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Kommentar Siemens und seine Ableger wandern auf einem heiklen Grat

Siemens muss nicht nur bei den digitalen Industrien aktiv werden, sondern auch durch Akquisitionen wachsen. Fehlkäufe kann sich der Konzern aber nicht erlauben.
02.08.2020 - 18:48 Uhr Kommentieren
Gemischte Bilanzen können sich die Siemens-Ableger in Zukunft nicht mehr leisten. Quelle: dpa
Siemens

Gemischte Bilanzen können sich die Siemens-Ableger in Zukunft nicht mehr leisten.

(Foto: dpa)

Die Strategie von Siemens-Chef Joe Kaeser folgt einer grundsätzlich plausiblen Logik. In Zeiten der Digitalisierung sind Mischkonzerne zu träge, um auf disruptive Veränderungen zu reagieren. Fokussierte Spezialisten sind agiler – und werden von den Finanzmärkten entsprechend höher bewertet. Die Aufspaltung des Traditionskonzerns war da eine logische Folge.

Doch besteht die Gefahr einer Marginalisierung: Mit der Abspaltung der Energietechnik, die im Herbst als Siemens Energy an die Börse soll, trennt sich Siemens immerhin von gut einem Drittel seiner Umsätze. Die verbleibende Siemens AG mit den Digitalgeschäften wird also deutlich kleiner sein.

Das darf nicht so bleiben. Es wäre ein Verlust für den Standort Deutschland, wenn aus einem Siemens-Konzern von Weltrang eine Handvoll Ableger mittlerer Größe würden. Die verselbstständigten Siemens-Einheiten müssen bei der Konsolidierung in ihren Branchen eine aktive Rolle spielen und mutige, gezielte Akquisitionen wagen.

Der Kauf des Krebstherapie-Spezialisten Varian durch die Siemens Healthineers könnte da ein guter Anfang sein. Die Gesundheitsbranche konsolidiert sich gerade. Den Anbietern stehen als Kunden zum Beispiel immer größere Klinikketten gegenüber, die eine große Einkaufsmacht bündeln und umfassende Lösungen erwarten. Die Stärken von Siemens in der Diagnostik mit der Therapie von Varian zu bündeln ist da sinnvoll.

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    Ähnliche Schritte müssen auch bei der verbleibenden Siemens AG folgen. Neue Spieler wie Microsoft und Amazon mit ihrer IT-Kompetenz und Finanzkraft fordern Siemens auch bei der Digitalisierung der Industrie heraus.

    Es wird trotz einer starken Ausgangsposition schwer werden, ihnen Paroli zu bieten. Größe mag kein Wert an sich sein, sie könnte am Ende aber doch eine Rolle spielen. Es ist allerdings eine heikle Gratwanderung für Siemens und seine Ableger. Denn Übernahmen bergen große Risiken. Bei Siemens weiß man das nur allzu gut. Die Akquisitionsbilanz des Dax-Konzerns ist nur gemischt.

    Mal setzte Siemens auf die falsche Technologie wie beim Kauf des Solarthermie-Spezialisten Solel. Mal zahlte der Konzern einen zu hohen Preis, weil das Timing unglücklich war wie bei der Übernahme des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand.

    Und mal gelang die Integration lange Zeit nur schlecht, die zusammengekaufte Diagnostiksparte ist da ein Beispiel. Natürlich gibt es auch positive Beispiele, vom Windenergie-Spezialisten Bonus bis zum Software-Anbieter UGS. Doch gemischte Bilanzen können sich die Siemens-Ableger in Zukunft nicht mehr leisten. Kaeser predigt es immer wieder: Mittelmaß hat keine Zukunft.

    Mehr: Lesen Sie hier, wie Siemens Healthineers mit einer Milliardenübernahme auf den Dax zusteuert.

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