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Immobilien-BankDie heile Welt der Aareal Bank bekommt Risse

Ökonomisch strotzt die Aareal Bank vor Stärke – und hebt sich von den Großbanken ab. Intern aber drückt die Arbeitsbelastung auf das Gemüt der Mitarbeiter.Yasmin Osman 15.08.2018 - 17:00 Uhr Artikel anhören

Die Wiesbadener Bank führt regelmäßig Mitarbeiterbefragungen durch, um das Betriebsklima zu überprüfen.

Foto: Aareal Bank AG

Frankfurt. Die Aareal Bank pflegt seit Jahren ihren Ruf als familiärer und erfolgreicher Mittelständler der Finanzwelt. Als „gallisches Dorf unter den Banken“ porträtierte „Die Welt“ das Unternehmen vor ein paar Jahren einmal, weil die Wiesbadener stets Gewinne ablieferten, als andere Großbanken rote Zahlen schrieben. Damit hebt sich das Institut von den schwächelnden Frankfurter Großbanken ab, wie das von den Römern belagerte Dorf der Comic-Figuren Asterix und Obelix.

Doch intern knirscht es bei der Aareal Bank gewaltig, zeigen Aussagen von Mitarbeitern und interne Unterlagen. Auslöser für die Unzufriedenheit sind der hohe Arbeitsdruck und die ehrgeizigen Spar- und Umbaupläne von Vorstandschef Hermann Josef Merkens.

Merkens hatte bereits wenige Monate nach seinem Amtsantritt im Herbst 2015 mit „Aareal 2020“ ein ehrgeiziges Strategieprogramm vorgelegt. Es soll Prozesse schneller und schlanker machen und neue Ertragsmöglichkeiten eröffnen. Die Veränderungen betreffen die ganze Bank – zum Ärger vieler Mitarbeiter.

Wie sehr das Betriebsklima des Immobilienfinanziers aus Wiesbaden darunter gelitten hat, zeigen die Resultate eines „Self Assessments“ von Ende letzten Jahres. Diese regelmäßigen Blitzumfragen unter Mitarbeitern sind für Banken ein wichtiger Indikator dafür, ob Ärger in der Belegschaft zu operationellen Risiken führen kann, etwa weil Mitarbeiter überlastet sind oder einem Finanzinstitut aus Frust absichtlich schaden könnten. Je nach Ergebnis verhängt die Bank für einzelne Themengebiete grüne, gelbe oder rote Ampeln.

Die gute Nachricht ist: Die Ampel für die Gesamtbank ist grün geblieben. Doch in drei von sechs Teilbereichen der Selbsteinschätzung sprang die Ampel auf „Gelb“, wie das Handelsblatt erfuhr. Gelbe Ampeln hat es für einzelne Bereiche auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben, in dieser Häufung war das Ergebnis aber ungewöhnlich ungünstig für die Bank. Das größte Problem ist dabei die Arbeitsbelastung, die über weite Teile des Konzerns hinweg als problematisch eingestuft wurde.

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Trostpflaster für die Bank: Die anderen beiden gelben Ampeln wurden aus „qualitativen Gründen“ ausgeflaggt, weil Themen wie die Transparenz zwar nicht breitflächig negativ beurteilt wurden, in einzelnen Abteilungen aber schon. Die Aareal Bank will dazu nichts sagen. „Wir kommentieren grundsätzlich keine internen Unterlagen in der Öffentlichkeit, das halten wir auch in diesem Fall so“, sagte ein Sprecher.

Hohe Arbeitsbelastung

Es dürfte kein Zufall sein, dass der Frust in dem Finanzinstitut gerade in den vergangenen Monaten hochkochte: Die Arbeitsbelastung bei der Aareal Bank gilt seit Jahren als hoch, auch wegen der immer anstrengenderen Anforderungen der Aufseher. Im vergangenen Herbst kam dann noch die Ankündigung hinzu, dass etwa rund 100 Stellen wegfallen sollen.

Der Aareal Bank ist bewusst, wie groß der Druck auf ihre Beschäftigten ist: „Größere Veränderungen, wie wir sie auch bei der Aareal Bank mit unserem Zukunftsprogramm ,Aareal 2020‘ angestoßen haben, gehen typischerweise mit einer temporären Verunsicherung in der Belegschaft einher, zumal sie mit parallel angestoßenen, großen organisatorischen Veränderungen und schmerzhaften Schritten verbunden sind“, sagte ein Sprecher.

