Syrien: Ex-BND-Agent sieht Assad-Sturz als „schweren Schlag“ für Iran
Berlin. Nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad beginnt in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land ein neues und ungewisses Kapitel. Der frühere Nahostexperte des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Conrad, hält selbst einen „völligen Zerfall des syrischen Staates“ für möglich.
Gleichwohl glaubt er, dass mit dem Anführer der führenden islamistischen Rebellengruppe Haiat Tahrir al-Sham (HTS), Abu Mohammed al-Dscholani, ein politischer Neuanfang gelingen kann. „Er hat nach jetzigem Stand die militärische Macht in der Hand“, sagt Conrad im Interview mit dem Handelsblatt. Seine ersten Weisungen nach der Eroberung von Damaskus seien zudem „Ausdruck des Bemühens, sich als milder Sieger zu präsentieren“.
Syrien ist ein Vielvölkerstaat, die politischen Dynamiken sind hochkomplex. Die größte ethnische Gruppe sind Araber, die meisten von ihnen sind sunnitischen Glaubens. Die syrischen Sunniten wurden lange von der alawitischen Minderheit beherrscht, die zum schiitischen Spektrum des Islams zählt und zu der auch der Assad-Clan gehört. Die Alawiten verdankten ihre Macht der Unterstützung des Irans, der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah und einer Allianz mit Russland.