Raiffeisenbanken: Bayrische Volksbanken müssen Baywa-Kredite abschreiben
Frankfurt. Die Krise beim Agrarkonzern Baywa hat Folgen auch für die bayrischen Volks- und Raiffeisenbanken. Sie stocken die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite 2024 deutlich auf, wie der Genossenschaftsverband Bayern am Montag mitteilte. Konkrete Zahlen zu Wertberichtigungen auf Baywa-Kredite und -Schuldscheine nannte er nicht.
Die Risikovorsorge insgesamt stieg um ein Drittel auf 400 Millionen Euro. In dieser Summe seien auch Abschreibungen auf Baywa enthalten, sagte Verbandsvorstand Alexander Leißl.
Der Großteil entfalle jedoch auf das normale Kundengeschäft. „Alles in allem ist das sehr verkraftbar.“ Wie viele der 180 bayrischen Genossenschaftsbanken Baywa Geld geliehen haben, behält der Verband ebenfalls für sich.
Die bayerischen Genossenschaftsbanken sind über ihre Beteiligungsgesellschaft BRB zudem größte Baywa-Aktionärin. Sie halten gut ein Drittel der Anteile und hatten auch bei der Rettung des Unternehmens mitgezogen. Die BRB erwarb zusammen mit dem genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank eine Beteiligung der Baywa an der BRB-Holding für 120 Millionen Euro.
Hier seien die Effekte aber „absolut vernachlässigbar“, sagte Leißl. Nach Angaben des Verbands ist der Wert in den Büchern der Banken meist relativ gering, sodass nun keine Abschreibungen nötig waren. Zudem ist die größte Beteiligung, die Banken über die BRB halten, ihr Anteil an der DZ Bank.
Die Baywa spielt als Agrarhändler eine wichtige Rolle für viele bayrische Landwirte, die wiederum oftmals Kunden der Volks- und Raiffeisenbank sind. Der Baywa-Konzern mit Hauptsitz in München war während der Niedrigzinsphase rasant ins Ausland expandiert – von Apfelplantagen in Neuseeland bis zu internationalen Wind- und Solarparks.
Der hohe Schuldenberg führte dann im vergangenen Jahr zu einer existenziellen Krise. Inzwischen ist die Sanierung auf den Weg gebracht. Seine Schulden will Deutschlands größter Agrar- und Baustoffhändler vor allem durch den Verkauf großer Auslandsbeteiligungen verringern.
Vorsteuergewinn sinkt auf 1,8 Milliarden Euro
Die DZ Bank spürt die Baywa-Krise ebenfalls deutlich. Das Vorsteuerergebnis ihrer Verbund- und Geschäftsbank brach 2024 um mehr als die Hälfte ein. Dies lag vor allem an einer höheren Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite, die sich mehr als verfünffachte auf 456 Millionen Euro. „Ein Großteil“ davon sei auf den kriselnden Agrarkonzern Baywa zurückzuführen, sagte DZ-Bank-Chef Cornelius Riese kürzlich.
Für das laufende Jahr rechnet der Genossenschaftsverband Bayern mit allenfalls geringen weiteren Abschreibungen auf Baywa-Finanzierungen. „Wir gehen bei der Forderungsbewertung sehr konservativ vor“, sagte Leißl. Viel dürfte nicht mehr auftreten.
Vor Steuern verdienten die bayrischen Volks- und Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Euro nach 2,1 Milliarden Euro 2023. Bundesweit fuhren die insgesamt rund 670 Genossenschaftsbanken einen Vorsteuergewinn von 9,5 Milliarden Euro ein.
Das Jahr 2024 war geprägt von drei spektakulären Stützungsfällen. Die Sicherungseinrichtung des Branchenverbands BVR muss Risiken in Höhe von rund 500 Millionen Euro abschirmen. Als Reaktion darauf wollen die Genossenschaftsbanken die Regeln ihrer Sicherungseinrichtung verschärfen.
In Bayern führen derzeit zwei kriselnde Genossenschaftsbanken Fusionsgespräche mit benachbarten Geldhäusern. Beide Banken, die Raiffeisenbank Obermain Nord und die Raiffeisenbank Thurnauer Land, kommen derzeit aber ohne Hilfe der Sicherungseinrichtung aus. Verbandsvorstand Leißl sagte dazu, dass es in Bayern keinen Sicherungsfall gebe.
Erstpublikation: 17.03.2025, 16:04 Uhr.