Wochenend-NewsletterDie eine BWL-Formel, die die Welt erklärt – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem: Mythen in der Migrationsfrage, Deutschlands ungewöhnlichste Krankenkassenmanagerin, der Hype um Retouren-Schnäppchen – und eines der besten Luxushotels der Welt.Sven Prange 21.03.2025 - 11:20 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

man darf sich so eine Führungsrunde bei uns Handelsblatt-Menschen nicht zu unambitioniert vorstellen. Neulich etwa kam der Chef auf die Five-Forces-Methode nach Porter zu sprechen. Ich weiß nicht, wie schnell Sie deren Kerninhalt wiedergeben können. In unserer Runde jedenfalls wurde es recht still. Die Stimmung besserte auch nicht, dass der Chef die Kenntnis dieses Modells irgendwo im ersten Semester des BWL-Studiums verortete.

Nun ist es irgendwie auch beruhigend, wenn das Wissen sich tendenziell oben in der Hierarchie ansammelt. Ganz sitzen lassen wollten wir die Unwissenheit auf uns aber natürlich auch nicht. Und weil ich das jetzt schon mal nachgeschaut habe, teile ich das Wissen gerne mit Ihnen.

Sehr grob zusammengefasst geht Porters Branchenstrukturanalyse davon aus, dass fünf Felder von außen auf ein Unternehmen wirken: Verhandlungsmacht durch Lieferanten, Verhandlungsmacht durch Kunden, Bedrohung durch neue Wettbewerber, Bedrohung durch Ersatz und Wettbewerbsintensität. Diese Felder solle man analysieren und die eigene Strategie so darauf abstimmen, dass das eigene Unternehmen in einem Umfeld und gegen Wettbewerber arbeitet, gegen die es möglichst gewinnt.

Ich finde, es ist eine Art betriebswirtschaftliche Weltformel. Ich habe dadurch sehr schnell viele Dinge verstanden, die mir bis vergangene Woche völlig schleierhaft geblieben waren. Womit wir bei Friedrich Merz wären.

Der vermutlich nächste Bundeskanzler hat das Prinzip verinnerlicht. Er definiert eine neue Bedrohung herbei, die in Wirklichkeit schon seit Jahren besteht (Russland), und wirft deswegen seine Kernstrategie um. Er erkennt die Verhandlungsmacht von (Stimmen-)Lieferanten (Grünen), baut das Wort Klimaneutralität ins Grundgesetz ein, um die Aufgabe dann als nebensächlich abzutun. Und er sammelt mitunter auch solche Menschen um sich (und räumt somit die Gefahr aus, möglicher Ersatz könne plötzlich stärker strahlen als er), dass er selbst wie das alles überragende Zentrum wirkt. Oder was glauben Sie, wie es Julia Klöckner und Jens Spahn aufs Personaltableau geschafft haben?

Ich frage mich, ob ich das welterklärende Potenzial der BWL bisher unterschätzt habe. Oder einfach den künftigen Bundeskanzler. Falls Sie auf diese Fragen weitere Antworten suchen, finden Sie diese vielleicht auch in unseren Leseempfehlungen.

Es grüßt Sie herzlichst
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

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