unternehmen mehr verdient hätten.

Das belegt Oppenheimer mit beeindruckende Zahlen: Seit dem Kurshoch vor der Finanzkrise seien die Gewinne je Aktie der Unternehmen im Börsenbarometer S&P 500 um fast 90 Prozent gestiegen.

Im europäischen Index Stoxx 600 stiegen die Gewinne je Aktie seit 2006 insgesamt jedoch nur um vier Prozent.

In den nächsten Jahren werden die Unterschiede nach Ansicht von Goldman Sachs aber nicht mehr so groß sein. Zudem seien die politischen Risiken in Europa gesunken, in den USA werden sie vor den Präsidentschaftswahlen im November aber steigen, meint Oppenheimer.

Technologiewerte im Fokus

Noch wichtiger als die regionale Auswahl ist für Fondsmanager die Auswahl der Unternehmen, in die sie investieren. Technologiewerte finden die Vermögensverwalter nach wie vor interessant, obwohl sie schon so gut gelaufen sind.

Konkret findet Ehrhardt die Google-Mutter Alphabet – anders als die Aktie von Apple – nicht übermäßig teuer.

Wichtig ist den Fondsmanagern, frühzeitig strukturelle Veränderungen zu sehen und entsprechend zu investieren. Dazu zählt derzeit vor allem das Thema Nachhaltigkeit. Kaldemorgen investiert aus diesem Grund derzeit nicht in Automobilwerte.

Goldman Sachs rät mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit unter anderem zu Unternehmen, die in erneuerbare Energien investieren – einen Ansatz, den Engels von Union Investment „sehr interessant“ findet. Zu diesen Unternehmen zählt Goldman Sachs zum Beispiel den Windkraftanlagenbauer Siemens Gamesa, den Offshore Windenergieanbieter Orsted oder auch RWE.

Passiv oder aktiv investieren?

Herausgefordert sehen sich die deutschen Fondsmanager von der zunehmende Beliebtheit der preiswerten, indexnachbildenden Fonds. „Passive Fonds werden starken Zulauf haben, der Trend aus den USA wird hier in den nächsten zehn Jahren nachgebildet“, erwartet DWS-Chef Wöhrmann mit Blick auf Europa. Die DWS bietet sowohl aktive, also von Fondsmanagerhand gesteuerte Produkte, als auch passive Fonds wie börsengehandelte Indexfonds (ETF) an.

„Passive Fonds werden starken Zulauf haben“, sagt der Chef des Fondshauses DWS.

Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Im weit entwickelten Markt in den USA machen passive Fonds nach Branchenschätzungen bereits rund 30 Prozent des gesamten Fondskapitals aus. Fünf bis zehn Prozent davon entfallen auf ETF, der Rest auf nicht börsengehandelte Indexfonds.

In Europa entfallen auf ETF wie auch auf Indexfonds dagegen erst ein paar Prozent des Fondsvermögens von insgesamt gut 22 Billionen Euro.

Nach neuesten Zahlen des Analysehauses Refinitiv ist das ETF-Vermögen auf 870 Milliarden Euro gestiegen. Eine Verdopplung des europäischen ETF-Marktes in fünf Jahren auf 1,6 Billionen Euro halten Experten für möglich. Der Trend zu passiven Anlagen „ist die größte Herausforderung für unsere Industrie“, sagt Flossbach.

Chancen für aktive Manager

Passive Produkte bringen der Branche unterm Strich einen Bruchteil an Erträgen im Vergleich zu aktiven Fonds, was ihre Margen unter Druck bringt. Doch Flossbach betont, dass es einen großen Unterschied zum US-Markt gibt.

Während sich Investoren in den USA typischerweise am breiten Aktienindex S&P 500 orientierten und diesen in ihren Portfolios immer stärker nachbildeten, fehle ein Europa ein solcher führender Index. Hier gebe es daher noch Chancen für aktive Geldmanager auch mit Produkten, die aus verschiedenen Anlageklassen gemischt seien, wenn sie mit guten Renditen überzeugten.

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