Gastkommentar: Unternehmen sollten globalen Wandel mitgestalten
Siegfried Russwurm (li.) ist Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang ist Hauptgeschäftsführer des BDI.
Foto: imago images/Jürgen Heinrich, dpaDer Erfolg der deutschen Wirtschaft ist undenkbar ohne die Nutzung von Effizienzvorteilen aus globalen Lieferketten und Auslandsinvestitionen. Jedoch schaffen diese Effizienzvorteile Interdependenzen, wodurch Vorgänge in anderen Teilen der Welt direkten Einfluss auf unternehmerische Verantwortung nehmen.
Diese Verantwortung ist im Grundgesetzartikel 14, Absatz 2, klar definiert: Demnach verpflichtet Eigentum dazu, es zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen.
So richtig und einleuchtend diese Norm auch ist, so herausfordernd wird ihre Einhaltung im Kontext unternehmerischer Aktivitäten in demokratisch defizitären und autokratischen Ländern. Diese Herausforderung definiert sich immer wieder neu.
Während des Kalten Krieges agierte die westdeutsche Wirtschaft im Wesentlichen innerhalb der politischen Grenzen des internationalen Blocks, zu dem die Bundesrepublik gehörte. Es war ein vornehmlich „westlicher“ Block geteilter Werte, innerhalb dessen sich die Verantwortungsfrage nicht akut stellte.
Der wirtschaftliche Austausch mit Autokratien des „Ostblocks“ war geprägt vom Ziel „Wandel durch Handel“. Der Fall des Eisernen Vorhangs war auf den ersten Blick eine Bestätigung des Erfolgs einer solchen Strategie – und beflügelte diese zusätzlich: Nach dem Sieg des freien Marktes schien das „Ende der Geschichte“ eingeläutet, gab es mit der liberalen Demokratie und ihrer freien Marktwirtschaft doch augenscheinlich nur noch ein akzeptiertes System.