Fotografie: Das schöne zweite Leben der Kompaktkameras
Düsseldorf. Sie ruhen in Schubladen, füllen die Spalten der Kleinanzeigenmärkte: Kompaktkameras. Das verwundert nicht, denn wer knipsen möchte, dem bietet das meist mitgeführte Smartphone ausreichend Qualität und Möglichkeiten. Wer im Zoo oder am Ententeich Tiere optisch schießen möchte, greift gleich zu einer Spiegelreflexkamera mit Objektiven, die wirken, als wollten sie mit dem Weltraumteleskop Hubble mithalten.
Zunächst setzte die digitale Fotografie dem Format 24x36 auf Film zu, danach die Smartphones den Digitalkameras. Wie jede gute Disruption technischer Geräte für jedermann, erlebt auch die Kompaktkamera einen schön anzuschauenden zweiten Frühling.
Die Protagonisten der Wiederauferstehung spielen virtuos auf der Klaviatur des Marketings. Der japanische Hersteller Sigma, lange Jahrzehnte bekannt als Anbieter für preiswerte Objektive als Alternative zu denen der Kamerahersteller, zeigt das mit seinem jüngsten Modell, der BF1.
Mehr monolithischer Quader denn Gehäuse, mehr Reduktion statt Knöpfchenorgie, so appelliert die Inszenierung schon an das ästhetische Empfinden von Menschen, die bereit wären, allein für das Gehäuse eine beachtliche vierstellige Summe zu investieren.
Natürlich ist Sigma, das nun seine Herkunft „Made in Aizu“ in den Mittelpunkt stellt, daran interessiert, dass die Menschen dazu eine gehörige Anzahl an Objektiven erwerben. Mit dem umfangreichen Linsenprogramm führen Hersteller wie Sigma, aber auch Leica, die Idee einer Kompaktkamera fast ad absurdum. Es bleibt Schlepperei, wenn alles dabei sein soll.
Diesen Widerspruch hebt die jüngste Generation an Kompaktkameras mit hohem Aufwand in der Fertigung der Gehäuse auf, denn sie appelliert an andere Instinkte als Komfort oder Praktikabilität. Der umgangssprachliche Haben-Wollen-Effekt ist entscheidend, ganz ungeachtet, ob man das Gerät überhaupt möchte, geschweige denn benötigt. Die Produzenten von Schallplattenspielern beherrschen das seit Langem.
Dabei wissen Hersteller, die nun auf den Zug der Renaissance der Fotografie mit Wechselobjektiven setzen, die Physik auf ihrer Seite. Mag bei Abspielgeräten für Musik die datenreduzierte Variante den Unterschied zur hohen Auflösung analoger Quellen wie der Schallplatte beinahe egalisieren, bleibt die Optik sich treu.
Allen Bemühungen der digitalen Technik und Algorithmen zum Trotz ist mehr Lichteinfall auf einer größeren Fläche und der richtige Abstand der Linsen zueinander nicht zu kompensieren mit kaltherziger Rechnerei. Für das letzte Quäntchen Qualität ist wichtig, was durch die Objektive gebannt wird.
Sigma, Leica oder Hasselblad bedienen somit sowohl die Anforderungen der Gesetze der Physik als auch mit der Gestaltung die Freude am Schönen.
Wie Skulpturen werden die Werkzeuge ins rechte Licht gerückt, um die Begehrlichkeit zu wecken, verschiedene Bedürfnisse („Art, Sports“) geweckt und die Anwendung zelebriert, so wie dieses Wochenende in Berlin-Charlottenburg mit der Vernissage zur Art Experience, zu der der CEO Kazuto Yamaki anreist.