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KommentarDie Entkopplung von Vergütung und Performance ist gefährlich

Die Dax-CEOs sind 2023 im internationalen Vergleich noch bescheiden gewesen. Doch in einigen Fällen spiegeln die Spitzengehälter nicht mehr die wirtschaftlichen Lage wider. Tanja Kewes 22.05.2024 - 15:51 Uhr
Topverdiener im Dax: Ola Källenius, Belen Garijo, Theodor Weimer Foto: Mercedes Benz AG, Dpa, Imago

Ola Källenius, Theodor Weimer und Belen Garijo sind die Glücklichen. Sie verdienten 2023 mehr als zehn Millionen Euro, Källenius sogar 12,7 Millionen Euro. Das zeigt eine Analyse des Handelsblatt Research Institute. Die Chefs von Mercedes, Deutscher Börse und Merck sind damit die Spitzenverdiener unter den Dax-40-CEOs. 

Doch sind sie wirklich die Glücklichen? Schließlich könnte sich an ihren Spitzengehältern die Debatte entzünden, ob wir angesichts dieser zweistelligen Millionengehälter nicht auch bald amerikanische Verhältnisse haben. 

Der Schwede Ola Källenius ist sich seiner (vielleicht zu) hohen Vergütung bewusst. Er verkündete prompt, dass er einen Teil seines Gehalts spenden will. Und auch ohne Källenius’ großzügige Geste sind wir weit – und zwar zig Millionen Euro – von amerikanischen Verhältnissen entfernt.

Die CEOs der 100 größten börsennotierten Konzerne in den USA verdienten 2023 rund 23,7 Millionen Euro. Topverdiener war dort der Chef des Chipherstellers Broadcom. Hock E. Tan erhielt knapp 162 Millionen Dollar. 

Einen Vorwurf müssen sich einige der Dax-CEOs aber gefallen lassen. Ihre Vergütungen entkoppeln sich zunehmend von der wirtschaftlichen Lage und der strategischen Positionierung ihrer Konzerne. Und angesichts dessen sind einige CEO-Gehälter unangemessen (hoch). Drei Beispiele illustrieren das. 

Wie sich die Vergütungen von der Realität entkoppeln

Erstens: Mercedes-Chef Ola Källenius. Er erhält ein Topgehalt, und das, obwohl er – so monieren Kritiker – den Anteilseignern von Mercedes eine Antwort auf die strategische Frage, wie Mercedes die Wende zur Elektromobilität schaffen will, bisher schuldig geblieben ist.

2023 stieg der Umsatz von Mercedes auch nur noch einstellig, und die Nettoumsatzrendite und die Ebit-Marge lagen unter Vorjahr. Der Aktienkurs legte auch nicht um die 80 Prozent zu wie das Gehalt des CEO, sondern war zu Ende des Jahres so hoch wie zu Beginn.  

Mercedes-Benz-Vorstandschef Ola Källenius. Foto: dpa

Zweitens: Covestro-Chef Markus Steilemann. Er verdiente 72 Prozent mehr als 2002. Das lag aber weniger an einem gestiegenen Gewinn oder einer anders gearteten guten Performance seinerseits. 

Sein Gehaltsplus ist auf den um rund 20 Prozent gestiegenen Aktienkurs von Covestro zurückzuführen. Dieser wiederum rührte aus den Übernahmegerüchten durch den arabischen Ölkonzern Adnoc. 

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Drittens: Daimler-Truck CEO Martin Daum. Er konnte sein Gehalt im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. Das lag aber nur bedingt an den Rekordzahlen der Nutzfahrzeugsparte des Stuttgarter Autobauers. Der 64-Jährige profitierte vor allem von langfristigen Boni – auch noch aus seiner Zeit als Daimler-Vorstand.

Diese Entkopplung von Vergütung und Performance ist gefährlich. Leistung muss sich lohnen, klar. Hohe Gehälter müssen aber auch gerechtfertigt sein.

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