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GeldpolitikChina senkt Hypotheken-Referenzzinssatz um 25 Basispunkte

Die chinesische Zentralbank will die Kreditnachfrage und den Immobiliensektor ankurbeln. Es brauche allerdings weitere Stützungsmaßnahmen, sagen Fachleute. Martin Benninghoff 20.02.2024 - 10:11 Uhr aktualisiert
Die chinesische Zentralbank hat den Referenzzinssatz gesenkt. Foto: dpa

Shanghai. Die chinesische Führung sucht weiter nach einem Ausweg aus der anhaltenden Wirtschaftsschwäche. Am Dienstag senkte die Zentralbank den Referenzzinssatz für Hypotheken, um die Kreditnachfrage anzukurbeln und der Immobilienkrise entgegenzuwirken, die die Wirtschaft des Landes seit Jahren bremst und die Konsumlaune dämpft.

Die Zentralbank senkte den fünfjährigen Referenzzinssatz (LPR) um 25 Basispunkte von 4,2 Prozent auf 3,95 Prozent. Den einjährigen LPR beließ sie jedoch bei 3,45 Prozent. Zuletzt hatte China den längerfristigen LPR Mitte 2023 um zehn Punkte gesenkt.

Dieser Schritt ist vor allem für langfristige Kredite wie Hypotheken wichtig und könnte Immobilien erschwinglicher machen. Vielerorts stehen Baustellen still, seit Immobilienunternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. Der Verkauf von Wohnungen ist teilweise eingebrochen oder hat sich zumindest deutlich verlangsamt. 

Experten schätzen den Schritt der Zentralbank zwar positiv ein, halten ihn jedoch für unzureichend. „Obwohl dies hilfreich ist, dürfte dies allein jedoch kaum ausreichen, um dem Immobiliensektor vollständig wieder auf die Beine zu helfen“, sagte Frederic Neumann, Chefökonom der HSBC in Hongkong, am Dienstag dem Handelsblatt. 

Auch andere Experten bleiben skeptisch: „Das ist eine deutliche Zinssenkung, die zeigt, dass es die Politiker ernst meinen“, kommentierte Christopher Wong von der OCBC in Singapur gegenüber Reuters. „Es bleibt jedoch abzuwarten, ob dies ausreicht, um die Dynamik aufrechtzuerhalten.“

Zinssenkung konnte nicht mobilisieren

Die für viele Analysten unerwartet deutliche Zinssenkung konnte die Anleger am Dienstag nicht mobilisieren. Die Börse in Shanghai notierte unverändert. Der Index der wichtigsten Unternehmen in den chinesischen Metropolen Shanghai und Shenzhen verlor 0,2 Prozent.

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Seit dem Ende der Corona-Pandemie versucht China vergeblich, an die starke Konjunktur vor der Pandemie anzuknüpfen. Offiziell erreichte die Volksrepublik im vergangenen Jahr ein Wachstum von 5,2 Prozent und übertraf damit das selbst gesteckte Ziel von rund fünf Prozent. Experten zweifeln jedoch an der Aussagekraft – und verweisen auf mögliche Schönfärberei. 

Größter Risikofaktor bleibt die Immobilienkrise. Rund 15 Jahre lang war der Bausektor der mit Abstand wichtigste Wachstumsmotor der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und trug mit allen Nebeneffekten bis zu einem Viertel zur Wirtschaftsleistung bei. Mit Investitionen in Immobilien und Infrastruktur konnte die Staatsführung lange Zeit ihre Wachstumsziele erreichen.

Chinas Wirtschaft schwächelt weiterhin

Seit Immobilienentwickler wie Country Garden und Evergrande in akute Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, warten Gläubiger auf Zinszahlungen – und viele Immobilienkäufer bangen um die Fertigstellung ihrer Wohnungen und Häuser. Der Vertrauensverlust drückt inzwischen weit über die Immobilienbesitzer hinaus auf die Konsumlaune, zumal Schätzungen zufolge drei Viertel des chinesischen Vermögens in Immobilien investiert sind.

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Ein weiteres Problem sind die finanziellen Folgen für die Regionen, die sich in der Hochphase des Immobilienbooms allein durch den Verkauf von lukrativem Bauland die nötigen Mittel für Investitionen in die Infrastruktur beschaffen konnten. In der Folge steigen die Schulden – und die Handlungsspielräume der Regionalregierungen schrumpfen.

Weder Infrastrukturinvestitionen noch der private Konsum dürften daher 2024 zum Wachstumsmotor werden. Die Staatsführung weigert sich bislang, den Konsum durch kurzfristige Stimuli anzukurbeln. Stattdessen setzen Staatspräsident Xi Jinping und die Regierung um Premier Li Qiang auf neue Wachstumsbranchen wie erneuerbare Energien, Batterietechnik und E-Mobilität.

Doch Experten bezweifeln, dass diese Branchen den Wachstumsmotor Immobilien ersetzen können. Stattdessen pumpt die Regierung hohe Investitionen in die ausgewählten Zukunftsfelder und sorgt damit für große Überkapazitäten. Im Ausland wächst die Sorge, dass eine solche Flut von Technologien und Produkten „made in China“ die heimischen Märkte überschwemmen könnte – sowohl die USA als auch die EU reagieren mit Debatten über Zölle und Handelsbarrieren.

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