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NahostWie die Hamas Geiselübergaben als Propagandashow inszeniert

Israel wirft der Hamas menschenverachtende Zeremonien vor. Als Reaktion setzt Premier Netanjahu die Freilassung palästinensischer Gefangener aus und fordert Garantien.Pierre Heumann 24.02.2025 - 16:40 Uhr Artikel anhören
Mediale Inszenierung: Hamas-Terroristen führen die amerikanisch-israelische Geisel Keith Siegel öffentlich vor. Dann übergeben sie sie an das Rote Kreuz. Foto: Mohammed Hajjar/AP/dpa

Tel Aviv. Israel hat die Freilassung Hunderter palästinensischer Gefangener auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Grund nennt die Regierung die „demütigenden“ Umstände, unter denen die Hamas bisher Geiseln übergeben hat.

Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte, die ursprünglich für den vergangenen Samstag geplante Freilassung der palästinensischen Gefangenen werde erst erfolgen, wenn Israel Garantien für die verbleibenden Geiseln in Hamas-Gefangenschaft erhalte. Derzeit befinden sich noch 63 Geiseln in Gaza, von denen 36 laut Angaben des israelischen Militärs vermutlich tot sind.

Von US-Präsident Trump hat Netanjahu keine Kritik für diesen Schritt zu befürchten: Ein Sprecher der US-Regierung erklärte, dass Trump Israel bei jedem Schritt gegen die Hamas unterstützen werde.

Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, kündigte unterdessen an, voraussichtlich am Mittwoch in den Nahen Osten zu reisen. Er arbeite daran, die erste Phase der Waffenruhe zu verlängern, sagte er dem US-Sender CNN. Dabei solle die nächste Runde der indirekten Gespräche zwischen Israel und der Hamas ausgehandelt werden.

Erst wenn die nächste Geiselfreilassung garantiert ist, und zwar ohne diese entwürdigenden Inszenierungen, wird die Maßnahme fortgesetzt.
Mitteilung von Premier Netanjahu

Dass Israel die Freilassung palästinensischer Gefangener ausgesetzt hat, rechtfertigt Netanjahu als Strafaktion gegen die Hamas. Sie habe bei der Übergabe von Geiseln erniedrigende Zeremonien vollführt und  diese zynisch für Propagandazwecke genutzt. „Erst wenn die nächste Geiselfreilassung garantiert ist, und zwar ohne diese entwürdigenden Inszenierungen, wird die Maßnahme fortgesetzt“, so eine Mitteilung aus dem Büro des Premierministers.

Die Hamas hingegen fordert, dass sich Israel an die Vereinbarungen des Waffenstillstandsabkommens hält, nachdem sie am Samstag sechs weitere israelische Geiseln freigegeben hatte.

Die Hamas ermordete Shiri Bibas und ihre Kinder

Israel wirft der Hamas einen mehrfachen Bruch der Waffenstillstandsvereinbarung vor. So gab die Terrororganisation vor einer Woche zum Beispiel an, die sterblichen Überreste der jungen Mutter Shiri Bibas an israelische Beamte übergeben zu haben, händigte jedoch zunächst die falsche Leiche aus.

Israelische Forensiker stellten fest, dass die Identität nicht übereinstimmte, woraufhin die Hamas dann den richtigen Leichnam „fand“. Für das israelische Militär ist es ein klarer Fall: Shiri Bibas und ihre beiden Kinder waren von den Terroristen brutal ermordet worden.

Israeli Ofer Calderon vor der Freilassung: Machtdemonstration der Hamas. Foto: Abdel Kareem/AP/dpa

Israels Protest richtet sich auch gegen die Art, wie die Hamas die Geiselübergaben inszeniert. Die aufwendig gestalteten Bühnen, Banner und visuellen Elemente werden als Propagandainstrument eingesetzt. Auch die Vereinten Nationen verurteilen die Zwangsvorführung der Geiseln vor laufenden Kameras und jubelnden Menschenmengen. Als besonders zynisch wird die Aushändigung von „Geschenktüten“ mit propagandistischem Inhalt an die Freigelassenen empfunden.

In Hamas-Videos sind Terroristen zu sehen, die sich scheinbar freundlich von den Geiseln verabschieden, ihnen die Hand reichen oder sie umarmen. Doch diese Darstellungen sind reine Inszenierungen – zahlreiche freigelassene Geiseln berichten von Misshandlungen, Hunger und psychischem Terror während ihrer Gefangenschaft.

Auch die Freilassungen selbst dienen der Hamas als Manipulationsinstrument. Sie präsentiert sich als angeblich humane Organisation, die zu Verhandlungen bereit ist. Doch in Wahrheit instrumentalisiert sie die Geiseln als Propagandamittel. So werden die Gefangenen vor laufender Kamera zu Interviews gezwungen, stets umringt von uniformierten Terroristen im Kampfanzug.

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So wurde ein Gefangener gezwungen, zwei seiner Peiniger zu küssen, bevor er dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und dann der israelischen Armee übergeben wurde. Die Hamas stellte diesen Moment als „spontane Geste“ und Beweis für ihre „hohe Ethik“ dar.

Mit ihren Shows vermittle sie den Eindruck, „noch immer stark genug zu sein, um Israels Pläne zur Entwaffnung oder Trumps Plan zur Umsiedlung der Palästinenser zu vereiteln“, sagt der Palästinensische Politologe Mkhaimat Abusada dem Handelsblatt. Die Propagandamaschine der Hamas arbeite noch immer reibungslos. Sie verfolge zwei Hauptziele: Angst in Israel zu schüren und die Unterstützung ihrer Anhänger im In- und Ausland zu sichern. Die Hamas betrachte Medienoperationen als „zusätzliches Schlachtfeld, parallel zu ihren physischen Kriegsanstrengungen“.

Die Inszenierung enthalte mehrere Botschaften, sagt auch der Arabienspezialist des Armeesenders Galei Zahal, Jacky Hugi. Wenn die Hamas Särge mit Leichen vor die Bühne stelle, wolle sie Israel sagen, „was ihr tut, hat seinen Preis“. Auf den Särgen sei ein Schild mit den Namen der Opfer angebracht, versehen mit dem Datum der „Verhaftung“ (sprich Entführung). Das vermittle die Botschaft „Ermordet von der zionistischen Besatzung, die ihre eigenen Leute tötet“.

Ofer Kalderon umarmt seine Frau und seine Kinder: Ende eines Albtraums. Foto: Maayan Toaf/GPO/dpa

Die PR-Inhalte richteten sich zugleich an Palästinenser („Die Hamas hat alles unter Kontrolle“) und an die Welt („Wir sind die wahre Macht in Gaza“). Auch die Präsenz der aus israelischer Haft entlassenen Terroristen bei Geiselübernahmen vermittle eine Botschaft, so Hugi. Die Hamas wolle damit zeigen, dass sie sich erfolgreich für die „Helden der Nation“ einsetze.

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Mit jeder Übergabe wolle die Hamas demonstrieren, dass sie Israel Bedingungen diktieren kann, meint Hugi. Ihre Videos werden gezielt über soziale Medien und Al Dschasira verbreitet und von westlichen Medien übernommen. Die Szenen sollen die Hamas als „menschenfreundlich“ inszenieren, um den öffentlichen Druck auf Israel zu erhöhen und weitere Verhandlungen zu erzwingen.

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