Kommentar: Olympus will aus dem Kamerageschäft aussteigen – und könnte damit zum Vorbild werden
Der Kamerahersteller sucht einen Käufer für seine Traditionssparte.
Foto: dpaUnter Kamera-Experten ist es vielleicht keine große Überraschung, aber immer noch ein Schock: Der japanische Technikkonzern Olympus will aus seinem traditionsreichen Kamerageschäft aussteigen, um sich auf Medizintechnik zu konzentrieren. Am Mittwoch kündigte das Unternehmen an, auch schon einen potenziellen Käufer für seine über 80 Jahre alte Sparte gefunden zu haben, den japanischen Investmentfonds Japan Industrial Partners.
Seit seiner Gründung im Jahr 2020 hat sich der Fonds auf die Sanierung von Ausgründungen der Japan AG konzentriert. Olympus verspricht daher, mit dem Schritt das Überleben seiner Kamerasparte sichern zu können, die trotz Einsparungen seit drei Jahren Verluste schreibt. Dennoch ist der Schritt der Vorbote für eine große Konsolidierungswelle in der globalen Kameraindustrie, in der bis auf Deutschlands Leica eigentlich nur Japaner überlebt haben.
Seit Jahrzehnten dominieren die Japaner das Geschäft mit den Bildfängern. Der Boom von Digitalkameras trieb ihre Umsätze in die Höhe und lockte sogar Elektronikkonzerne wie Sony, Panasonic und Südkoreas Samsung an. Doch der Siegeszug der Smartphones lässt den Markt seit Jahren erst für das einfache Knipsen und nun für Systemkameras mit Wechselobjektiven schrumpfen – mit harschen Folgen.
Nicht einmal die einstige Nummer 2 Nikon erzielte 2019 noch Gewinne, von den kleineren Marken ganz zu schweigen. Die Coronakrise beschleunigt nun Leid und Auslese, da der Kameraumsatz noch einmal dramatisch eingebrochen ist.
Der Verkauf der Kamerasparte an den Fonds ist daher der letzte Versuch von Olympus, sein einstiges Juwel noch zu retten. Sicher ist dies keineswegs. Bis September hat der Fonds nun Zeit, sich den Kauf zu überlegen. Doch die Konsequenz des Olympus-Managements könnte andere defizitäre Hersteller ermutigen nun ihrerseits das Siechtum ihrer Kamerasparten zu beenden.