Goldhandel: Der riskante Alleingang des Degussa-Chefs
Der Degussa-Chef polarisiert öffentlich so stark wie kein anderer Goldhändler.
Foto: picture alliance / SueddeutscheZürich. Markus Krall ist ein Mann der Zahlen. Vor seinem Antritt als Degussa-Chef Mitte September 2019 hat er über zwei Jahrzehnte Banken im Risikomanagement beraten. Auf seinen zahlreichen Vorträgen präsentiert er nun gern Zahlen, wie die Banken „uns bilanztechnisch an der Nase herumführen“ und „so tun, als wäre die Ertragslage besser, als sie ist“. Umso gespannter blickt die Edelmetallbranche auf die erste Bilanz, die der Goldhändler Degussa unter Kralls Führung vorgelegt hat.
2019 hat das Unternehmen ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 85 Prozent gesteigert, von 1,4 Milliarden auf knapp 2,6 Milliarden Euro, wie aus den kürzlich im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Das ist der höchste Umsatz in der Geschichte des Unternehmens.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Die Margen stehen unter Druck, und bei der Profitabilität hinkt Deutschlands größter bankenunabhängiger Edelmetallhändler Wettbewerbern wie Pro Aurum hinterher. Zudem stieg die Verschuldung deutlich an. Im Sommer 2020 gewährte der Degussa-Eigner August von Finck junior dem Unternehmen zusätzlich eine Eigenkapitalspritze. Krall ließ Fragen des Handelsblatt unbeantwortet.