Arbeitsmarkt: Tarifrunde im Einzelhandel endet nach mehr als einem Jahr
Berlin. Die Tarifrunde für die mehr als drei Millionen Beschäftigten des Einzelhandels ist nach mehr als einem Jahr abgeschlossen worden. In der Nacht zum Donnerstag gelang auch im letzten Tarifgebiet Berlin-Brandenburg eine Einigung, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte.
Es sei „eine der längsten und härtesten Tarifrunden im Einzelhandel zu Ende gegangen, und unsere Kolleginnen und Kollegen stehen bundesweit wieder unter dem Schutz rechtsverbindlicher Tarifverträge“, sagte das für die Branche zuständige Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer.
Im Einzelhandel werden die Tarifverhandlungen auf regionaler Ebene geführt, die ersten Gespräche hatten im April vergangenen Jahres begonnen. Verdi forderte eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,50 Euro pro Stunde, in Baden-Württemberg abweichend ein Plus von 15 Prozent, bei einer Laufzeit von einem Jahr. Außerdem sollte keine Verkäuferin und kein Verkäufer weniger als 13,50 Euro pro Stunde verdienen.
Lange Verhandlungen enden im Einzelhandel
Die Verhandlungen verliefen ausgesprochen zäh und wurden immer wieder von Arbeitskämpfen begleitet. Nachdem im vergangenen September immer noch keine Einigung erzielt war, empfahl der Handelsverband Deutschland (HDE) seinen tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen im März, die Entgelte freiwillig um maximal 5,3 Prozent zu erhöhen und das Plus dann bei einem späteren Abschluss zu verrechnen. Einige größere Handelsketten folgten dieser Empfehlung.
Erst im Mai dieses Jahres gelang dann der erste Abschluss in Hamburg, dem nach und nach weitere Tarifgebiete folgten – wie zuletzt eben Berlin-Brandenburg. Der Tarifvertrag sieht eine Lohnerhöhung von 5,3 Prozent rückwirkend ab Oktober 2023 und noch einmal 4,7 Prozent ab Juli dieses Jahres vor. Ab September 2025 erhöhen sich die Gehälter noch einmal um monatlich 40 Euro, zuzüglich 1,8 Prozent.
Dazu kommt noch eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 1000 Euro in diesem Jahr sowie eine Erhöhung der tariflichen Altersvorsorge.
Nach Verdi-Angaben beträgt die Erhöhung über die gesamte Laufzeit und inklusive der tariflichen Altersvorsorge rund 14 Prozent. In allen Tarifgebieten hätten vollzeitbeschäftigte Verkäuferinnen und Verkäufer monatlich rund 400 Euro mehr in der Tasche. Darin ist allerdings auch die Erhöhung der tariflichen Altersvorsorge erhalten.
Statt 300 Euro zahlen die Arbeitgeber künftig 420 Euro im Jahr in die Betriebsrente ein. „Das ist ein wichtiger Beitrag, um besonders die vielen Frauen im Einzelhandel vor Altersarmut zu schützen“, sagte Zimmer.
Immer noch nicht beendet ist die parallel laufende Runde im Groß- und Außenhandel, in dem etwa ein Drittel der fünf Millionen Beschäftigten im Handel arbeitet. Hier wurde Mitte Juni in Bayern ein erster Abschluss erzielt. Dieser sieht bei einer Laufzeit von 36 Monaten bis zum 30. April 2026 unter anderem eine Erhöhung der Vergütungen um 5,1 Prozent rückwirkend ab Oktober 2023, fünf Prozent ab Mai dieses Jahres und weitere zwei Prozent ab Mai nächsten Jahres vor.
In Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Niedersachsen und Bremen wurde der Großhandelsabschluss übernommen, die anderen Tarifgebiete verhandeln noch.