Nordkorea: Wie eine Deutsche den Alltag in einer Diktatur erlebt
Tokio. Es sind minus 15 Grad, als Rebecca Reinecke die Grenze zwischen China und Nordkorea überquert. Vor ihr liegt das „unerbittliche Land“, wie sie es später nennen wird – eine karge, eisige Landschaft, in der das Meer zugefroren ist. Und die Menschen ein fremdes Leben in einer der dauerhaftesten Diktaturen der Welt führen. „Alles hat so lebensfeindlich auf mich gewirkt“, erinnert sich die 29-jährige Analystin für geopolitische Sicherheit in Nordostasien an ihre ersten Eindrücke von der sogenannten „Rason Special Economic Zone“.
Reinecke ist eine der wenigen Reisenden aus dem Westen, die nach Jahren geschlossener Grenzen im März 2025 nach Nordkorea reisen konnten. Vier Tage lang führte ihre Tour sie in die Sonderwirtschaftszone Rason, einer Stadt mit etwa 200.000 Einwohnern in einer geostrategisch wichtigen Lage: Sie liegt im äußersten Nordosten des Landes, wo Nordkorea, China und Russland aneinanderstoßen.
Von hier aus soll Nordkorea Waffen für Russlands Ukraine-Feldzug geliefert haben. Reinecke sagt: „Ich habe mich daher gewundert, dass die Regierung uns hier hereingelassen hat.“ Inzwischen hat es sich das Regime unter Kim Jong-un auch anders überlegt, erklärt die Expertin: „Wir waren wohl die letzten westlichen Touristen in Nordkorea. Hinter uns wurde das Land wieder abgeriegelt.“