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Helmut SchleweisDer Sparkassenpräsident, der eine Super-Landesbank schaffen will

Schleweis hat sein Berufsleben bei den Sparkassen verbracht. Er will die Branche zukunftsfähig machen – und kämpft für eine Super-Landesbank.Elisabeth Atzler, Andreas Kröner 01.11.2018 - 19:30 Uhr Artikel anhören

Der Sparkassenpräsident will eine Super-Landesbank schaffen.

Foto: dpa

Frankfurt. Sein gesamtes Berufsleben hat Helmut Schleweis in der öffentlich-rechtlichen Finanzgruppe verbracht. 30 Jahre war er Vorstand der Sparkasse Heidelberg, 15 Jahre stand er an ihrer Spitze. Schleweis weiß, wie Sparkassen ticken – und er kennt die Wut vieler Manager über die ineffizienten Strukturen im Sparkassen-Sektor – und zu viele Spitzeninstitute.

Nach seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) hat Schleweis deshalb ein revolutionäres Projekt angestoßen, das den deutschen Bankenmarkt grundlegend verändern könnte. Der 64-Jährige möchte eine Super-Landesbank mit einer Bilanzsumme von 700 Milliarden Euro schaffen. Es wäre das zweitgrößte einheimische Geldhaus nach der Deutschen Bank.

Ausgangspunkt der Überlegung ist die prekäre Lage bei der NordLB, die auf der Suche nach Investoren ist. Im öffentlich-rechtlichen Sektor hoffen viele, dass die Helaba den Zuschlag bekommt und dann mit der NordLB verschmilzt. Danach könnte sich das fusionierte Institut mit der LBBW, dem Fondsdienstleister Deka und der Immobilienbank BerlinHyp zusammentun.

„Schleweis ist der Motor des Ganzen“, sagt eine mit dem Thema vertraute Person. Schon kurz nach seinem Amtsantritt hat er deutlich gemacht, dass er die Strukturen des öffentlich-rechtlichen Sektors nicht für zukunftsfähig hält. Denn statt an einem Strang zu ziehen und Kosten einzusparen, machen sich viele Landesbanken gegenseitig Konkurrenz. Das ärgert viele Sparkassenmanager, die selbst sparen und Filialen schließen müssen.

Kritiker der Mega-Fusion fürchten, dass der Sektor dadurch mehrere Jahre lahmgelegt würde. Andere glauben, eine Super-Landesbank lasse sich nur in mehreren Schritten erreichen. Mit Letzterem könnte Schleweis vermutlich leben. Sein Ziel ist klar: Er strebt Finanzkreisen zufolge ein großes öffentlich-rechtliches Spitzeninstitut an, an dem dann alle knapp 400 Sparkassen in Deutschland beteiligt sind.

Es ist ein gewaltiges Projekt für jemanden, der lieber im Hintergrund die Fäden zieht, als auf der großen Bühne zu stehen. Schleweis gibt weniger Interviews als sein Vorgänger Georg Fahrenschon. Und auch die Zahl der öffentlichen Auftritte ist überschaubar.

Doch im Sparkassen-Lager stört das niemanden. „Er wirkt mehr nach innen“, sagt ein Insider. Und das sei nach der Ära Fahrenschon auch gut so. Der langjährige CSU-Politiker räumte den Posten Ende 2017 wegen einer Steueraffäre.

Vertrauenswürdiger Gesprächspartner

Schleweis genießt innerhalb der geschwätzigen Sparkassen-Finanzgruppe den Ruf als vertrauenswürdiger Gesprächspartner. „Er ist sehr verlässlich“, sagt ein Wegbegleiter. „Bei manchen Fragen sagt er: ,Da habe ich keine Antwort.‘ Dann weiß man, dass er sich mit dem Thema beschäftigt. Aber wenn er etwas sagt, dann steht er dazu.“

Das schätzen die Vorstände vieler Sparkassen. Sie stehen hinter Schleweis, der lange ihre Interessen als sogenannter Bundesobmann in den DSGV-Gremien vertreten hat. Doch in der Politik muss Schleweis noch viele von seinen Plänen überzeugen. Denn neben den Sparkassen sind auch die Bundesländer Miteigentümer der Landesbanken.

Die Bundespolitik und das Land Niedersachsen stehen dem Fusionsprojekt Finanzkreisen zufolge positiv gegenüber, doch Baden-Württemberg hat bereits offiziell opponiert.

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Und auch auf anderen Ebenen dürfte es noch Widerstand geben. Denn bei einer Mega-Fusion würden zahlreiche Vorstände und Verwaltungsräte ihre Posten verlieren – darunter auch viele Kommunal- und Landespolitiker. Das ist eine große Herausforderung für Schleweis, der anders als viele seiner Vorgänger kein Parteibuch hat und bis zum Amtsantritt auch kaum in der Politik verdrahtet war.

Doch unterschätzen sollte man den Heidelberger, der manchmal etwas bieder daherkommt, auf keinen Fall, sagt jemand, der ihn gut kennt. Denn neben seinem großen Netzwerk im Sparkassen-Lager hat er im Vergleich zu seinem Vorgänger noch einen weiteren Vorteil: Er muss nach sechs Amtsjahren nicht wiedergewählt werden. Deshalb kann er das Projekt und die damit verbundenen unpopulären Entscheidungen vorantreiben.

Auch Schleweis weiß, dass das Risiko groß ist zu scheitern. Doch für ihn ist klar, dass er die Konsolidierung des Sektors trotzdem vorantreiben muss. Die Sparkassenchefs erwarten das von ihm.

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