Atomenergie: Iran findet Uran
Paris. Neue Daten der internationalen Atomaufsichtsbehörde deuten darauf hin, dass der Iran über wesentlich größere Reserven des Metalls verfügt als bisher angenommen. Alle zwei Jahre gibt die Behörde das so genannte „Red Book“ heraus – ein Überblick über die Uranindustrie. Die neuen Daten befeuern Spekulationen über einen Ausbau des iranischen Atomprogramms.
Die Islamische Republik hat demnach seit 2022 in mehr als einem halben Dutzend neuer Uranminen gegraben. Bislang galten die Ressourcen als unwirtschaftlich und liegen weit unter dem, was für den Betrieb eines Kernreaktors benötigt wird.
Die Regierung in Teheran „weist darauf hin, dass die iranischen Uranreserven viel größer sind als bisher angenommen“, schreiben die Autoren des Berichts, die bei der Atomenergiebehörde in Paris und der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien arbeiten. Dem Bericht zufolge könnte das Land die Uranproduktion in diesem Jahr auf 71 Tonnen fast vervierfachen.
Im Gegensatz zu anderen Teilen des Kernbrennstoffkreislaufs werden die vorgelagerten Bergbauaktivitäten nicht häufig überprüft. Die Inspektoren der IAEO überwachen angereichertes Uran weltweit auf Gramm-Ebene, weil das Material auch für Waffen verwendet werden kann. Doch Uranerz kann mit weniger Vorschriften abgebaut und gehandelt werden.
Obwohl der Iran stets behauptet hat, sein Atomprogramm sei friedlich, hatte das Land im Jahr 2015 zugesagt, dem Vorhaben enge Grenzen zu setzen. Im Gegenzug waren Sanktionen aufgehoben worden. US-Präsident Donald Trump war im Mai 2018 aus diesem Abkommen ausgestiegen, das auch IAEO-Sicherungsmaßnahmen für die iranischen Bergbauaktivitäten vorsah, und verhängte erneut strenge Sanktionen gegen die iranische Wirtschaft.
Uran könnte für den Bau von Atombomben genutzt werden
Seit seiner Rückkehr ins Amt hat Trump erklärt, er wolle ein neues Atomabkommen mit dem Iran und droht mit militärischen Maßnahmen, falls Teheran nicht bald an direkten Gesprächen teilnehme. Am Montag erklärten iranische Beamte, sie seien zu Verhandlungen mit den USA bereit, wenn diese von Oman vermittelt würden.
Irans Uranabbau wird jedoch von Sicherheitsexperten kritisch beäugt. Sie weisen darauf hin, dass die iranischen Reserven zwar nicht ausreichen, um den einzigen iranischen Atomreaktor zu betreiben. Doch sie könnten für den Bau von Atombomben genutzt werden.
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Der Reaktor im iranischen Kernkraftwerk Bushehr benötigt jährlich das Äquivalent von etwa 160 Tonnen (145,15 Tonnen) Uranerz. Bislang hatte der Iran aber nur 21 Tonnen pro Jahr abgebaut. Brennstoff liefert die russische Rosatom, die die Anlage auch gebaut hat.
„Obwohl der Iran bereits genügend Uran erworben hat, um ein beträchtliches Atomwaffenarsenal zu versorgen, entsprechen seine inländischen Uranressourcen nicht seinen Zielen für Kernkraftreaktoren“, schrieb das in Washington ansässige Institute for Science and International Security im vergangenen Jahr in einem Bericht. Das Land verfüge damit nicht über eine „wirtschaftlich lebensfähige inländische Uranquelle“.
Im Februar stellte die IAEO in einem Bericht fest, dass der iranische Bestand an hochangereichertem Uran in den vorangegangenen drei Monaten um 50 Prozent auf 275 Kilogramm gestiegen ist.