HDE-Konsumbarometer: Der private Konsum fällt als Wachstumstreiber aus
Düsseldorf. Der im Frühjahr aufkeimende Konjunkturoptimismus ist endgültig verschwunden. Das signalisiert das HDE-Konsumbarometer, das für September auf den tiefsten Stand seit April rutschte. Mit nunmehr 96,93 Zählern notiert der Index fast einen Punkt niedriger als im Vormonat.
Sowohl die Erwartungen an die gesamtwirtschaftliche Entwicklung als auch an die der eigenen Einkommen rutschten ab. Infolgedessen sank auch die Anschaffungsneigung der Verbraucher spürbar. Die Sorgen vor Inflation und steigenden Zinsen nahmen hingegen ab. Das Barometer wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute (HRI) für den Handelsverband HDE berechnet; es basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten.
Das Konsumbarometer folgt somit der Entwicklung anderer Frühindikatoren für die deutsche Volkswirtschaft: Ifo-Geschäftsklima, S&P-Einkaufsmanagerindex und ZEW-Konjunkturerwartungen weisen ebenfalls deutlich nach unten.
Die Erwartungen der Bundesregierung, der private Konsum werde im laufenden Jahr zum Wachstumstreiber, scheinen sich nicht zu erfüllen. Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute, die gerade ihre neuen Konjunkturprognosen erstellen, dürften in den nächsten Wochen ihre Erwartungen für das Gesamtjahr 2024 nach unten korrigieren.
Der private Konsum steuert rund die Hälfte zur Wirtschaftsleistung bei, entsprechend groß ist der Einfluss auf das Wachstum. Infolge von Pandemie und Inflationsschüben sank der reale private Konsum zeitweise kräftig; im zweiten Quartal 2024 lag er preis-, kalender- und saisonbereinigt noch immer knapp unter dem Vorkrisenniveau des Schlussquartals 2019.
Während das Preisniveau seit Pandemieausbruch um rund 20 Prozent stieg, hielten die Löhne in den meisten Branchen nicht mit. Überdies gewährten viele Unternehmen ihren Beschäftigten lediglich Einmalzahlungen, die sogenannten „Inflationsprämien“, die noch bis Ende dieses Jahres steuer- und abgabenfrei bleiben. Gleichwohl ist den Verbrauchern offenbar klar, dass diese Einmalzahlungen ihr Einkommen nicht dauerhaft erhöhen.
Getrieben von diesen Einmalzahlungen zogen die Reallöhne zwar in den vergangenen fünf Quartalen im Vorjahresvergleich an. Gleichwohl lagen sie im zweiten Quartal 2024 noch immer unter dem Niveau vom Frühjahr 2017 – die amtliche Statistik bestätigt also das Gefühl vieler Bürger, in den vergangenen Jahren ärmer geworden zu sein.
Hinzu kommt, dass die nunmehr schon seit 18 Quartalen andauernde gesamtwirtschaftliche Stagnation immer stärker auf den Arbeitsmarkt ausstrahlt. Stellenstreichungen in vierstelliger Höhe sind bei zahlreichen Großunternehmen bereits angekündigt oder in der Diskussion. Allein beim Stahlhersteller Thyssen-Krupp Steel stehen rund 10.000 Jobs auf der Kippe. Überdies steigt die Zahl der Insolvenzen.
„Der Arbeitsmarkt bekommt weiter die Folgen der wirtschaftlichen Stagnation zu spüren, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung haben in der Sommerpause weiter zugenommen“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, bei der Vorstellung der Arbeitsmarktdaten für August.
Aufgrund der anhaltenden Sommerpause stieg die Arbeitslosigkeit im August um 63.000 auf 2.872.000; saisonbereinigt kletterte die Erwerbslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 2000 Personen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat registrierte die BA 176.000 zusätzliche Arbeitslose.
Überdies wurde vom 1. bis einschließlich 26. August für 40.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Besserung ist nicht Sicht. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sinkt seit nunmehr drei Monaten in Folge. „Der Auftragsmangel bremst die Unternehmen bei Neueinstellungen“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.
Leidtragender der schwachen Binnenkonjunktur ist nicht zuletzt der Einzelhandel. Zwar stieg das Geschäftsklima dort zuletzt leicht an. Doch notiert der Index mit minus 23,1 Punkten weiter tief im negativen Bereich; die Anzahl der Pessimisten übersteigt also die der Optimisten deutlich.
Fahrräder, Kleidung und Möbel verkaufen sich schlecht
Einzelhändler mit Elektrotechnik und elektronischen Haushaltsgeräten, Bekleidungshändler und Autohäuser berichteten zwar laut der Ifo-Umfrage von einer Verbesserung ihrer Geschäftslage. Einzelhändler mit Unterhaltungselektronik und Baumärkte nahmen jedoch eine ungünstigere Entwicklung wahr. Bei Verkäufern von Fahrrädern, Bekleidung, Möbeln und Einrichtungsgegenständen sowie Baumärkten sei die Geschäftslage besonders schlecht.
Umfassende amtliche Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung im Handel fehlen bislang, nachdem die Veröffentlichung Ende Juni wegen IT-Problemen bei einer umfangreichen Umstellung der Statistiken zur Erfüllung neuer Datenanforderungen der EU ausgesetzt worden war. Am Freitag kündigte das Statistische Bundesamt an, nun die Veröffentlichung der Konjunkturstatistiken im Handel und Dienstleistungsbereich sukzessive wieder aufzunehmen.