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DigitalisierungVier Grafiken zeigen, wie schlecht Ostdeutschland digitalisiert ist

Im Digitalisierungs-Index des Branchenverbands Bitkom stehen Thüringen und Sachsen-Anhalt auf den letzten Plätzen. Aber in einer wichtigen Kategorie liegt Ostdeutschland ganz vorn.Ben Mendelson 16.04.2024 - 12:11 Uhr Artikel anhören
Podcast „Hearconomy“: Schule, Behörde, Amt – die Digitalisierung des öffentlichen Lebens Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Deutschland liegt beim Ausbau der Digitalisierung in etwa auf EU-Schnitt – digitales Mittelmaß also. Woran es in der Bundesrepublik im Vergleich zu führenden Nachbarn wie Dänemark und den Niederlanden hapert,  hat der Digitalverband Bitkom jetzt erstmals für die einzelnen Bundesländer erhoben.

Dabei zeigt sich: Vor allem im Osten Deutschlands gibt es Probleme mit der Digitalisierung. „Kein Bundesland macht alles gut oder alles schlecht“, sagte Ralf Wintergerst, Präsident des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag. Dass einige Bundesländer in einigen Kategorien abgehängt sind, liege nicht zuletzt an strukturschwachen Regionen. Insgesamt, sagt der Bitkom-Präsident, „können wir mit der Digitalisierung in Deutschland nicht zufrieden sein“.

Für den Länderindex hat der Branchenverband 26 Indikatoren in vier Kategorien gemessen. Für die Auswertung wurden alle 16 Landesregierungen sowie 5600 Menschen befragt. Zudem habe der Verband „eine Vielzahl an amtlichen Statistiken und Drittstudien“ auswertet.

Gemessen wird unter anderem, wie viele Digitalunternehmen angesiedelt sind, wie viele IT-Fachkräfte und Informatik-Studierende es gibt, wie viele Verwaltungsdienstleistungen digital verfügbar sind und wie hoch die Digitalkompetenz der Bevölkerung ist.

Und es zeigt sich: Zumindest in einer Kategorie liegt der Osten vorn.

Berlin und Hamburg mit den besten Werten

Die klickbare Deutschlandkarte gibt eine Gesamtübersicht der Ergebnisse:

Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen sind am besten bewertet worden. Hier ist die Digitalisierung insgesamt weiter umgesetzt als in anderen Bundesländern wie Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz.

Verwaltungs-Digitalisierung generell schlecht

Bei der Digitalisierung der Verwaltung sieht Bitkom insgesamt großen Nachholbedarf. Zwar steht Hamburg auch hier auf dem ersten Platz, allerdings mit 64 von 100 Indexpunkten. Am Ende der Liste stehen das Saarland (33,2 Punkte) und Bremen (34).

Messbar ist die schlechte Digitalisierung laut Bitkom auch an der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG). Dieses verpflichtet Bund, Länder und Gemeinden, Verwaltungsleistungen digital anzubieten – schon seit Ende 2022. Doch noch immer haben die Bundesländer weniger als die Hälfte der nötigen Punkte umgesetzt, heißt es von Bitkom.

Demnach ist Hamburg am weitesten bei der Umsetzung des OZG (45 Prozent der Punkte), am wenigsten haben das Saarland und Sachsen-Anhalt das OZG umgesetzt (29 Prozent). Das sei dauerhaft aufgrund der Kosten nicht tragbar, weil für jeden nicht digitalen Verwaltungsakt weiterhin händisch Akten angelegt werden müssten.

Wenig Digitalwirtschaft im Osten

Das Gesamtbild des abgehängten Ostens zeigt sich auch mit Blick auf die Kategorie „Digitale Wirtschaft“, bei der etwa die Zahl der Informatik-Auszubildenden und die Zahl der Firmen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik ausgewertet wurden.

Berlin, laut Wintergerst „die Start-up-Hauptstadt“, liegt hier knapp vor Hamburg an der Spitze, auf den letzten Plätzen liegen in absteigender Reihenfolge die ostdeutschen Bundesländer Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Gerade Mecklenburg-Vorpommern sei in diesem Bereich „sehr infrastrukturschwach“, sagte Bitkom-Präsident Wintergerst. Hier gebe es auch kaum Start-ups: So wurden im vergangenen Jahr nur 19 gegründet. 

Auch bei der digitalen Infrastruktur (Ausbau von 5G, Glasfaser und Gigabit) stehen Hamburg, Schleswig-Holstein und Berlin im Ranking oben und die fünf ostdeutschen Länder sowie das Saarland unten.

Thüringen weise den schlechtesten Glasfaserausbau auf. Bitkom-Präsident Wintergerst mahnt aber insgesamt: „Bei der Glasfaserversorgung hängen wir deutlich nach“, Deutschland sei im europäischen Vergleich nicht weit genug.

Ostdeutsche Digitalkompetenz

In der Kategorie „Digitale Gesellschaft“ belegt Mecklenburg-Vorpommern den ersten Platz. Hier sei die Digitalkompetenz der Bevölkerung am ausgeprägtesten. Mecklenburg-Vorpommern „steht sehr gut da“, so Wintergerst. Das liege auch daran, dass ab der 5. Klasse an allen Schulformen das Schulfach „Informatik und Medien“ verpflichtend sei.

Damit könne Mecklenburg-Vorpommern helfen, den Fachkräftemangel der Zukunft zu lindern. Schlusslicht bei der Digitalkompetenz ist laut dem Bitkom Länderindex 2024 der Stadtstaat Bremen.

Bitkom-Präsident Wintergerst appellierte abschließend an die abgehängten Bundesländer, ihre Digitalisierung stärker voranzubringen. Die gut entwickelten Bundesländer würden sich weiter anstrengen, daher sei es umso wichtiger, die strukturschwachen Regionen zu stärken. In zwei Jahren will Bitkom den nächsten Länderindex vorlegen, „und dann hoffentlich Fortschritte sehen“, so Wintergerst.

Das sagt die Politik

Der digitalpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Reinhard Brandl, sagt: „Der Bitkom Länderindex zeigt einmal mehr, wie wichtig ein starkes Start-up-Ökosystem und Investitionen in die Ausbildung von IT-Fachkräften für eine erfolgreiche Digitalisierung sind.“

Sein Kollege Maximilian Funke-Kaiser von der FDP-Fraktion benennt auf Anfrage die digitale Infrastruktur und die digitale Wirtschaft als „die größten Herausforderungen des Digitalisierungsprozesses in Ostdeutschland“. Der Osten sei aber „bereits mitten im Verbesserungsprozess“.

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Maik Außendorf, digitalpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, ergänzt, dass die geringe Bevölkerungsdichte „in vielen Regionen Ostdeutschlands eine Herausforderung für den Ausbau von Gigabit-Netzen darstellt“.

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