Politikerkarrieren: „Wer allein auf sein politisches Netzwerk setzt, droht zu scheitern“
Berlin. Wenn ein Politiker vorgemacht hat, wie das mit der steilen Wirtschaftskarriere funktionieren kann, ist es der künftige Bundeskanzler Friedrich Merz. Nachdem er 2004 vom Amt des stellvertretenden CDU-Vorsitzenden zurückgetreten war, wurde Merz Partner in der Anwaltskanzlei Mayer Brown. In den Jahren darauf sammelte er Erfahrung in diversen Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräten.
2021 kehrte Merz als Millionär zurück in die Spitzenpolitik. Ein ungewöhnlicher Schritt, funktioniert der sogenannte Drehtüreffekt doch eigentlich andersherum: Kanzler, Minister, Partei- oder Fraktionschefs beenden ihre politische Karriere und wenden sich lukrativen Posten als Aufsichtsräte, Lobbyisten oder Redner zu.
So war es zum Beispiel bei Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Bundesverteidigungsminister, der in New York die Beratung Spitzberg Partners gründete. Oder bei Günther Oettinger, ehemaliger EU-Kommissar und baden-württembergischer Ministerpräsident, der heute unter anderem als Berater für das umstrittene asiatische Modeunternehmen Shein arbeitet. Oder bei Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der für seinen Posten als Aufsichtsratschef der Nord Stream AG, einer Tochter des russischen Gaskonzerns Gazprom, öffentlich heftig kritisiert wurde – und beinahe aus der SPD flog.