Kritiker lasten das Stimmungstief in der Bank aber auch Vorstandschef Merkens an. Der langjährige Finanzchef des Instituts rückte nach dem Rauswurf seines Vorgängers Wolf Schumacher im September 2015 an die Spitze. Schumacher forderte von Mitarbeitern zwar viel, war aber in der Belegschaft beliebt. Die vier Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stimmten damals ebenso geschlossen wie vergeblich gegen seine Demission, wie das Handelsblatt von Insidern erfuhr.

Das heißt nicht, dass die Betriebsräte deswegen gegen Merkens opponierten. Seine Berufung als Schumacher-Nachfolger trugen sie mit. Dennoch eilt Merkens der Ruf voraus, mit Zahlen besser umgehen zu können als mit Menschen.

Zu diesem Bild tragen Episoden wie die auf der Jahrespressekonferenz im Februar bei, als Merkens die Frage eines Journalisten nach der Zahl der Aareal-Bank-Mitarbeiter nicht aus dem Stand beantworten konnte. Er lieferte die Antwort dann etwas später in aller Ausführlichkeit nach.

Für seine Kritiker ist das ein Beleg, dass er Mitarbeiter vor allem als Produktionsfaktor sieht. Menschen, die ihn schätzen, widersprechen. Merkens sei einfach akribisch und wolle lieber ganz präzise antworten als schnell. „Merkens lässt Kritik durchaus an sich heran, und das Thema Mitarbeiter ist ihm wichtig“, sagt eine Führungskraft.

Egal ist die Unzufriedenheit dem Chef der Aareal Bank auf jeden Fall nicht. In einem intern verbreiteten Interview ging er auch auf die unterschwellige Verunsicherung der Mitarbeiter ein: „Jeder, der sich auf den Weg macht, möchte möglichst genau wissen, wohin die Reise geht und wie es am Ziel aussieht“, sagte er in dem im August veröffentlichten Gespräch. „Die vielen Initiativen und Projekte, die im Zuge von ,Aareal 2020‘ in allen Bereichen gestartet sind, kommen diesem Bedürfnis nach Übersichtlichkeit und Orientierung auf den ersten Blick nicht unbedingt entgegen“, räumte er ein.

Künstliche Intelligenz

Die neue Stimme des Bankberaters

Die Bank versucht mit neuen Formaten, die Mitarbeiter mitzunehmen. Etwa, indem die Führungscrew ihre Pläne besser erklärt. Im Frühjahr gab es etwa Präsentationen in den einzelnen Bereichen, in denen Vorstände und Bereichsleiter den Mitarbeitern zur Strategie Rede und Antwort standen. Außerdem hat sich die oberste Führungsmannschaft in diesem Jahr erstmals einem „Multi-Source-Feedback“ unterzogen. Der Vorstand und die Ebene darunter übten untereinander teils deutlich Kritik.

Jobabbau ist beendet

Diesen Weg will die Bank noch ausbauen. Offene interne Kommunikation sei stets Teil des Programms „Aareal 2020“ gewesen – und „wir werden sie in den kommenden Monaten weiter intensivieren“, so ein Sprecher. Die Bank ist sich sicher, dass die Stimmung längst wieder in die andere Richtung dreht, weil der Umbau weitgehend abgeschlossen sei. Die Personalmaßnahmen vom vergangenen Herbst seien komplett umgesetzt, sagte Merkens gerade. Weitere Abbaupläne in dieser Größenordnung seien nicht geplant.

 Die Bank spricht davon, dass sie „in zahlreichen Gesprächen und internen Veranstaltungen“ in den vergangenen Wochen und Monaten „viele positive Signale“ empfangen habe. Einen handfesten Beweis dafür wird es wohl erst geben, wenn sich die Mitarbeiter umfassender und repräsentativ zu Wort melden können.

Bei der Aareal-Tochter Aareon etwa gibt es seit Jahren nicht nur „Multi-Source-Feedback“-Runden, sondern auch Mitarbeiterbefragungen. „Wir prüfen derzeit auch in der Bank die Verfeinerung beziehungsweise Einführung dieser Instrumente“, betont ein Sprecher.

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