Kommentar: Endlich besinnt sich Trump auf sein Wahlversprechen – Frieden durch Stärke

Was hat sich Nato-Generalsekretär Mark Rutte in den vergangenen Wochen nicht alles anhören müssen. Er habe sich zum Gespött gemacht, hieß es nach dem Gipfeltreffen der Allianz in Den Haag, US-Präsident Donald Trump habe nur Verachtung für seine unterwürfige Anbiederung übrig. Doch spätestens jetzt darf sich Rutte bestätigt fühlen – auf ganzer Linie.
Er hat seinen Ruf als Trump-Flüsterer bestätigt. Dass er dabei bis an die Grenze zur Selbsterniedrigung ging, etwa, als er Trump in Den Haag mit einem strengen „Daddy“ verglich, verringert seinen diplomatischen Erfolg nicht. Im Gegenteil. Für Eitelkeiten ist gerade keine Zeit, die Sicherheit Europas steht auf dem Spiel.
Nach Ruttes kurzfristig angesetztem Washington-Besuch an diesem Montag lässt sich sagen, dass es um die europäische Sicherheit ein wenig besser bestellt ist. Trump droht nicht mehr mit dem Austritt aus der Nato, er betont den Wert der Allianz, lobt die Willensstärke der Europäer. Vor allem aber: Er bricht mit seiner bisherigen Politik des Appeasements gegenüber Russland, erhöht den Druck auf den Kriegsherren im Kreml, Wladimir Putin.
Viele Gespräche haben dazu beigetragen, auch die Kontakte, die sich Bundeskanzler Friedrich Merz und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu Trump aufgebaut haben. Doch es war kein Zufall, dass Trump seinen Strategiewechsel an der Seite von Rutte verkündete und den Nato-Chef mit einem Lob adelte, das Trump sonst nun für sich selbst übrig hat: „Dieser Mann ist ein Star.“
Die USA liefern der Ukraine Waffen, bezahlt von den Europäern. Gleichzeitig drohen sie mit Sanktionen gegen Russlands Handelspartner, sollte es in den kommenden 50 Tagen keine Fortschritte bei den Verhandlungen über einen Waffenstillstand geben. Endlich besinnt sich Trump auf das, was er im Wahlkampf versprochen hat: Peace through strength – Frieden durch Stärke.
Es gibt im Ukrainekrieg keinen vielversprechenderen Ansatz als diese Doppelstrategie aus militärischem und ökonomischem Druck. Nun kommt es darauf an, dass der sprunghafte US-Präsident bei seiner neuen Haltung bleibt und nicht nach dem nächsten Telefonat mit Putin wieder umschwenkt.
Denn Putin glaubt, dass er länger durchhält als die Unterstützer der Ukraine. Erst wenn der Kremlherrscher erkennt, dass er sich verkalkuliert hat, erst wenn die Kosten der russischen Aggression zu groß werden, wird er nachlassen – und ein Waffenstillstand möglich sein.