Burford Capital: „Unser Geschäft basiert auf langfristigen juristischen Prozessen“
Frankfurt. Christopher Bogart bittet zum Interview zwischen Kundenterminen in der Bibliothek des noblen Hotels Frankfurter Hof. Wen er trifft, darf er nicht verraten. Die Kunden wollten nicht, dass über ihre Rechtsstreitigkeiten geredet wird. „Das ist schade, denn es wäre eine tolle Werbung für uns, mit wem wir alles wie zusammenarbeiten“, sagt Bogart.
Internationale Rechtsfinanzierer wie Burford mischen seit zehn Jahren den deutschen Markt auf. Die Amerikaner wurden durch ihre Massenklagen im Dieselskandal und beim Lkw-Kartell bekannt. Doch die Sorge, dass die Finanzierer eine Klageindustrie nach amerikanischem Vorbild aufbauen, hat sich nicht bewahrheitet.
Bogart hält das konservative Rechtssystem in Deutschland dennoch für sehr attraktiv, denn es ist „verlässlich, vorhersehbar und transparent. Das erleichtert Investitionen“, sagt er. Während Burford bisher hauptsächlich Rechtsverfahren finanziert, will das Unternehmen sich ein weiteres Standbein aufbauen durch strategische Beteiligungen an Kanzleien.
Burfords Aktionäre blicken derweil nervös auf den aktuell wichtigsten Fall, eine 16-Milliarden-Dollar-Klage rund um die Enteignung einer Ölfirma in Argentinien. Die Zahlung der Südamerikaner zieht sich, Berufungsverfahren laufen. Doch Bogart gibt sich gelassen: Die Phase der Vollstreckung sei anspruchsvoll, „aber wir sind zuversichtlich“, sagt er.