BNP Paribas: Französische Bank will Vermögensverwaltung von Axa übernehmen
Paris, Frankfurt. Die Bank BNP Paribas befindet sich eigenen Angaben zufolge in Gesprächen mit der Axa, um das Vermögensverwaltungsgeschäft des zweitgrößten Versicherers Europas zu übernehmen. Der Preis für die Übernahme liege bei 5,1 Milliarden Euro, teilte die größte Bank der Euro-Zone am Donnerstag mit.
Das neue Unternehmen würde Vermögenswerte von etwa 1,5 Billionen Euro verwalten und unter den europäischen Vermögensverwaltern zur Nummer zwei aufsteigen – nach Amundi. Die Transaktion solle Mitte 2025 abgeschlossen werden.
Für den Versicherer Axa ist der Verkauf ein wichtiger strategischer Schritt – der Konzern würde sich künftig auf das Kerngeschäft mit Lebensversicherungen, Sparanlagen, Sach- und Unfallversicherungen sowie Krankenversicherungen konzentrieren. Der Kaufpreis soll in bar gezahlt werden. Axa hatte am Donnerstag außerdem die Übernahme des italienischen Versicherers Gruppo Nobis für 423 Millionen Euro bekannt gegeben. Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2025 abgeschlossen sein.
Rund 3,8 Milliarden Euro will Axa für Aktienrückkäufe verwenden und damit seinen Aktionären zugutekommen lassen. Der Rest des Erlöses werde für „organisches und anorganisches Wachstum“ ausgegeben, sagte Axa-Vizechef Frederic de Courtois. Die beiden Unternehmen wollen außerdem eine strategische Partnerschaft mit einer Laufzeit von 15 Jahren eingehen, in deren Rahmen BNP Paribas für Axa Investitionen verwalten soll.
Der Kauf ist das bisher größte Geschäft für den Vorstandsvorsitzenden von BNP, Jean-Laurent Bonnafe, der überschüssige Barmittel aus dem 16,3 Milliarden Dollar schweren Verkauf des US-Kreditgebers Bank of the West an die Aktionäre zurückgibt. Der Zusammenschluss würde „unser langfristiges Wachstum vorantreiben“, so Bonnafe in der Erklärung.
BNP Paribas will stärker wachsen
Von dem Deal soll nach Ansicht von BNP Paribas vor allem die Versicherungstochter Cardif profitieren, die bei den Übernahmegesprächen die Führungsrolle hat. Cardif „würde die Möglichkeit bekommen, sich für die Verwaltung von bis zu 160 Milliarden seiner Assets zu stützen“, erklärte die französische Großbank. Zusammen mit den Plattformen von BNP Paribas zur Vermögensverwaltung würde die neue Einheit mit einem Portfolio von 1,5 Billionen Euro einer der führenden europäischen Akteure in diesem Bereich werden.
Insbesondere bei der Verwaltung von langfristigen Vermögenswerten sowie Pensionsfonds könne man mit einem Portfolio von 850 Milliarden Euro an die Spitze in Europa rücken. Das fusionierte Geschäft werde außerdem von der führenden Marktposition der Vermögensverwaltungstochter von Axa profitieren, „was das weitere Wachstum bei institutionellen und privaten Investoren antreiben wird“.
Unabhängige Experten sehen den Deal eher positiv. „Aus strategischer Sicht ist die Übernahme sinnvoll“, sagt Johann Scholtz, Aktienanalyst und Bankenexperte bei Morningstar.
Konsolidierung der Branche setzt sich fort
Die Branche der Vermögensverwalter konsolidiert sich, da Größe im internationalen Wettbewerb als Vorteil gilt. Zuletzt hatte der bislang größte europäische Vermögensverwalter Amundi kleinere Konkurrenten wie Alpha Associates oder den ETF-Anbieter Lyxor übernommen. Im Jahr 2021 kaufte die US-Bank Goldman Sachs die Vermögensverwaltungssparte des niederländischen Versicherers NN Group.
„Die Konsolidierung im wettbewerbsintensiven Vermögensverwaltungssektor beschleunigt sich“, sagte Frederic de Courtois, stellvertretender CEO von Axa, am Donnerstag in einem Telefonat mit Reportern. Daher sei es nötig, dass die Axa-Investmentabteilung „sich vergrößert, um wettbewerbsfähig zu bleiben“. Besonders bei alternativen Anlagen ist Axa gut aufgestellt. Diese sollen bis zum Ende des Jahrzehnts branchenweit ein Volumen von fast 40 Billionen Dollar erreichen.
Ob der BNP-Axa-Deal allerdings eine größere Welle von Aufkäufen im Asset-Management in Gang setzt, da sind Branchenkenner zurückhaltend. Ein Top-Manager aus der Szene merkt zumindest an: „Die Frage ist weniger, wer kaufen will, sondern, wer für einen Verkauf bereit ist.“
Michael Klimek, Chef der Beratungsfirma Dolphinvest Consulting, sieht die Lage im globalen Kontext: „Einen richtig großen europäischen Spieler von globaler Bedeutung würde eine Hochzeit von Amundi und der DWS ergeben, realistischerweise unter französischer Führung.“
DWS sucht in China und Indien
Das Deutsche-Bank-Fondshaus DWS ist der größte deutsche Verwalter in Europa. Sein Chef Stefan Hoops hatte bei der Präsentation der Quartalszahlen am 24. Juli aber unterstrichen, dass sein Haus gut aufgestellt sei und aktiv kein anorganisches Wachstum „im Westen“ suche, allerdings in China und Indien nach Chancen schaue.
Auch die große UBS scheint kein Kandidat für einen weiteren Deal zu sein. „Frühere Gespräche unter Hoops-Vorgänger Asoka Wöhrmann zwischen DWS und UBS waren ja ergebnislos beendet worden“, erinnert Klimek. Und unter den anderen größeren europäischen Mitspielern sei das schweizerische Haus „noch mit der Verdauung der Kröte Credit Suisse beschäftigt“.